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Kontakt nach Westuffeln: Zivilisten versuchen, Angreifer abzublocken

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Von: Gerd Henke

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Anton und seine Frau Olga berichten hier Günter Rüddenklau, wie die Ukrainer ihre Orte verteidigen. Die Familie hat sechs Flüchtlinge aus dem Osten des Landes in ihrem Haus aufgenommen.
Anton und seine Frau Olga berichten hier Günter Rüddenklau, wie die Ukrainer ihre Orte verteidigen. Die Familie hat sechs Flüchtlinge aus dem Osten des Landes in ihrem Haus aufgenommen. © Gerde Henke

Die Südosteuropahelfer Günter Rüddenklau und Ottmar Rudert stehen im Austausch mit Ukrainern. Viele wollen vor den Angriffen der Russischen Armee fliegen. So auch Anton mit seiner Frau Olga.

Zhytomir/Westuffeln – Der Vormarsch der russischen Truppen in der Ukraine stößt offenbar auf heftigen Widerstand. Was seit Samstag in den Nachrichten und den Korrespondentenberichten immer deutlicher wird, bestätigten ukrainische Bürgerinnen und Bürger am Sonntag durch Schilderungen. Mit denen stehen die beiden Südosteuropahelfer Günter Rüddenklau (Westuffeln) und Ottmar Rudert (Liebenau) weiterhin in intensivem Austausch.

Es sind anscheinend nicht nur die Hauptstadt Kiew und die Millionenstadt Charkiw im Osten, in denen die ukrainische Armee und Freiwillige heftigen Widerstand gegen die Invasoren leisten. Auch in anderen Regionen wollen die Ukrainer ihr Land offenbar nicht kampflos preisgeben.

„Wer kein Gewehr hat, baut vielleicht Molotow-Cocktails“

Anton wohnt in einem Ort nahe der 300 000 Einwohner zählenden Stadt Zhytomir, die etwa 150 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt liegt. „Die Stadt und alle Dörfer in der Region sind von uns blockiert“, schilderte Anton am Sonntagmittag in einem Telefongespräch per Skype mit Rudert und Rüddenklau die Situation.

Zivilisten, die der dringenden Bitte der Regierung und von Staatspräsident Selenskyj nachkommen, sich zu bewaffnen, stellten sich den Angreifern in den Weg. „Wer kein Gewehr hat, baut vielleicht Molotow-Cocktails“, sagt Anton. Sie fühlten sich „like liberators“, sagt Anton auf Englisch – „wie Befreier“.

Auf Luftwaffenstützpunkt ist eine Rakete eingeschlagen

Auch sein Ort stehe weiterhin unter Beschuss, berichtet Anton. Am Samstag sei auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe wieder eine Rakete eingeschlagen. „Aber unser Widerstand muss Putin überraschen“, sagt der Familienvater, der als Immobilienmanager arbeitet. Er geht davon aus, dass die Moral der russischen Soldaten nicht sehr hoch ist.

Sie würden über die Ziele der russischen Machthaber weitgehend im Unklaren gelassen. Es gäbe Berichte, wonach russischen Einheiten erzählt werde, sie befänden sich auf einer Militärübung – und eben nicht im Krieg.

Der Angriff treibt viele Ukrainer in die Flucht. So habe er in seinem Haus jetzt auch sechs Menschen aus dem Osten des Landes aufgenommen, sagt Anton. Seine Schwiegermutter und seine Schwester seien bereits in Israel gelandet.

Flucht von Warschau nach Tel Aviv

Israel ist auch das Ziel von Sasha und ihrer Mutter. Sasha, die für Rudert und Rüddenklau in der Ukraine als Übersetzerin behilflich war, schrieb gestern auf WhatsApp, dass sie nach zwanzigstündiger Wartezeit glücklicherweise die polnische Grenze passiert hätten. Von Warschau aus wollen sie nach Tel Aviv fliegen. Das Ticket bezahle der israelische Staat.

Unterdessen ist auch dem Bruder von Tim Treis (Präsident des Dachverbandes der deutschen Ökobauern) die Flucht gelungen. Der Betriebsleiter eines großen landwirtschaftlichen Betriebes fand den Weg über Ungarn in Richtung Deutschland. Sein Bruder habe erlebt, dass nicht nur für die Bevölkerung die Lebensmittel knapper würden, sondern auch für die kämpfende Truppe. „Die brauchen Nahrung“, schrieb Treis. (Gerd Henke)

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