Ausnahme für St. Heimerad?

Kirchenfusion: Pfarrer Marek Prus plädiert für Erhalt der Pfarreien Naumburg und Volkmarsen

+
Gotteshäuser mit langer katholischer Tradition: Die Stadtpfarrkirche St. Crecentius in Naumburg (im Bild) und die Volkmarser Kirche St. Marien sind als Zentrale nach Abschluss der Fusion im Pastoralverbund St. Heimerad – Wolfhager Land im Gespräch.

Die Pfarreien in Naumburg und Volkmarsen haben eine jahrhundertealte katholische Prägung: Pfarrer Marek Prus will sie deswegen unbedingt erhalten. 

Wolfhager Land. „Wir haben mit Naumburg und Volkmarsen zwei Pfarreien, die schon immer katholisch waren und zwei Gemeinden, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind“, beschreibt Pfarrer Marek Prus die Situation im Pastoralverbund St. Heimerad – Wolfhager Land.

Eine Fusion des Quartetts und das Bestimmen einer neuen Zentrale sei für Zierenberg und Wolfhagen weniger problematisch. Beide sind Pfarrkuratien, auch Quasipfarreien genannt, die nach kanonischem Recht der römisch-katholischen Kirche nicht den gleichen Status haben wie eine Pfarrei. 

Die wenigen Katholiken, die dort vor dem Krieg ansässig waren, gehörten schon zu Volkmarsen, sagt Prus, der als Moderator für den Fusionsprozess im Wolfhager Land eingesetzt ist. Eigenständig wurden die katholischen Gemeinden Zierenberg und Wolfhagen erst, nachdem die Zahl der Katholiken dort nach dem Krieg durch den Zuzug von Heimatvertriebenen vor allem aus dem Sudetenland deutlich anstieg. In Wolfhagen gab es zudem durch die Bundeswehreinheiten, die ab 1958 die Pommernkaserne bezogen, und einen Zuzug von Katholiken aus der Ukraine in den 1990er-Jahren weitere Zuwächse.

Im September 1983 geweiht: die katholische Kirche Zum Heiligen Kreuz in Zierenberg.

Die Pfarreien in Naumburg und Volkmarsen haben dagegen eine jahrhundertealte katholische Prägung, waren katholische Enklaven im protestantisch bestimmten Nordhessen. Traditionen haben sich in Volkmarsen wie in Naumburg bis heute gehalten, beispielsweise eine Vielzahl von Prozessionen. Prus, der Pfarrer von Zierenberg ist und zudem die Wolfhager Gemeinde seelsorgerisch betreut, geht deshalb davon aus, dass die Entscheidung für den Sitz der neuen Zentralpfarrei zwischen Volkmarsen und Naumburg fallen wird, weil dieses beiden „vom Gewicht, von ihrer Geschichte und Bedeutung stärker sind“.

Bau aus Beton: Die katholische Kirche St. Maria in Wolfhagen wurde 1966 gebaut. 

Prus weiter: „Ich habe die besorgten Gesichter der katholischen Christen in Naumburg und Volkmarsen gesehen. Die können es sich nicht vorstellen, plötzlich keine Pfarrei mehr zu sein, sondern nur noch eine Filiale.“ Da schwinge die Angst mit, dass Einiges von dem, was seit vielen Generationen zum Leben in der Kirchengemeinde gehört, verloren gehen könnte.

Die katholische Pfarrkirche St. Marien in Volkmarsen.

Deshalb habe er kürzlich bei einem Treffen der Akteure im pastoralen Vereinigungsprozess in Naumburg den Vorschlag gemacht, man solle doch bei der Bistumsleitung „aufgrund der Gegebenheiten vor Ort, auch wegen der Entfernungen im Wolfhager Land“ darauf hinwirken, dass es eine kleinere Lösung gibt: Naumburg bleibt Pfarrei mit Wolfhagen als weiterer Filiale zusätzlich zu Merxhausen, und Volkmarsen behält ebenfalls den alten Status und erhält Zierenberg als Filiale. Diese Idee gelte es nun im Pastoralverbundsrat zu diskutieren.

Ob sich das Bistum auf eine derartige Ausnahme einlassen würde, sei völlig offen. Man sollte es aber versuchen. Etscheiden müsse letztlich der Nachfolger des gerade erst in den Ruhestand gegangenen Bischofs Heinz Josef Algermissen. Wer das werde und wie der über die Zusammenlegung der Pfarrgemeinden denke, „weiß im Moment nur der Heilige Geist“, sagt Prus. Der neue Bischof könne im Fusionsprozess „Akzente setzen, er kann die Abläufe beschleunigen oder verlangsamen oder ändern“. 

Hintergrund: Ehrenamtliche spielen wichtige Rolle

Nach der Fusion der Pfarreien werde es für die Gläubigen auch angesichts der Besetzung von einem Pfarrer und einem mitarbeitenden Priester Veränderungen geben. Als Kirchgänger werde man flexibler sein müssen. In jeder Kirche soll es am Wochenende eine Eucharistiefeier geben. Bei den Prozessionen sollen die wichtigsten erhalten bleiben. Aber die Anfangszeiten werde man nicht überall beibehalten können. Pfarrer Marek Prus: „Der Pfarrer kann sich nicht teilen.“ Eine wichtige Rolle werden künftig neben den Gemeindereferenten zunehmend auch Ehrenamtliche spielen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.