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Ausbau stößt in Wolfhagen an Grenzen

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Von: Antje Thon

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Immer mehr Haushalte, wie hier in Ippinghausen, entscheiden sich für eine PV-Anlage.
Immer mehr Haushalte, wie hier in Ippinghausen, entscheiden sich für eine PV-Anlage. Doch um alle anschließen zu können, müssten zuvor auf lokaler Ebene die Niederspannungsnetze ertüchtigt werden. Und das kostet Geld und muss für die Regionalwerke wirtschaftlich sein. © Antje Thon

Wolfhagen ist beim Ausbau der Erneuerbaren Vorreiter, inzwischen stößt die Kommune aber bei der erforderlichen Anpassung des Stromnetzes an Grenzen

Wolfhagen – Der Ausbau der erneuerbaren Energien gleicht der Quadratur des Kreises. Einerseits wird der Ruf nach Windrädern und Photovoltaik immer lauter. Und viele Eigenheimbesitzer sind bereit, ihre Dächer mit der Technik auszustatten, die klimafreundlich Sonnenenergie in Strom umwandelt.

Andererseits ist ein Ausbau mit aller Macht nicht möglich. Wie schwierig und komplex die Situation ist, das zeigten die Geschäftsführer der Regionalwerke Wolfhager Land, Christina Holzhauer und Alexander Rohrssen, während der jüngsten Parlamentssitzung in Istha auf.

Das Problem sind die begrenzten Kapazitäten der Stromnetze. Die stammten überwiegend aus einer Zeit, in der Strom zentral erzeugt und von den Verbrauchern dem Netz entnommen wurde. Der Strom floss vornehmlich in eine Richtung, sozusagen von „oben nach unten“.

Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien werden immer mehr Verbraucher zu Stromerzeugern

Mit dem Ausbau der Erneuerbaren und vor allem mit der Dezentralisierung werden immer mehr Verbraucher auch zu Stromerzeugern. Jeder, der auf dem Dach seines Hauses eine PV-Anlage hat, speist über das Niederspannungsnetz Strom ein.

Doch dafür seien die Netze nicht ausgelegt, zuvor müsse investiert werden, sagt Holzhauer. Bei Investitionen ins Netz orientierten sich die Regionalwerke unter anderem auch am Kriterium der Wirtschaftlichkeit.

Im Energienetz der Zukunft wird Strom noch stärker als bereits jetzt in alle Richtungen transportiert, und zwar über alle Spannungsebenen hinweg: Strom muss also von Höchstspannung in Hoch- und Mittelspannung und in Niederspannung transformiert werden und umgekehrt.

Der Strom wird auf lokaler Ebene über die Sektorenkopplung für verschiedene Nutzungsarten verwendet

Gleichzeitig wird der Strom auf lokaler Ebene über die Sektorenkopplung für verschiedene Nutzungsarten verwendet, etwa für die E-Mobilität oder das Heizen mit Wärmepumpen. Das wiederum hat zur Folge, dass der Strombedarf steigt.

Holzhauer rechnet mittelfristig mit einer Verdreifachung des Bedarfes. Hatte es aus Wenigenhasungen und Philippinenburg/-thal Kritik an den Regionalwerken gegeben, weil diese Anträge auf Netzanschlüsse abgelehnt hätten.

Wie Alexander Rohrssen und Christina Holzhauer sagten, gehe jedem Anschluss eine Prüfung voraus, ob die jeweilige Erzeugungsanlage an das Netz angeschlossen werden kann oder ob die Kapazitätsgrenzen bereits erreicht sind.

„Grundsätzlich verfolgen wir das Ziel, alle anzuschließen“, sagte Holzhauer

Unter anderem müsse der Netzbetreiber dafür sorgen, dass die obere und untere Grenze der Spannung eingehalten wird. „Grundsätzlich verfolgen wir das Ziel, alle anzuschließen“, sagte Holzhauer. Es könne aber passieren, dass eine Anlage nur mit reduzierter Einspeiseleistung von maximal 600 Watt angeschlossen werden kann.

Die Regionalwerke prüften dann, ob die PV-Anlage an einer anderen Stelle in das Netz integriert oder ob zuvor das vorhandene Netz verstärkt werden kann, um später eine Einspeisung zu ermöglichen. Insbesondere die Investition in den Netzausbau müsse sich für die Regionalwerke wirtschaftlich darstellen lassen.

Und auch dafür habe der Gesetzgeber eine klare Regelung getroffen. So dürfen die Kosten eines Netzausbaus nicht höher sein als 25 Prozent der Summe, die ein Hausbesitzer in seine PV-Anlage investiert.

Weil sich Investitionen in das Netz auch rechnen müssen, hätten es Einzelmaßnahmen schwerer

Der Grund dafür sei ein solidarischer – denn Investitionen in die Netze würden innerhalb einer Spannungsebene auf alle Stromverbraucher umgelegt. Der Anteil der Nutzungsentgelte am Stromkreis für Haushaltskunden betrage 25 Prozent.

Weil sich also Investitionen in das Netz auch rechnen müssten, hätten es Einzelmaßnahmen schwerer. Wenn sich dagegen mehrere in einer Straße zusammentäten, ergäben sich Synergien und die Chancen für einen Anschluss stiegen. Mitunter blockierten auch genehmigte, aber nie gebaute Anlagen in der Nachbarschaft einen Anschluss an das Stromnetz.

Ohne einen steuernden Eingriff aus Berlin werde es schwierig, die Ziele der Energiewende zu erreichen. Der Weg könne nur über den Ausbau der Niederspannung funktionieren. Doch dafür sei eine Novellierung der aktuellen Regelungen nötig. (Antje Thon)

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