Schmidt: "Vollkommen überrascht"

Kasseler Oberbürgermeister bietet Kreis Wolfhager Klinik an: Landrat will Angebot prüfen

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Wie geht es mit der Klinik auf dem Ofenberg weiter? Die Suche nach Partnern, mit denen der Landkreis die Klinik betreiben könnte, ist nicht leicht.

Kauft der Landkreis die Wolfhager Klinik, um den Standort zu sichern? Dieses Angebot hatte Kassels Oberbürgermeister Geselle Landrat Schmidt am Dienstag unterbreitet.

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 24. Oktober 2019 um 17 Uhr - "Davon bin ich vollkommen überrascht worden“, sagt Schmidt nach der GNH-Aufsichsratsitzung, in der es um dieses Thema ging. Generell sei es ungewöhnlich, dass sich zwei Partner über die HNA austauschen, sagt Schmidt mit Blick darauf, dass Geselles Angebot am Dienstagmorgen in der HNA stand, er davon nach einem Anruf der HNA am Morgen aber offiziell erst nachmittags in der Sitzung erfahren habe. „Ich wusste von dem Vorschlag vorher nichts, dieses Thema wurde nie besprochen.“

Der Landrat will das Angebot nun trotzdem prüfen. „Es gibt auch noch weitere Alternativen zum weiteren Vorgehen, die der Vorstandsvorsitzende Michael Knapp  gemacht hat. Auch die werden wir prüfen“, sagt Schmidt. Unter anderem gehe es darum, ob der Landkreis Geld in die Wolfhager Klinik stecke, um das Defizit zu übernehmen.

Das Ergebnis der Prüfung will Schmidt dann dem Kreistag vorstellen. Dieser würde letztlich entscheiden, ob der Kreis eine dieser Varianten annimmt.

Uwe Schmidt, Landrat Kreis Kassel

Parallel dazu will Schmidt weiter den Kreistagsbeschluss aus der jüngsten Sitzung abarbeiten. Dieser sieht unter anderem vor, dass neben der GNH mit weiteren Partnern über das Krankenhaus gesprochen werden soll. „Derzeit arbeiten wir daran, solche Partner zu finden“, so Schmidt. Das gehe natürlich nicht von heute auf morgen. Dennoch ist der Landrat optimistisch, dass es bis Mitte nächsten Jahres, dem Zeitpunkt, an dem die GNH das Wolfhager Krankenhaus schließen will, klappen kann. „Das ist ein sportliches Ziel, aber erreichbar.“

Im Kreistag will Schmidt konkrete Ergebnisse im ersten Halbjahr 2020 vorstellen. „Wir wollen möglichst schnell eine Lösung finden – auch mit Blick auf die Mitarbeiter, die wir nicht ewig im Ungewissen lassen wollen“, sagt er. Der 65-Jährige kündigt an, mit Christian Geselle reden zu wollen. „Da werde ich jetzt die Initiative ergreifen, damit wir möglichst schnell zusammenkommen.“

Ambulante OPs sind „richtiges Signal“

Als ein „Signal in die richtige Richtung“, bezeichnet Landrat Uwe Schmidt Christian Geselles Aussage, dass in Wolfhagen nicht nur ein Fachärztehaus entstehen solle, sondern ein Gesundheitszentrum, in dem beispielsweise auch ambulante Operationen erfolgen könnten. Viele seien bisher immer nur von einem Ärztehaus ausgegangen, in dem diese Möglichkeit nicht bestehe.

Schwere Suche nach Partnern

Vor Landrat Uwe Schmidt liegt eine Menge Arbeit. Er ist gerade dabei, den Beschluss aus der jüngsten Kreistagssitzung zum Erhalt des Wolfhager Krankenhauses abzuarbeiten. Laut diesem soll er neben Gesprächen mit der GNH weitere mögliche Partner suchen, um die Kreisklinik in Wolfhagen zu sichern.

„Das ist ein schwieriges Geschäft“, sagt Schmidt. Durch die Öffentlichkeit der Debatte um die Klinik wüssten alle Partner, dass es schwierig sei, dass Krankenhaus am Standort Wolfhagen ohne Hilfe von außen zu erhalten. „Die Frage wird sein: Wer betreibt das Krankenhaus, wenn es die GNH nicht mehr tut und der Kreis es kaufen sollte“, sagt Schmidt. Das könne der Landkreis mit einem Partner ebenso sein wie ein anderer Krankenhausbetreiber. Generell sei es aber das oberste Ziel, die Klinik mit und in der GNH zu erhalten.

Schwierig sei es, sagt Schmidt, die Pläne der GNH für ein regionales Gesundheitszentrum als Alternative zur Klinik in Wolfhagen zu bewerten. „Wir kennen die Pläne noch nicht im Detail und was wir kennen ist noch sehr ungenau.“

Hat er alle Unterlagen vorliegen, muss Schmidt in den kommenden Wochen unter anderem schauen, welche Vorteile ein Kauf der Klinik durch den Landkreis bringen würde und wie viel Geld investiert werden müsste. Alleine beim Brandschutz stehen laut eines Gutachtens 13 Millionen an.

Ein Termin, bei dem die Ergebnisse realistisch vorgestellt werden könnten, sei die Kreistagssitzung Mitte Februar, so Schmidt. „Wir wollen das möglichst schnell, aber auch sorgfältig erledigen.“

All das läuft unabhängig von der Entscheidung des Landgerichts Kassel, einer einstwilligen Verfügung des Kreises stattzugeben. Die verbietet es der GNH, die Schließung in Wolfhagen voranzutreiben, ohne das die GNH-Hauptversammlung darüber abgestimmt hat. Mittlerweile liegt die schriftliche Begründung vor, die GNH wird also in Berufung gehen, sodass das Oberlandesgericht über den Fall entscheiden muss. Wann das sein wird, ist noch nicht bekannt.

Generell, sagt Schmidt, wolle er, dass sich die GNH an die 2002 geschlossenen Verträge halte, die die Sicherung und die Weiterentwicklung der Kliniken in Wolfhagen und Hofgeismar vorsähen. „Wenn die GNH das nicht will, kann sie die Verträge auch kündigen“, sagt Schmidt. Er sei aber vor allem erstmal zur Diskussion bereit.

Irritation nach Geselle-Interview in Hofgeismar

Der Landkreis Kassel und die Stadt Hofgeismar gehen davon aus, dass der Neubau der Klinik in Hofgeismar kommen wird. Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle hatte im HNA-Interview ausgeführt, dass der Neubau der Klinik in Hofgeismar nur zu finanzieren sei, wenn die Wolfhager Klinik geschlossen werde.

Er habe diese Drohung aus der Zeitung erfahren, sagte Hofgeismars Bürgermeister Markus Mannsbarth und nannte es ein „ungewöhnliches Verhalten“, dass die Stadt von solchen Gedankenspielen nicht von Geselle selbst informiert worden sei. Ähnlich äußerte sich Kreis-Sprecher Harald Kühlborn.

Beide verweisen auf Beschlüsse des GNH-Aufsichtsrates, die den Neubau in Hofgeismar vorsehen.

Beim Kreis geht man unabhängig von der Drohung Geselles davon aus, dass in Hofgeismar gebaut wird. Auch bei der Stadt wartet man darauf, dass die GNH einen Bauantrag einreicht. Ursprünglich sollte das in diesem Jahr geschehen. Der Wechsel an der Spitze der GNH habe aber eine kleine Verzögerung mit sich gebracht. Die Stadt arbeite eng mit dem Planungsamt der GNH zusammen, sagt Mannsbarth. Der Bürgermeister rechnet damit, dass der Bauantrag im Frühjahr kommt.

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