Sicherheit ist nicht gegeben

Kommunen im Altkreis Wolfhagen warnen vor dem Betreten zugefrorener Gewässer

Der Glockenborn bei Wolfhagen ist derzeit mit Eis und Schnee bedeckt.
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Gefährliche Idylle: Der Glockenborn bei Wolfhagen ist derzeit mit Eis und Schnee bedeckt. Ein Betreten kann dennoch lebensgefährlich sein.

Die klirrende Kälte hält weiterhin auch im Wolfhager Land an. Da wird die Versuchung vielleicht immer größer, auf den umliegenden Seen, Teichen oder Fließgewässern Schlittschuh zu laufen.

Wolfhager Land – Doch Vorsicht ist geboten. Die Kommunen im Altkreis Wolfhagen warnen vor dem Betreten der Eisflächen. „Bei uns wird generell keine Eisfläche freigegeben“, sagt Helmut Rupp vom Ordnungsamt Wolfhagen. Die Sicherheit sei einfach nicht gegeben, auch wenn es mehrere Tage zweitstellige Minusgrade seien.

Auch Alexander Ashauer vom Ordnungsbehördenbezirk in der Gemeinde Habichtswald weißt daraufhin, wie gefährlich die eingefrorenen Gewässer sein können. „Man sollte die Gewässer generell nicht betreten, da man nicht einschätzen kann, wie dick das Eis wirklich ist.“ Vor allem wenn man alleine auf dem Eis unterwegs ist, begibt man sich in noch größere Gefahr, da man keine Hilfe rufen kann, wenn man doch einbrechen sollte.

„Man sollte zugefrorene Gewässer einfach gar nicht erst betreten“, sagt Björn Engelhardt von der Bauverwaltung in Bad Emstal. Die Eisdicke sei nämlich unberechenbar. „In gewissen Bereichen des Gewässers könnte man vielleicht mit dem Auto drauf fahren, aber ein paar Meter weiter bricht ein Mensch wegen seines Gewichtes dann ein“, so Engelhardt. Doch vor allem bei fließenden Gewässern sei die Gefahr noch größer. „Dort benimmt sich das Eis erst recht anders“, erklärt Björn Engelhardt. Bei fließenden Gewässern gefriert das Wasser viel langsamer und von außen könne man die Eisdicke einfach nicht einschätzen.

Trotz dieser Warnungen kommt es vor, dass die Leute auf das Eis gehen und im schlimmsten Fall einbrechen. Dann kommt die Feuerwehr zur Hilfe. Zwei Varianten stehen der Feuerwehr zur Verfügung, um die Person, welche eingebrochen ist, zu retten. „Entweder benutzen wir eine tragbare Leiter für die Rettung oder den sogenannten Eisrettungsschlitten“, erklärt der Stadtbrandinspektor der Feuerwehr Wolfhagen, Frank Brunst. Dieser Schlitten sei zum Aufblasen. „Er sieht aus wie ein Kanu und hat hinten und vorne ein Loch, wo wir die Person aus dem Eis auf den Schlitten durchziehen können.“ Die Feuerwehr trägt bei den Rettungen einen Überlebensanzug. „Dieser Ganzkörperanzug schützt uns vor möglichen Gefahren, wie zum Beispiel, wenn wir selbst in das Eis einbrechen sollten“, erklärt der Stadtbrandinspektor.

Bei der Eisrettung zählt wirklich jede Sekunde und die Feuerwehr muss schnell handeln. „Das kalte Wasser ist gefährlich für einen Menschen.“ Der Körper schalte sofort auf Notbetrieb um, da die Körpertemperatur schnell abnimmt und dann gehe es für die Person nur noch nach unten.

Brunst weißt darauf hin, dass fließendes Gewässer noch gefährlicher ist. Dort könne die Person von der Strömung mitgerissen werden und befindet sich dann unter dem zugefrorenen Eis. Daher sollte man fließendes Gewässer erst gar nicht betreten. „Man sieht einfach nicht, wie dick das Eis ist. Vor allem bei der jetzigen Wetterlage, wo noch zusätzlich Schneemassen auf den gefrorenen Bereichen liegt, kann man überhaupt nicht einschätzen, ob das Eis eventuell an manchen Stellen noch brüchig sein könnte“, erklärt Brunst.

Man müsse irgendwo ein Loch bohren, um die Eisdicke abschätzen zu können. Doch dies sollten nur die zuständigen Behörden machen. „Generell müsste das Ordnungsamt sowieso erst die Eisflächen freigeben“, sagt Brunst.

DLRG gibt Verhaltenstipps

Noch sind die Eisschichten auf Teichen im Wolfhager Land viel zu dünn, um sie zu betreten. Die Deutsche-Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) warnt davor und gibt Tipps zum richtigen Verhalten.

Ab wann kann man auf zugefrorene Gewässer gehen?
Man sollte niemals an den ersten kalten Tagen auf das Eis gehen. Am besten erkundigt man sich beim zuständigen Amt, ob die Eisflächen freigegeben sind. Bei einem See oder Teich sollte man das Eis generell erst betreten, wenn es 15 Zentimeter dick ist. Doch bei fließendem Gewässer sollte das Eis schon 20 cm dick sein. Wichtig ist auch, wenn man sich auf das Eis begibt, dann niemals alleine unterwegs sein. So kann einem nicht gleich geholfen werden und das ist wirklich lebensgefährlich. Zur Sicherheit sollte man auf Warnungen in der Zeitung und im Radio achten.
Was macht man, wenn man droht einzubrechen?
Sobald man ein Knistern und Knacken vom Eis hört, sollte man schnellstens das Eis verlassen. Wenn die Gefahr größer wird, dann sollte man sich flach auf das Eis legen und sich zum Ufer bewegen.
Was macht man, wenn jemand in das Eis eingebrochen ist?
Wenn man einen Einbruch bemerkt, dann sollte man sofort die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 alarmieren.
Was muss man beachten, wenn man einer Person selbst helfen möchte, wenn sie eingebrochen ist?
Wenn man andere retten muss, dann sollte man sein eigenes Gewicht auf dem Eis verteilen und mithilfe eines Brettes, einer Leiter und einem umgedrehten Schlitten der Person aus dem kalten Wasser helfen. Nach der Rettung sollte man dennoch den Notarzt alarmieren, denn eine Unterkühlung kann lebensbedrohlich werden. In der Zwischenzeit sollte man den Geretteten mit Decken und trockenen Kleidern wärmen. Wichtig ist allerdings, dass man nur um Hilfe ruft, wenn man sich auch wirklich in Gefahr befindet und nicht einfach aus Spaß. (Lea Beckmann)

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