Mit negativem Test zum Einkaufen

Inzidenzwert ist entscheidend, was in den Kreisen für Verbraucher gilt

Das Schreibwarengeschäft Schmidt von Carsten Schmidt in Bad Emstal ist für Kunden geöffnet.
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Das Schreibwarengeschäft Schmidt von Carsten Schmidt in Bad Emstal ist für Kunden geöffnet.

Wann und wie die Geschäfte im Wolfhager Land wieder öffnen, ist abhängig vom Inzidenzwert.

Wolfhager Land – Seit die Regeln der Bundes-Notbremse in Kraft getreten sind, herrscht Verwirrung bei Kunden und Einzelhandel im Wolfhager Land. „Bei uns steht das Telefon nicht mehr still“, erklärt Waltraud Heldt vom Ordnungsamt der Stadt Wolfhagen. Erst recht, weil demnächst wieder neue Bedingungen gelten könnten - falls der Landkreis bis einschließlich Freitag eine Inzidenz von unter 150 aufweist. Landkreissprecher Harald Kühlborn: „Da der 9. ein Sonntag ist, wird das dann natürlich erst ab dem Montag greifen.“

So dürften Händler wieder Kunden in den Laden lassen –nach vorheriger Terminbuchung per Telefon oder online (click and meet). „Voraussetzung ist ein qualifizierter Test oder der Nachweis einer Zweitimpfung gegen Corona, die mindestens 14 Tage zurückliegt“, erklärt Heldt. Dieser Test kann beispielsweise im Testcenter in der Stadthalle gemacht werden oder natürlich bei anderen Testanbietern im Altkreis Wolfhagen. Es gelte auch ein PCR-Test oder ein Test, der beim Arbeitgeber erfolgt ist. Mit einem Selbsttest ist der Zutritt nicht möglich. Ein solcher gilt lediglich für Friseure oder Fußpfleger. Hier können Kunden einen Selbsttest vor der Tür machen, der von den Geschäftsinhabern aber beaufsichtigt werden muss.

Während im Wolfhager Land die Geschäfte vermutlich am Montag erst wieder für Kunden öffnen (bisher galt nur Warenabholung (click and collect), gibt es regen Einkaufstourismus beispielsweise im nahen Bad Arolsen oder in Warburg. Diese Orte gehören zu Landkreisen, deren Inzidenz geringer ist als im Kreis Kassel. In Warburg sogar unter 100. Bedeutet: Während in Wolfhagen Baumärkte nur Waren zum Abholen anbieten durften, konnten die Kunden in Warburg ohne Anmeldung im Baumarkt einkaufen.

Einkaufstourismus stellt auch Christoph Figge von Werkers Welt fest, der für mehrere Baumärkte in der Region zuständig ist. „Wir haben Baumärkte in vier Landkreisen und müssen täglich schauen, welche Regeln gerade gelten.“ Für die Kunden sei das ganz schwierig nachvollziehbar. Manche hätten in Wolfhagen schon mit einem Test vor dem Laden gestanden, und man habe sie nicht einlassen dürfen, weil bisher nur Abholung erlaubt sei.

Das Bekleidungsgeschäft „Von Herzen schenken“ in Burghasungen muss wegen der Inzidenz auch geschlossen bleiben, wie Inhaberin Ursula Brixel erklärt. „Da hängen wir alle in der Luft“, sagt sie. Da ihr Geschäft allerdings keine festen Öffnungszeiten hat, die Kunden also einen Termin vereinbaren müssen, laufe es bei ihr ohnehin etwas anders.

Carsten Schmidt hingegen darf sein Schreibwarengeschäft in Bad Emstal öffnen, da er auch eine Postagentur und eine Lotto-Annahmestelle im Laden hat. „Das gilt als systemrelevant“, sagt er. Deshalb dürfen bis zu fünf Personen in sein Geschäft. Einen Test benötigen sie dafür allerdings nicht. Die Mitarbeiter im Laden werden jedoch getestet, wie Carsten Schmidt berichtet.

Auch geöffnet ist das Schuhhaus Lötzerich in Bad Emstal wegen eines Paketdienstes und der Reinigung. Zwei Personen können das Geschäft mit Maske und Abstand betreten, so Simone Lötzerich.

Im Nachbarkreis gelten derzeit andere Regeln

Da die Inzidenz in Waldeck-Frankenberg in den vergangenen Wochen konstant über 100 lag, greift derzeit die Bundes-Notbremse. Diese Einschränkungen gelten bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen ab dem übernächsten Tag. Die Notbremse tritt wieder außer Kraft, wenn im jeweiligen Landkreis an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen die Inzidenz von 100 wieder unterschritten wurde. Derzeit liegt die Inzidenz im Nachbarlandkreis bei 94,6 (Stand Montag, 3. Mai. Es fehlen noch die Erhebungen vom 1. Mai-Wochenende.)

In Bad Arolsen gibt es im Bürgerhaus ein Testzentrum, das fast täglich geöffnet ist. „Das Testangebot der Stadt Bad Arolsen und des DRK richtet sich an jedermann, insoweit sind keine Voraussetzungen zu erfüllen. Das Testzentrum im Bürgerhaus ist geöffnet montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 17 Uhr, samstags von 8 bis 12 Uhr. An Sonn- und Feiertagen besteht dann noch ein Testangebot in Volkmarsen in der Nordhessenhalle in der Zeit von 10 bis 17 Uhr. Damit können wir aktuell in Nordwaldeck ein Sieben-Tage-Angebot unterbreiten“, so Bad Arolsens Bürgermeister Jürgen van der Horst auf Nachfrage. Mitzubringen sei ein gültiges Ausweisdokument. „Im Übrigen sind wir mit dem Testangebot für den Fall weiterer Lockerungen vorbereitet“, so van der Horst.

„Sobald der Inzidenzwert zwischen 100 und 150 liegt, gilt das Click and Meet-Prinzip“, erklärte der Pressesprecher des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Dr. Hartmut Wecker. Dafür gelte dann auch, dass man nur getestet in die entsprechenden Geschäfte dürfe. Die Tests dürfen nicht älter als 24 Stunden sein. Solange die Bundes-Notbremse aktiv ist, sei der Einzelhandel jedoch geschlossen. Ausnahmen sind Lebensmittelgeschäfte, Direktvermarkter, Reformhäuser, Baby-Fachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörakustiker, Tankstellen, Kioske, Buchhandlungen, Floristen, Garten-Märkte, Tierbedarfs- und Futtermittelmärkte und Großhandel. Alle anderen Geschäfte dürfen für Termin-Shopping öffnen. (Bea Ricken, Monika Wüllner und Samira Müller)

Landesregelungen bei Werten bis 100

Bei einer Inzidenz von bis zu 100 gelten die Landesregelungen während der Corona-Pandemie. Liegen die Werte darüber, greift die Bundes-Notbremse. Darin werden Kontakte, Ausgangsbeschränkungen, Schulen, Kitas, Geschäfte, Gastronomie und mehr geregelt. Deshalb kann es im Moment zu unterschiedlichen Vorgaben kommen, je nach Inzidenzwert des entsprechenden Landkreises. Die tagesaktuellen Zahlen werden auf den Internetseiten der Kreise veröffentlicht. Dort werden auch Öffnungszeiten und Orte der Testzentren bekannt gegeben. landkreiskassel.de

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