Symbol für den Tod

Makaberer Scherz in der Corona-Krise: Pestärzte erschrecken Kinder fast zu Tode - Verunsicherung in Wolfhagen

Als Pestärzte verkleidete Corona-Gegner tauchen aktuell immer wieder bei Demonstrationen während der Corona-Pandemie auf. Sind die beiden Gruselgestalten aus Wolfhagen auch gegen die Corona-Regeln? Zumindest sorgen sie für große Verunsicherung. (Symbolbild)
+
Als Pestärzte verkleidete Corona-Gegner tauchen aktuell immer wieder bei Demonstrationen während der Corona-Pandemie auf. Sind die beiden Gruselgestalten aus Wolfhagen auch gegen die Corona-Regeln? Zumindest sorgen sie für große Verunsicherung. (Symbolbild)

Zwei als Pestärzte verkleidete Gruselgestalten sorgen für Unruhe in Wolfhagen im Landkreis Kassel: Auch Kinder wurden schon fast zu Tode erschreckt.

Wolfhagen – Sie schlendern gemächlich übers Gelände der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen, halten sich eine Weile beim Skaterplatz auf und werden dann am Wochenende noch mehrfach in der Stadt gesehen: Zwei gruselige Gestalten in schwarzen Gewändern. Die Kostümierung der Gestalten erinnert an die sogenannten Pestärzte aus dem Mittelalter - sie stehen als Symbol für den Tod. Ein Video der bisher unbekannten Personen geht derzeit in den sozialen Netzwerken viral.

Was die beiden „Pestärzte“ mit ihrer Verkleidung ausdrücken wollen, ist nicht klar. Bekannt ist die Verkleidung zumindest aus der Szene der Corona-Gegner, von denen einige immer wieder in dieser Verkleidung bei Corona-Demos auftauchen - so wie erst neulich in Kassel.

Pestärzte in Wolfhagen: Achtjährige Kinder fast zu Tode erschreckt

Allein ihr Auftreten sorgt für Verunsicherung. Doch das reicht den beiden Gestalten offenbar nicht: Im Bereich der Pommernstraße treffen sie auf zwei achtjährige Kinder, wie Matthias Mänz von der Polizei berichtet. Die Kinder beschreiben sie später bei der Polizei als Menschen mit Rabenmaske. „Da auch ein Foto von den beiden Personen vorliegt, ist zu erkennen, dass es sich um verkleidete sogenannte Pestärzte gehandelt haben dürfte“, so Mänz.

Waren am Wochenende auf dem Geländer der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen unterwegs: die Pestärzte. Diese Aufnahme zeigt einen Screenshot aus einem Video, das derzeit in den sozialen Medien viral geht.

Die beiden Verkleideten verfolgen die zu Tode erschreckten Kinder und berühren sie auch. Ohne etwas zu sagen, sollen sie dann weitergegangen sein. Die Eltern erstatteten anschließend Anzeige bei der Polizei.

Pestärzte: Corona-Protest oder ein Phänomen wie die Horror-Clowns

Ob die Pestärzte noch andere Menschen erschreckt haben ist derzeit nicht bekannt. Eltern, die das Video der Gruselgestalten gesehen hatten, wandten sich auch an Lehrer und Schulleitung der Walter-Lübcke-Schule. Dort geht man davon aus, dass es sich bei dem Unfug um ein Phänomen wie das der Horror-Clowns handelt, das seinerzeit aus den USA nach Deutschland schwappte. Menschen werden erschreckt und gefilmt. Später stellen die Täter dieses Video ins Internet. Ob das auch bei den Wolfhager Pestärzten der Fall war, konnte die Polizei nicht sagen.

„Hinweise auf strafbares Handeln liegen derzeit nicht vor. Sollten jedoch Bilder der erschreckten Kinder in sozialen Netzwerken veröffentlicht worden sein, könnte dies eine Straftat nach dem Kunst-Urhebergesetz darstellen, da hier möglicherweise gegen das Recht am eigenen Bild verstoßen wird“, erklärt Polizeisprecher Mänz.

Weitere Fälle von Pestärzten bisher noch nicht in Nordhessen gemeldet

Weitere Fälle von Pestärzten seien in Nordhessen derzeit nicht bekannt. Sofern bei solchen Auftritten von Verkleideten keine konkretere Bedrohung, ein Festhalten oder gar ein körperlicher Angriff hinzukämen, seien zunächst keine Straftaten erkennbar. „Wir sind ja seit der Drohmail gegen die Schule ohnehin sehr wachsam und werden solche Rabenvögel des Schulgeländes verweisen, wenn sie erneut auftauchen“, so Ludger Brinkmann, Leiter der Walter-Lübcke-Schule.

Pestärzte sollen vor Infektion schützen

Der Begriff des Pestarztes oder Pestdoktors stammt aus der Zeit des Mittelalters, als die Pest zwischen 1347 und 1353 ein Drittel der Bevölkerung dahin raffte. Um sich vor der hochansteckenden Infektionskrankheit zu schützen, behandelten die Ärzte Erkrankte in einer furchteinflößende Ganzkörperschutzkleidung aus Leder und der charakteristischen Schnabelmaske. In die schnabelartige Nase der Maske wurde ein mit duftender Essenz getränkter Schwamm eingelegt, der die Atemluft mit dem Geruch von zum Beispiel Zimt oder Nelken anreicherte. Dies war der hilflose Versuch, sich vor dem gefürchteten Schwarzen Tod“ zu schützen. (Bea Ricken)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.