Klinik vor Ort: Hilfe in letzter Sekunde 

„Am Schluss ging’s um jede Sekunde“: Heiko Holzhauer aus Philippinenburg wurde gerettet

+
Hat es geschafft: Heiko Holzhauer war die Schlagader am Herzen gerissen. Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Wolfhager Krankenhaus und dem Klinikum Kassel sei entscheidend gewesen, dass er überlebt hat und auch weiterhin zuhause in der kleinen Landwirtschaft mitmischen kann.

„Am Schluss ging’s um jede Sekunde“, sagt Heiko Holzhauer. Und damit macht er deutlich, wie knapp es tatsächlich war an jenem Tag im Oktober, als er dem Tod gerade so entkam.

Dieser 14. Oktober vor dreieinhalb Jahren beginnt wie so viele Tage davor. Nichts deutet am Morgen darauf hin, dass sich das Leben des damals 49-Jährigen ab diesem Tag verändern würde. Holzhauer hat Spätschicht im VW-Werk. Ehe es losgehen soll Richtung Baunatal, entspannt er sich mittags noch ein halbes Stündchen auf dem Sofa. Beim Aufstehen dann Schmerzen in der Brust und im linken Arm. „Da habe ich gedacht, es ist ein Herzinfarkt“, erinnert er sich.

"Ab ins Krankenhaus"

Er ruft seine Frau, sagt: „Ab ins Krankenhaus“, den Rest erklärt er ihr auf der Fahrt. Die Tour ist denkbar kurz, Philippinenburg liegt in Sichtweite der Klinik. „Nach drei Minuten waren wir schon da“, sagt seine Frau Jutta, die ihn direkt zur Notaufnahme fährt, „denn laufen konnte er nicht mehr“.

Holzhauer wird sofort untersucht. Die Diagnose hat es in sich: „Aortendissektion“, erinnert sich Holzhauers Frau, ein Befund, mit dem das Ehepaar zunächst nicht viel anfangen kann. Dass es sich dabei um einen der dringlichsten Notfälle in der Herzchirurgie handelt, erfahren sie erst später. Dass es jetzt keine Zeit zu verlieren gilt, wird aber schon an den weiteren Maßnahmen in der Klinik deutlich. Im Wolfhager Krankenhaus ist eine akute Aortendissektion, bei der meist ohne Vorwarnung die innere Wand der Hauptschlagader unmittelbar am Herzen reißt, nicht behandelbar. Klar ist zu diesem Zeitpunkt: Das wird eine ganz knappe Sache.

Mit dem Rettungshubschrauber nach Kassel 

Der angeforderte Rettungswagen, der Heiko Holzhauer eigentlich nach Kassel bringen sollte, wird vom Oberarzt wieder abbestellt, der Rettungshubschrauber angefordert. Die Gründe laut Holzhauer: Er muss so schnell wie möglich operiert werden, und das Geholper auf den Straßen bis Kassel könnte zum Reißen der äußeren Gefäßwände führen.

An den Flug hat Heiko Holzhauer keinerlei Erinnerungen. „Ich bin irgendwann im Kasseler Klinikum auf der Intensivstation wach geworden. Um mich herum war alles am Piepsen.“ Da lag eine gut sechsstündige Operation hinter ihm. Von 100 Patienten überleben ein solches Krankheitsbild nur fünf, zitiert Jutta Holzhauer einen der Operateure. Und zudem habe der Chirurg noch gesagt, dass an diesem Tag alles so gelaufen sei, wie es nicht besser hätte laufen können: Die schnelle Diagnose in Wolfhagen, wo man auch mit der Entscheidung, den Hubschrauber zu bestellen, alles richtig gemacht habe. Und dann die Situation in Kassel an jenem Freitagnachmittag, als alle entscheidenden Ärzte vor Ort waren und gerade keine andere OP lief.

Zeitverlust hätte Holzhauer das Leben kosten können 

Für Heiko Holzhauer gibt es bei aller handwerklichen Kunst der Kasseler Chirurgen keinen Zweifel: Ganz entscheidend für sein Überleben sei auch die Existenz des Wolfhager Krankenhauses gewesen. „Hätte es die Klinik dort nicht gegeben, hätten wir irgendwann einen Rettungswagen gerufen.“ Vermutlich mit deutlichem Zeitverlust. Ob er den Transport bis zum Klinikum gepackt hätte, wagt er zu bezweifeln. „Und die Wolfhager Ärzte haben den Kasselern schon genau angekündigt, was jetzt kommt“, sagt Holzhauer. Die Zusammenarbeit beider Häuser habe hervorragend funktioniert, sodass er schon gut zwei Wochen später mit der Reha beginnen konnte.

Heute muss der 53-Jährige auf schwere körperliche Anstrengungen verzichten, auch auf Stress, „denn die Aorta ist ja nicht neu, sondern nur repariert“. Und er hat nicht mehr einen ganz so langen Atem wie vor dem Riss. Aber er arbeitet auch heute noch als Maschinenführer im VW-Werk.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.