Keine eigene Liga im Kreis

Jugendfußball in der Krise: Zahl der Mannschaften nimmt stark ab

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Spielen künftig in der Kreisliga Kassel: Die A-Junioren von Reinhardshagen/Immenhausen. Links Niklas Greif und Torwart Moritz Koch

Hofgeismar/Wolfhagen. Dem Kreis Hofgeismar/Wolfhagen fehlt der Fußball-Nachwuchs. In der heute beginnenden Saison sind nur noch 107 Mannschaften am Start - acht weniger als ein Jahr zuvor.

Die Folge: Im Fußballkreis, der von Bad Karlshafen bis Naumburg geht, gibt es bei den A- und B-Junioren keine eigenen Spielklassen mehr. Die Vereine sind deshalb in den Kreisen Kassel und Waldeck aktiv und kämpfen dort um Punkte.

Der Nachwuchsmangel ist gravierend. Binnen sechs Jahren nahm die Zahl der Mannschaften drastisch ab: von 176 auf 115 Teams – ein Rückgang von fast 35 Prozent.

Der Einbruch an Jungkickern betrifft aber nicht alle Altersklassen: So tummeln sich in fast allen Vereinen noch genug Kinder in der G-, F-, E-, D- und C-Jugend, um jedes Wochenende eine volle Mannschaft auf den Platz stellen zu können. Kritisch wird es bei den älteren Jahrgängen. Gründe gibt es viele. Zum einen ist da der demografische Wandel: Es gibt immer weniger Kinder. Zwischen 1990 und 2000, dem aktuellen A-Jugend-Jahrgang, ging die Zahl der Geburten bei den Jungs in Wolfhagen von 170 auf 152 zurück. Ähnlich sieht es in anderen Kommunen aus. Kreisjugendwart Thomas Holpert und Kreisjugendadministrator Olaf Hamel sehen als Ursache noch einen weiteren Aspekt: „Die Jugendlichen sitzen lieber vor dem Computer oder daddeln mit dem Handy und sind nur schwer aus der Komfortzone herauszubekommen“, so ihre Auffassung. „Es gibt immer weniger Jugendmannschaften, die Größe der Spielgemeinschaften nimmt zu, die Zahl der Mannschaften ab“, sieht Holpert die Entwicklung insgesamt bedenklich. „Der Jugendfußball steckt in der Krise“, meint gar Hamel. „Die Vereine müssen dem Nachwuchs das Spiel mit dem runden Leder wieder schmackhaft machen. Sie müssen den Kampf gegen die Elektronik aufnehmen“, erklärt Holpert. 

Vor ein paar Wochen feierten die B-Junioren der JSG Weidelsburg/Naumburg die Meisterschaft in der Fußball-Kreisliga und bejubelten den Aufstieg in die Gruppenliga. Die Freude im Lager der Vereinigten war groß. Und so meldete der Verein eine Mannschaft für die neue Serie. Doch schon nach wenigen Tagen zog die JSG ihre Teilnahme wegen personeller Probleme wieder zurück. „Wir wussten, dass es eng wird“, sagt Jugendleiter Patrick Fülling. Dass es aber so enden würde, damit habe man nicht gerechnet. 

Patrick Fülling, Jugendleiter Weidelsburg/Naumburg

Weidelsburg/Naumburg bekam trotz aller Bemühungen keine volle Elf zusammen. Torwart Marc Pfeil zog es zum KSV Baunatal, ein anderer Leistungsträger, Torjäger Mathis Grenzdörfer, geht für ein Jahr nach England. 

Fusionsgespräche, unter anderem mit Bad Emstal/Niedenstein/Elbenberg scheiterten, auch weitere Maßnahmen neue Spieler zu gewinnen brachten nicht den gewünschten Erfolg. „Wir mussten die Mannschaft wieder abmelden“, bedauert Fülling. 

Der Nachwuchsmangel bei Weidelsburg/Naumburg ist kein Einzelfall, auch andere Vereine aus dem Kreis Hofgeismar/Wolfhagen klagen über immensen Spielerschwund. 

Von der alten auf die neue Saison, die am Wochenende startet, sind insgesamt acht Jugendmannschaften verschwunden. Ähnlich sind die Zahlen in den Nachbarkreisen. 

Einer, der die Entwicklung hautnah mitbekommt, ist Kreisjugendadministrator Olaf Hamel. „Es gibt ländliche Bereiche, wo es schwierig geworden ist, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten“, sagt er. Hamel und seine Mitstreiter mussten handeln. Erstmalig wird es im hiesigen Raum bei den A- und B-Junioren keine eigenständigen Kreisligen mehr geben. 

Kreisjugendadministrator Olaf Hamel

„Die Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren sind ein Problem“, sagt Hamel. „Die sitzen heute oft lieber vor dem Computer, Spielkonsole oder daddeln auf dem Handy, bevor sie zum Fußball kommen.“ 

Patrick Fülling sieht einen weiteren Grund im Zeitfaktor. Schule, Hausaufgaben, Busfahrten zum Schulort – das alles spiele vielleicht auch damit rein, dass einige der Jugendlichen abends keine Lust mehr auf Training hätten. „Die Schüler haben nicht mehr so viel Freiraum wie wir einst.“ Gravierend ist der Rückgang bei den B-Junioren. Waren es in der vergangenen Saison noch zehn Mannschaften, sind es zur neuen Serie nur noch sechs. 

Espenau/Holzhausen und Weser/Diemel/Deisel spielen ab sofort in der Kasseler Gruppe. Calden/Grebenstein/Hombressen/Udenhausen II, Bad Emstal/Niedenstein/Elbenberg sowie Warmetal I und II mit acht Waldecker Mannschaften zusammen. 

Ähnlich die Situation bei den A-Junioren. Weser/Diemel/Deisel, Reinhardshagen/Immenhausen und Espenau/Holzhausen kämpfen künftig in der Kreisliga Kassel um Punkte. Calden/Grebenstein/Hombressen/Udenhausen II, Schauenburg II, Obermeiser/Westuffeln/Breuna/Ersen, Warmetal und Weidelsburg/Naumburg treten gegen Korbach, Mengeringhausen/Volkmarsen, Diemelsee-Upland, Edertal/Waldeck und Bad Arolsen/Landau in der Kreisliga Hofgeismar/Wolfhagen/Waldeck an. Der Jugendfußball, so Hamel, habe massive Probleme. „Da kann einem schon angst und bange werden.“

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