Konsum in der Endlosschleife

Ippinghäuser Antiquitätenhändler: Nachhaltiges Kaufen vermeidet Müll

Hans-Jürgen Brune, Antiquitätenhändler aus Ippinghausen, in seiner Werkstatt.
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Weniger wegwerfen, Altem eine zweite Chance geben: Hans-Jürgen Brune, Antiquitätenhändler aus Ippinghausen, liebt alte Möbel. Er kauft sie an, repariert sie, wenn nötig, und bietet sie zum Kauf an.

Es wird zu schnell und zu viel weggeworfen. Ein Trend, den Antiquitätenhändler Hans-Jürgen Brune seit einigen Jahren beobachtet. Dabei gibt es Alternativen zum ausufernden Konsumverhalten.

Ippinghausen - Wer Produkte kauft, die vergleichsweise günstig sind, sorgt dafür, dass Müllberge wachsen, sagt Brune. Er empfiehlt, bei der Anschaffung auf die Qualität der Ware und der verarbeiteten Materialien zu achten. „Vieles moderne Zeug ist aus Pressspan“, konstatiert der 66-Jährige, der sich selbst als Lebenskünstler bezeichnet und dessen Haushalt zu 70 Prozent aus recycelten Dingen besteht. Der Billigkram habe eine andere Struktur als Produkte aus hochwertigen Werkstoffen. Und wenn erst einmal eine Schraube überdreht sei, sei der Weg auf den Sperrmüll nicht weit.

Erschwerend hinzukomme, dass man in den Haushalten junger Menschen kaum noch einen Werkzeugkasten finde. „Es ist die absolute Ausnahme, dass da jemand Schleifen oder Leimen kann“, sagt Brune.

Das gegenwärtige Konsumverhalten befinde sich in einer Endlosschleife. „Dinge gehen kaputt und werden neu angeschafft. Viele kaufen Mist, und der Mist ist dann unser Müll. Je mehr produziert wird, desto mehr Rohstoffe werden verbraucht“, so der Ippinghäuser, für den Wachstum noch nie die Lösung war. Befeuert werde die Entwicklung durch die Werbung, die Verbrauchern suggeriere, dass Anschaffungen nichts kosten würden.

Und nicht wenige Leute verhielten sich so, als würden sie diesen Versprechungen Glauben schenken, sie kauften auf Pump und am besten zehn Sachen gleichzeitig – statt sich für ein oder zwei Produkte zu entscheiden, die vielleicht teurer seien, dafür aber hochwertiger, langlebiger und nachhaltiger produziert und nicht von China aus um den halben Globus transportiert werden müssten. Hans-Jürgen Brune hat als Antiquitätenhändler Ahnung von alten Dingen. Mit Ausnahme eines Sofas und der Elektrogeräte in der Küche haben die meisten Sachen in seinem Haus – passenderweise ein Fachwerkhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, das er selbst renoviert und hergerichtet hat – einen Vorbesitzer.

Wenn sich jeder in seinem Konsumverhalten nur um 25 Prozent einschränken und gebrauchten Dingen eine zweite Chance geben würde, könnte das die Umwelt entlasten, sagt er. Vielleicht sollten Angebote geschaffen werden, damit ältere Produkte überhaupt in den Kreislauf einfließen können. So könnten Experten zurate gezogen werden, die bei der Frage, welche Dinge sich recyceln lassen, beratend zurseitestehen.

Vor 30 Jahren kam er über einen Freund zu seinem heutigen Job. Gemeinsam zogen sie über Flohmärkte, kümmerten sich um Haushaltsauflösungen. Brune machte sich selbstständig, er kauft Antiquitäten, alte Möbel, Bilder, Geschirr und Porzellan an. In seiner Werkstatt repariert er Produkte mit Mängeln und bietet sie wieder zum Kauf an. „Damals habe ich gemerkt, dass ich davon leben kann“, erinnert sich Brune.

Zwanzig Jahre sei das gut gegangen. Doch seit zehn Jahre laufe das Geschäft zunehmend schleppend. Viele seiner Kollegen hätten bereits aufgegeben. Corona habe die Situation zusätzlich verschärft. Flohmärkte in den großen Städten fänden kaum mehr statt. (Antje Thon)

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