„Toll, dass es jetzt wieder losgeht“

Interview mit Gregor Meyle über seinen Auftritt in Wolfhagen und die Coronazeit

Musiker Gregor Meyle tritt am 10. September beim Kulturzelt in Wolfhagen auf. Immer mit dabei seine Gitarre und der Hut.
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Musiker Gregor Meyle tritt am 10. September beim Kulturzelt in Wolfhagen auf. Immer mit dabei seine Gitarre und der Hut.

Gregor Meyle tritt am 10. September beim Kulturzelt in Wolfhagen auf und erzählt von seinem Auftritt und wie die Coronazeit für ihn war.

Wolfhagen – Mit seinen Songs erzählt der Singer-Songwriter Gregor Meyle Geschichten, über all die Dinge, die ihm am Herzen liegen oder was ihm auf der Seele brennt. Auch in diesem Jahr ist der Sänger wieder beim Kulturzelt in Wolfhagen dabei.

Sie treten am 10. September beim Kulturzelt auf. Zum wievielten Mal sind Sie in Wolfhagen dabei?
Das erste Mal in Wolfhagen haben wir gespielt 2008, kurz nach meinen Auftritten bei Raab. Und dann ging es, glaube ich, erst 2014 weiter. Müsste das fünfte oder sechste Mal sein. Wir sind ja sehr eng mit den Veranstaltern des Festivals. Das ist immer sehr familiär vor Ort. Ein tolles Städtchen. In diesem Festival steckt wahnsinnig viel Leidenschaft.
Mit wem treten Sie im September auf?
Mit unserer Band, der Meyle-Band. Wir sind seit 2014 zusammen. Jeder Ton wird live gespielt. Geiger, Sängerinnen, Bläser, alles dabei, wie man es von uns kennt. Das sind tolle Musiker und jeder, der auf Musik steht und auf Live-Musik, der kommt da auf jeden Fall auf seine Kosten.
Welche Songs sind mit dabei?
Es gibt was vom aktuellen Album, wir haben letztes Jahr noch ein Best-Of-Album gemacht, davon werden wir viel spielen. Natürlich dürfen Songs wie „Keine ist wie du“ nicht fehlen und „Niemand“ ist eigentlich auch ein Lied, was wir bei jedem Konzert spielen. Das sind Songs, die es schon sehr lange gibt und die die Leute einfach kennen.
Haben Sie auch was Neues mit dabei?
Ich schreibe quasi das neue Album gerade, das im April nächstes Jahr rauskommt. Mal gucken, ob da mal ein, zwei Liedchen ausprobiert werden, das weiß ich jetzt noch nicht.
Was kann man von dem neuen Album erwarten?
Wir fangen tatsächlich gerade erst an. Das kann ich noch gar nicht genau sagen, es ist bei mir immer so ein Gemischtwarenladen. Jeder Song ist eigentlich in einer anderen Musikrichtung zuhause.
Haben Sie denn bei den vielen Musikrichtungen auch ein Lieblingslied?
Es gibt einfach so Lieblingsmomente, die sich dann auf so einer Tour entwickeln. Ein Lied, was ich auch immer gerne spiele, ist „Stolz auf uns“. 2018 ist meine Mama verstorben, da habe ich dann dieses Lied für sie geschrieben, das ist mir sehr wichtig. Das ist für mich dann immer so ein heiliger Moment. Wir machen natürlich auch viel Tanzmucke, also einfach Songs, die ein bisschen belebter daherkommen. Und dann gibt es eben diese tiefen Momente, die mag ich eigentlich am liebsten, so in die Stille reinzuspielen und 1500 Leute hören zu, das ist was ganz Tolles. Natürlich muss man auch rocken und Party machen, der Kontrast macht es eigentlich aus.
Wegen Corona konnten ja in letzter Zeit keine Konzerte stattfinden. Wie haben Sie die Zeit wahrgenommen und genutzt?
Erst mal ging es darum, sich neu aufzustellen und zu sortieren, wie geht es weiter. Ich habe noch nie so viele Ideen ausprobiert, Sachen gemacht, um einfach meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir haben letztes Jahr ein Kochbuch fertig geschrieben, wir haben letztes Jahr ein Best-of-Album aufgenommen mit einem Streichquartett, das wollte ich schon immer mal machen. Ich habe angefangen, fürs neue Album zu schreiben. Und ich war bei ein paar Fernsehsendungen dabei. Außerdem haben wir jetzt eigene Weine, das wollten wir auch schon lange machen. Die Scheurebe gibt es seit Ende März. Der Rosé ist gerade vor ein paar Tagen abgefüllt worden und im Winter kommt ein Rotwein dazu.
Wie sind Sie darauf gekommen, einen Wein auszuprobieren?
Ich wollte schon immer mal meinen eigenen Wein machen. Wein war eigentlich schon immer ein Hobby von mir. Ich bin in einer Weinregion aufgewachsen, war bei der Weinlese dabei über viele, viele Jahre und hab mir so mein Taschengeld verdient. Jetzt hat sich das so ergeben. Zu nem guten Essen gehört ein toller Wein dazu. Ich bin mit einer Winzerfamilie aus der Pfalz befreundet. Deren Weine mag ich sehr gern. Also haben wir einfach angefangen, eine eigene Abfüllung zu machen. Dieses Mal war ich nicht bei der Lese dabei, ich hab den Grundwein nicht gemacht. Aber aus verschiedenen Weinen baut man sich was zusammen und kreiert dann eben den eigenen Charakter.
Was bedeutet es für Sie, nach Corona jetzt endlich wieder aufzutreten?
Das ist eine riesen Errungenschaft. Man weiß jetzt mehr denn je, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, Konzerte zu spielen. Es wird alles ein bisschen bewusster, dass tolle Momente eben nicht selbstverständlich sind und dass es ein Privileg ist, diesen tollen Moment überhaupt zu kreieren.
Dann hat doch sicherlich der Kontakt zum Publikum gefehlt?
Es ist ein Privileg, dass ich diesen Beruf überhaupt machen darf. Und auf dem Weg zum Erfolg klappen ganz viele Dinge nicht. Deswegen bin ich wahnsinnig dankbar, wenn ich auf der Bühne stehe. Es ist wunderschön, Menschen nach einem zweieinhalbstündigen Konzert beseelt und berührt nach Hause zu entlassen. Ich mache das genau für diese Momente, dass ich da stehe und den Menschen einen schönen Abend bereiten kann. Und jetzt geht das endlich wieder. Ich freue mich so auf den Energieaustausch mit dem Publikum.
Stehen neben den Konzerten noch irgendwelche Projekte an demnächst?
Ja, es gibt ein paar Fernsehprojekte und -shows. Meylensteine hatte ich 2015/2017 gemacht, das war quasi eine eigene Fernsehserie. Da sind wir am Überlegen, ob wir wieder was machen. Nächstes Jahr kommt das neue Album, und ich werde viel unterwegs sein. Deswegen bin ich dieses Jahr einfach kreativ, bin aber trotzdem in vielen TV-Shows zu sehen.
Noch mal zu Ihrem aktuellen Best-of-Album „Tutto andrà bene“. Was bedeutet das beziehungsweise warum ein italienischer Name?
Übersetzt heißt das: Alles wird gut. Es gibt auch einen Song auf dem Album, der so heißt. Das ist der letzte Song auf der Platte. Das Streichquartett, das dabei ist, stammt aus Neapel. So eine wunderschöne Gegend. Und wir hatten genau eine Woche, in der kein Lockdown war. Davon sind wir zwei Tage runtergefahren und haben das Album dort aufgenommen, ne sehr knappe Kiste, und wir sind durchs Dorf gefahren, und da hing eben an einem Balkon auf ein Bettlaken aufgeschrieben: Tutto andrà bene. Alles wird gut. Das passt perfekt zum Album, zur jetzigen Zeit. Das war quasi der Slogan in Italien, dass alles gut wird. Die Italiener hat es ja ziemlich erwischt. Deswegen war das ein wichtiges Zeichen, das passt perfekt. Ich hätt gern auch italienisch gesungen, das kommt vielleicht irgendwann mal.
Also wollen Sie mit dem Album den Leuten auch Mut machen?
Das ist das, was ich damit vermitteln möchte, dass diese Leichtigkeit des Seins wieder zurückkommt in unsere Leben. Dass wir bewusster geworden sind, dass viele Dinge nicht selbstverständlich sind. Dass man um viele Dinge auch kämpfen muss, als Musiker ist das eigentlich immer so. Aber ich find es toll, dass es jetzt wieder losgeht, und denke, das werden auch sehr intensive Konzerte im Sommer, weil die Leute das auch sehr vermisst haben. (Samira Müller)

Hinweis: 10.9.: Gregor Meyle, Kulturzelt Wolfhagen. Karten: 0 56 92/99 60 09 6, kulturkarten.de

Zur Person

Gregor Meyle (42) wurde in Backnang geboren. Er ist ein deutscher Musiker. 2007 belegte er den zweiten Platz bei einer Castingshow von Stefan Raab bei Pro Sieben. 2014 nahm er an der Sendung „Sing meinen Song“ teil und startete 2015 mit der Sendereihe „Meylensteine“. „Tutto andrà bene“ ist sein aktuelles Best-Of-Album, welches im Jahr 2020 erschienen ist. Meyle und seine Frau haben eine Tochter. (smm/may)

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