Ansturm auf Arztpraxen

Keine Impfpriorisierung mehr – Zahlreiche Anrufe im Wolfhager Land

Eine Spritze wird aufgezogen.
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Die Impfpriorisierung ist seit dem 7. Juni aufgehoben. Ärzte im Wolfhager Land bekommen deshalb viele Anrufe (Symbolbild).

Nach dem Wegfall der Priorisierung für Coronaimpfungen am gestrigen Montag stehen die Telefone von Arztpraxen im Wolfhager Land kaum noch still. Die meiste Zeit waren die Leitungen besetzt.

Wolfhager Land – Vermehrt Anfragen zu Impfungen gab es auch bei Paul Jaufmann, Facharzt für Innere Medizin in Bad Emstal. Vor allem seien auch viele Anrufe von Eltern eingegangen, die ihre Kinder impfen lassen wollen, da diese nun auch für eine Impfung zugelassen sind. Ansonsten sei das Alter der Impfwilligen bunt gemischt. Einige hätten sich aber bereits vor der Aufhebung gemeldet, sonst wäre der Ansturm wohl noch größer gewesen.

„Wir haben eine Warteliste“, sagt Jaufmann. Die versuche er so schnell wie möglich abzuarbeiten.

Auch bei Dirk Norbert Kälber, Allgemeinmediziner in Wolfhagen, sieht es nicht viel anders aus. Viele Patienten versuchten am Montag, sich für das Impfen zu registrieren. Der Ansturm sei aber auch schon vor der Aufhebung der Priorisierung da gewesen.

Dennoch wird die Warteliste mit Impfwilligen immer länger. Kälber habe bereits 20 DIN A4-Seiten voll, das seien etwa 600 Leute. Ein Problem stelle der begrenzt verfügbare Impfstoff dar. „Wenn wir mehr hätten, könnten wir mehr tun.“ Zudem komme hinzu, dass einige Astrazeneca als Impfstoff ablehnen, die Personen müssen sich dann wieder hinten anstellen. „Das ist ein riesen bürokratischer Aufwand, der uns viel Zeit kostet.“ Da Kälber aber erst donnerstags erfahre, wie viel Impfstoff er für die nächste Woche bekomme, könne er nur kurzfristig planen.

Auch beim Landkreis Kassel rufen Impfwillige für einen Termin im Impfzentrum Calden an – obwohl die Vergabe für die Termine dort nach wie vor über landesweite Telefonnummern oder Internetportale läuft. Bereits am Freitag seien beim Kreis Anfragen zu Terminen im Impfzentrum eingegangen, das habe sich am Montag fortgesetzt, berichtet Kreissprecher Harald Kühlborn.

Was den Impfstoff angehe, fordere der Kreis beim Land immer das Maximum an, was verfügbar sei. Bis Mitte Juni habe man derzeit den Überblick über die Lieferungen: Demnach sehe es derzeit nicht so aus, als ob man dann in größerem Umfang Erstimpfungen abwickeln könne. Zunächst liegt der Fokus auf Zweitimpfungen, um mit dem vorhandenen Impfstoff die vorgeschriebenen Impfintervalle einzuhalten. (Samira Müller, Matthias Müller und Michael Rieß)

Impfzentrum: Termine nur über das Land

Die Vergabe von Terminen im Kreis-Impfzentrum in Calden läuft zentral über das Land (Hotline 116117 oder Tel. 0611/50592888 sowie impfterminservice.hessen.de und corona-impfung.hessen.de). Auf die Vergabe hat der Kreis keinen Einfluss. Auch Betriebsärzte und Arztpraxen können nach betrieblicher bzw. individueller Terminvereinbarung Impfungen vornehmen, Impfwillige brauchen angesichts hoher Nachfrage und noch knappen Impfstoffs allerdings Geduld. 

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