Judentum

Jüdischer Friedhof in Wolfhagen wurde eingeweiht

Von Bea Ricken

Bei der Einweihungsfeier des jüdischen Friedhofs trugen alle Besucher aus Respekt einen Hut oder eine sogenannte Kippa, die traditionelle religiöse Kopfbedeckung jüdischer Männer.

Es war ein emotionaler Moment, als Daniel Neumann vom Landesverband der jüdischen Gemeinden Hessen in Wolfhagen den jüdischen Friedhof in Wolfhagen einweihte.

Wolfhagen – „Der neue jüdische Friedhof erhält durch die Neugestaltung seine Würde zurück und schlägt eine Brücke zwischen dem Heute und der Vergangenheit. Er öffnet aber auch die Türen in eine unbequeme und schmerzvolle Vergangenheit“, sagte Neumann.

Das Gift des Antisemitismus fresse sich auch heute wieder in die Gesellschaft. Bei der Feierstunde auf dem Friedhof an der Wilhelmsstraße appellierte Neumann, menschenverachtenden Ideologien in Deutschland keinen Millimeter Raum zu geben.

Mehrere Tafeln mit Namen der ermordeten Juden finden sich entlang der Friedhofsmauer.

Ehrenbürger wurde live zugeschaltet

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Applaus gab es nicht nur von einer Vielzahl von Gästen, sondern auch von dem live zugeschalteten Ehrenbürger Ralph Mollerick aus Lake Worth in Florida und Shlomo Kann, Sohn des bereits verstorbenen Ehrenbürgers Lutz Kann, aus Tel Aviv in Israel.

Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake hatte die Feierstunde eröffnet, die von der Musikschule mit Klängen aus dem amerikanischen Spielfilm und Holocaust-Drama Schindlers Liste untermalt wurde. Der Friedhof, der jetzt durch das Entfernen der Hecke sichtbar ist, sei ein Mahnmal für ein friedliches Zusammenleben.

Man wolle mit dem Friedhof und den Stahltafeln mit den Namen der während des Holocaust Getöteten, die ehemaligen jüdischen Mitbürger ehren.

Jüdische Friedhöfe in den Blick holen

Die hessische Ministerin Eva Kühne-Hörmann bekundete, der Friedhof sei ein Ort, der berühre. Es sei wichtig, die jüdischen Friedhöfe in den Blick zu holen, um neu ins Gespräch zu kommen. Gerade angesichts des Antisemitismus, der in der Mitte der Gesellschaft wieder salonfähig werde.

Auch sie appellierte, Hass und Hetze entschieden entgegenzutreten.

Ernst Klein aus Volkmarsen, vom Verein Rückblende, erinnerte an die Geschichte des Friedhofes und seine Schändung während der Kriege. Die aufgearbeiteten Steine der Mauer erinnerten an den steinigen Weg der Juden in Wolfhagen.

50 000 Euro für den Friedhof

Bevor Alexander Adler, Kantor der jüdischen Gemeinde in Kassel, ein Gebet sprach, hatten Schüler der Walter-Lübcke-Schule die Namen der ermordeten jüdischen Wolfhager Mitbürger vorgelesen.

Rund 50 000 Euro hat die Stadt in den Friedhof investiert. Der städtische Haushalt wurde davon nicht belastet, da die Summe über das Regierungspräsidium Kassel kam. Die Verantwortung für die jüdischen Friedhöfe in Hessen liegt beim Land. (Bea Ricken)

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