Impfen an Schulen geplant

Kinderärzte im Wolfhager Land bereiten sich vor – Es mangelt aber an Impfstoff

Dieses Symbolbild zeigt eine Impfung.
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Impfungen an Schulen sind geplant.

Die Europäische Arzneimittelbehörde hat am Freitag den Weg für Corona-Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren freigemacht.

Wolfhager Land – Wenn es dazu kommt, wartet auf niedergelassene Ärzte und Impfzentren eine Herkulesaufgabe. Nicht nur das dies organisiert werden muss, auch der Impfstoff ist gerade wieder ein knappes Gut. Während im Landkreis Kassel für Zweitimpfungen ausreichend Impfstoff vorhanden ist, läuft es derzeit mit den Erstimpfungen schleppend.

Für Erstimpfungen werden im Impfzentrum Calden nur noch die Vakzine Biontech und Moderna eingesetzt, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn. Astrazeneca spiele nur für Zweitimpfungen eine Rolle. Für Kinder ist nur Biontech in der Zulassung.

Impfstoffmangel meldet auch die Wolfhager Praxis Thielemann: „Der reicht nicht, um die Impfwilligen in absehbarer Zeit zu versorgen. Wir nehmen auch kein Astrazeneca mehr, weil das zu riskant für die unter 50-Jährigen ist“, erklärt Arzt Matthias Hughes. Angesichts dieser Situation noch Kinder zu impfen gestalte sich schwierig.

Thomas Lenz: Kinderarzt

Genügend Impfstoff wäre das A und O, um eine Kampagne für die Kinder zu starten, betont auch Kinderarzt Thomas Lenz, Obmann der nordhessischen Kinderärzte aus Vellmar. Wenn dies der Fall sei „tun wir alles, was wir können“. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt planen die Kinderärzte Aktionen in Impfzentren und Schulen. Die Anmeldung werde vermutlich über das Impfportal des Landes Hessen abgewickelt, vermutet Kreissprecher Kühlborn. Frustrationen unter Impfwilligen seien allerdings programmiert: „Es sind derzeit noch nicht alle Erwachsenen der Priorisierungsgruppe zwei geimpft, die Priorisierung soll fallen und gleichzeitig die Kinder geimpft werden.“ Noch dazu falle dies in die Urlaubszeit und viele Familien hofften, mit geimpften Kindern wegfahren zu können. Analog zu einer speziellen Impfberatung für Schwangere, die der Landkreis heute startet, könnte es einen Impfschalter für Kinder in Calden geben. Schließlich sei mit der Kinderimpfung mehr Beratungsbedarf verbunden, so Kühlborn.

Beratung für Schwangere: Angebot im Impfzentrum Calden startet

Impfstoff ist Mangelware in den Hausarztpraxen im Altkreis Wolfhagen. „Den erforderlichen Impfstoff für die Zweitimpfungen haben wir bisher erhalten. Für die Erstimpfungen ist es offensichtlich knapp, sodass wir nicht alle Impfwilligen versorgen können“, sagt Erika Erkmann, Praxismanagerin der gleichnamigen Arztpraxis in Wolfhagen. Man impfe die maximal zugewiesene Menge, obwohl dies neben dem normalen Praxisalltag eine enorme Zusatzbelastung sei. „Doch wir nehmen das auf uns und hoffen vielen Patienten damit noch einen Urlaub zu ermöglichen“, so Erkmann.

„Wir versorgen derzeit unsere Patienten der Priorisierungsgruppe drei“, sagt Dr. Dirk Wetzel aus Zierenberg. Auch hier ist die Impfstofflieferung schwankend.

Derweil machen auch Firmen ihren Mitarbeitern Impfangebote, wie Ackermann in Wolfhagen. „Die Mitarbeiter haben großes Interesse, einige sind schon geimpft, weil sie beispielsweise bei der Feuerwehr sind“, so Werksleiter Marko Finke.

Impfberatung für Schwangere: Peter Stahl (rechts), der Ärztliche Leiter des Impfzentrums in Calden, mit dem Gynäkologen Dr. Hans Silverius Urbanczyk.

Unabhängig davon bietet der Landkreis Kassel ab sofort eine spezielle Sprechstunde zur Impfberatung für Schwangere an. Der erste Termin dafür ist am heutigen Samstag, 29. Mai. „Uns haben immer wieder besorgte Fragen zum Thema Schwangerschaft und Covid-Impfung erreicht und leider kursieren auch viele falsche Informationen“, berichtet Peter Stahl, der Ärztliche Leiter des Impfzentrums in Calden. Man sei daher froh, mit dem Gynäkologen Dr. Hans Silverius Urbanczyk einen Fachmann zu haben, der ratsuchenden Frauen aus dem Landkreis eine fundierte Beratung anbieten könne. Diese findet, nach Anmeldung, direkt im Impfzentrum Calden statt.

„Leider liegen momentan noch wenige wissenschaftlich Daten zur Impfung von Schwangeren vor“, erläutert Urbanczyk, der viele Jahre lang Leitender Oberarzt im Klinikum Kassel war. Daher habe die Ständige Impfkommission noch keine generelle Empfehlung zur Impfung in diesem Fall ausgesprochen. Belegt sei aber, dass eine Infektion mit dem Covid-19-Virus während der Schwangerschaft erhebliche Risiken für Mutter und das ungeborene Kind berge. Auch steige, selbst bei asymptomatischen Krankheitsverläufen, das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt erheblich, fügt Urbanczyk hinzu.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehle daher eine Impfung ab der 13. Schwangerschaftswoche, nach einer entsprechenden fachärztlichen Aufklärung, teilt der Landkreis weiter mit.

Im Rahmen der kostenlosen Impfberatung biete der Kreis auch eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (dazu gehören Biontech und Moderna) an.

Voraussetzung dafür sei lediglich die vorherige Registrierung über das Impfportal des Landes Hessen. (Bea Ricken und Matthias Müller)

Anmeldungen für einen Beratungstermin bei Dr. Urbanczyk über E-Mail iz-arztservice@landkreiskassel.de für die Sprechstunde (jeweils mittwochs und samstags von 9 bis 13 Uhr).

Land sieht keinen Impfstoffmangel

Aus Sicht des Landes Hessen gibt es keinen Impfstoffmangel, wie Pressesprecher Michael Schaich auf HNA-Anfrage erklärt. Das Land liefere den Impfstoff für Erst- und Zweitimpfungen abwechselnd an die Impfzentren und Ärzte. „Derzeit sind Zweitimfungen dran, in drei bis vier Wochen gibt es wieder Impfstoff für Erstimpfungen.“ Ob das Land Hessen genug Impfstoff für die Kinder habe, könne er noch nicht sagen, da sei man von den Bundeslieferungen abhängig. 

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