Bert Sauerwein baut Instrumente aus Herkulesstauden

Didgeridoos aus Niederelsungen: Klingen fast besser als das Original

Stellt Didgeridoos aus der Herkulesstauden her: Bert Sauerwein aus Niederelsungen. Rechts hält er ein selbstgefertigtes Blasinstrument aus Riesenbärenklau in der Hand, links im Bild zwei Didgeridoos, die er aus Australien mitbrachte.
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Stellt Didgeridoos aus der Herkulesstauden her: Bert Sauerwein aus Niederelsungen. Rechts hält er ein selbstgefertigtes Blasinstrument aus Riesenbärenklau, links im Bild zwei Didgeridoos, die er aus Australien mitbrachte.

Herkulesstauden sind wegen ihres gefährlichen Pflanzensaftes mit Vorsicht zu genießen. Das sind sie auch für Bert Sauerwein. Doch liefert die Staude einen vorzüglichen Werkstoff, um aus ihr Didgeridoos herzustellen.

Niederelsungen – „Die Didges aus der Herkulesstaude haben fast einen besseren Klang als die richtigen Didgeridoos“, sagt der 77-Jährige. Um es zu demonstrieren, bläst er in den knapp zwei Meter langen Pflanzen-stängel und entlockt ihm einen tiefen, erdigen Ton. Dabei spricht er einzelne Worte, die sich zu einer dröhnenden Melodie verformen. Um den Unterschied zu demonstrieren, nimmt sich Sauerwein auch zwei seiner Instrumente vor, die er für viel Geld von seinen Australienreisen mitgebracht hat. Auch hier, ein satter, voller Klang, vielleicht etwas weniger lebendig und variabler als die Geräusche aus dem Instrument, für dessen Herstellung eine Herkulesstaude vom Dörnberg diente. Bestimmt 20 dieser ursprünglich aus Australien stammenden Musikinstrumente hat der Niederelsunger bereits angefertigt.

Für den Instrumentenbau zieht Sauerwein im Juni oder Juli los und schneidet den Riesenbärenklau ab, wenn die Stängel noch grün sind. Das letzte Mal hat er den Werkstoff vor zwei Jahren geerntet. Außer am Dörnberg hatte er noch einen Standort an der Erpe – an beiden würden aber inzwischen keine Herkulesstauden mehr wachsen. Bei der Ernte trägt der handwerklich geschickte Rentner, der sich auch auf die Herstellung von Messern versteht und aus dem Holz der Haselnuss Wanderstöcke fertigt, lange Handschuhe. So schützt er sich vor dem Saft der Pflanzen.

Die Halme befreit er von Blättern und Blüten. Zuhause legt er sie an einen sonnigen Ort und lässt sie drei Wochen trocknen. Mit einer Metallstange, deren Ende platt ist wie ein Beitel, durchstößt er im Stängelinneren die Knoten, an denen zuvor die Blätter gesessen haben. So entsteht eine lange Röhre, in der die Luft zirkulieren kann. Das Mundstück taucht der Niederelsunger in flüssiges Bienenwachs. Auf dieses Weise isoliert er den Stängel, damit ein Berühren des Instruments mit dem Mund völlig gefahrfrei möglich ist.

Auf die Idee, aus dem Riesenbärenklau Didgeridoos zu bauen, kam Bert Sauerwein, als er zum ersten Mal vor einer der Pflanzen stand, deren Dolden hoch oben über seinem Kopf ein luftiges Dach bildeten. Einige Jahre zuvor hatte er in Kassel einen Kurs besucht, in dem ihm und anderen die Funktionsweise eines Didgeridoos vermittelt wurde. „Wir lernten das damals an Plastikrohren“, erinnert sich der Rentner, der den natürlichen Klang liebt, und fügt hinzu, dass die originalen Instrumente wohl zu teuer gewesen seien.

Sauerwein hat seine Instrumente an Liebhaber verschenkt. Auch den Bogenschützen in Niederelsungen spendierte er zwei Didgeridoos, „damit die Kinder auch mal was anderes machen als nur Bogenschießen“, sagt er.

Ein Didgeridoo ist das traditionelle Blasinstrument der Ureinwohner Australiens. Ursprünglich erfolgte seine Herstellung aus von Termiten ausgehöhlten Stämmen von Eukalyptusbäumen und -Ästen. (Antje Thon)

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