Mehr als 300.000 neue Bäume – Forstamt blickt in die Zukunft

Kampf gegen die Katastrophe: So will das Wolfhager Forstamt den Wald retten

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Erst kamen die Stürme Friederike und Eberhard, dann die Borkenkäfer: Am Erzeberg bei Balhorn klafft eine riesige Wunde im Wald. Der Staatswald soll wieder aufgeforstet werden, unter anderem mit Weißtannen und Eichen. Forstpraktikantin Thessa Heinzel (19) verfolgt die Entwicklung mit Sorge, neben ihr Wachtelrüde Leo.

Stürme, Hitze, Dürre und Schädlinge haben in den vergangenen 18 Monaten den Wald in Hessen extrem geschädigt. Millionen Bäume sterben in rasantem Tempo ab.

Bereits jetzt ist im hessischen Staatswald eine Fläche von 10.000 Fußballfeldern entwaldet. Im 6000 Hektar großen Staatswald, für den das Forstamt Wolfhagen zuständig ist, seien 250 Hektar Freiflächen durch Sturm und Käfer entstanden, sagt Forstamtsleiter Uwe Zindel. Hinzu kommen die Schäden in Kommunal-, Privat- und Interessentenwäldern.

Förster sehen sich der großen Aufgabe gegenüber, den Wald von morgen klimastabil wiederaufzubauen. Im Staatswald des Forstamtes Wolfhagen müssen in den nächsten fünf Jahren 300.000 neue Bäume gepflanzt werden. Daneben rechnet Zindel auf einer Fläche von etwa 150 Hektar mit Naturverjüngung. Dabei entstünden bis zum Jahr 2024 Kosten von etwa 750.000 Euro. Müssten die Setzlinge zusätzlich gegen Wildverbiss geschützt werden, wären weitere 250.000 Euro einzuplanen.

Wald soll vielfältig bleiben

Für die Wiederaufforstung feilt Hessen Forst am Programm „Mischwald für morgen“. Das Ziel: Alle Waldfunktionen dauerhaft zu sichern, damit auch künftige Generationen die Vielfalt des Waldes als Lebensgrundlage behalten.

Auf den Flächen im Altkreis Wolfhagen und im Hohen Habichtswald sollen verstärkt Traubeneichen, Ahorne, Kirschen, Elsbeeren und Roteichen gepflanzt werden. An Nadelbäumen sind Weißtanne, Lärche, Douglasie und Küstentanne die bevorzugten Arten. Mit geringen Anteilen sollen auch Arten wie der Baumhasel als Laubbaum und die Korsische Schwarzkiefer als Nadelbaum, die an mediterrane Bedingungen angepasst sind, den Zugang in Nordhessens Wälder schaffen.

Forstleute unserer Zeit hätten eine solche Extremsituation noch nicht erfahren. „Es ist für uns kaum zu ertragen, den Wald derart leiden und in Teilbereichen sterben zu sehen – doch vielerorts sind wir gegen die Wetterextreme machtlos“, schildert Michael Gerst, Landesbetriebsleiter von Hessen Forst, die aktuelle Lage. 

Arten auf Klimatauglichkeit testen

In Hessens Staatswäldern müssen in den nächsten Jahren über 20 Millionen neue Bäume gepflanzt und über 80 Millionen Euro investiert werden. Neben heimischen Arten, die an Wärme und Trockenphasen angepasst sind, sollen auf Versuchsflächen weitere Baumarten auf ihre Klimatauglichkeit geprüft werden.

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