Ambulante Behandlungen laufen weiter

Zukunft des Wolfhager Krankenhauses: Landrat arbeitet an Lösung 

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Der Standort soll bestehen bleiben: Wenn es nach Landrat Uwe Schmidt geht, wird es auch künftig ein stationäres Angebot auf dem Ofenberg geben.

Ab Freitag wird es in der Klinik in Wolfhagen erstmal nur noch ambulante Behandlungen geben. Der Landrat arbeitet dennoch an einer Lösung für ein stationäres Angebot.

  • Ab Freitag nur noch ambulante Behandlungen im Krankenhaus Wolfhagen
  • Landrat möchte beide Kreisklinken kaufen
  • Ziel ist es langfristig wieder ein stationäres Angebot zu haben 

Gibt es noch Hoffnung für eine stationäre Versorgung in Wolfhagen? Wenn es nach Landrat Uwe Schmidt geht: Ja. „Wir halten an unseren Plänen fest“, sagt Kreis-Pressesprecher Harald Kühlborn.

Am Freitag hatte die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) bekannt gegeben, dass sie den Notfallstandort im Krankenhaus Wolfhagen wegen Brandschutzmängeln abmeldet und den stationären Betrieb ab Ende der Woche aussetzen wird. Allein ambulante Behandlungen sollen dann noch auf dem Ofenberg möglich sein. Auch eine Notfallanlaufstelle bleibt zunächst eingerichtet.

Krankenhaus Wolfhagen: Landkreis sieht Brandschutz-Mängel als nicht gravierend

Unabhängig von dieser Entwicklung will Landrat Uwe Schmidt ein stationäres Angebot in Wolfhagen aufrecht erhalten. „Anders als die GNH sehen wir eine Möglichkeit, dass sich in Wolfhagen eine kleine Klinik trägt“, sagt Kühlborn. Dafür habe man eine Lösung gefunden, die man in Kürze vorstellen werde und mit der der Kreis nicht nur das Krankenhaus in Wolfhagen, sondern auch das in Hofgeismar betreiben wolle. Das werde man dem Kreistag in der Sitzung Anfang April vorschlagen – trotz der jüngsten Entwicklung.

Anders als die GNH sieht der Landkreis die Mängel, die es beim Thema Brandschutz in der Klinik in Wolfhagen gibt, nicht so gravierend. „Es würde ja beim Landkreis keiner sagen: Wir wollen dieses Krankenhaus auf jeden Fall behalten – und nehmen dafür in Kauf, dass Patienten und Mitarbeiter im Zweifel nicht gerettet werden können“, sagt Kühlborn. 

Krankenhaus Wolfhagen: Erster Bauabschnitt soll noch 2020 beginnen

Das aktuelle Brandschutzgutachten des Krankenhauses Wolfhagen sehe keine Gefahr für Leib und Leben. Vielmehr liste es Punkte auf, die man nach und nach angehen müsse. Man schätze diese Punkte also als nicht so schlimm ein wie es die GNH tue. „Wir hätten daher ab 1. Juli, wenn die GNH das Krankenhaus in Wolfhagen geschlossen haben wollte, einen Weiterbetrieb gewährleistet“, sagt Kühlborn.

Die GNH hatte am Freitag betont, dass der stationäre Betrieb nur ausgesetzt sei, da es wegen Haftungsproblemen für Vorstand und Aufsichtsrat nicht verantwortbar sei, den Betrieb fortzuführen, solange die Mängel nicht beseitigt seien. Laut GNH-Chef Dr. Michael Knapp habe man einen Plan zur Sanierung der Klinik erarbeitet. 

Nach diesem soll der erste von fünf Bauabschnitten noch in diesem Jahr beginnen. Wann genau, sagte Knapp nicht. 2025 sollen demnach alle brandschutztechnischen Mängel behoben sein.

Analyse: Für die Zukunft des Krankenhauses in Wolfhagen gibt es verschiedene Optionen

Viele Bewohner des Wolfhager Landes befürchten, dass mit dem Aussetzen des stationären Betriebes ab Freitag das Ende des Klinikstandortes eingeläutet wird. Vier Möglichkeiten, wie es in den kommenden Monaten weitergehen kann:

  • Klinikschließung: 18 bis 35 Millionen Euro würde eine brandschutztechnische Sanierung in Wolfhagen laut Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) kosten. Nicht der einzige Posten, der am Klinikgebäude in den nächsten Jahren anfällt. Das Krankenhaus trägt sich laut GNH aus diesem und weiteren Gründen nicht, weswegen es geschlossen werden soll. Würde der Landkreis das Krankenhaus weiter betreiben wollen, müsste er für die Kosten aufkommen. Allerdings: „Die Sanierungskosten für die brandschutztechnischen Mängel hat die GNH festgelegt, wir gehen von geringeren Kosten aus“, sagt Kühlborn. Landrat Uwe Schmidt schrecke dieser Punkt daher nicht ab.
  • Klinikkauf und Betrieb im jetzigen Gebäude: Anders als die GNH sieht der Landrat eine Zukunft für ein stationäres Angebot in Wolfhagen. Mit einem Partner will er dieses realisieren – wenn der Kreistag zustimmt. Dann soll nicht nur Wolfhagen, sondern auch Hofgeismar gekauft werden. „Wir werden mit der GNH in Verhandlungen gehen, um für beide Orte den Klinikbetrieb zu erwerben“, sagt Kühlborn. Allerdings nicht zu den Konditionen, die Aufsichtsratsvorsitzender Christian Geselle genannt habe (je 3,2 Millionen Euro für die beiden Standorte). „Immerhin ist in diesem Angebot das Personal nicht eingerechnet und es gibt dann auch keinen stationären Betrieb in Wolfhagen mehr“, so Kühlborn. Er sagt, dass der Partner, mit dem man die Krankenhäuser in Wolfhagen und Hofgeismar betreiben wolle, zeitnah vorgestellt werden soll. In der Kreistagsitzung am 1. April werde Landrat Schmidt dann ein Konzept vorschlagen, das einen Weiterbetrieb in Wolfhagen ermögliche. „Daran hat sich nichts geändert.“ In enger Abstimmung mit dem Ärztenetz Wolfhager Land, dem Förderverein und den Belegärzten schaue man, was benötigt werde. „Gegen einen Betrieb im jetzigen Gebäude spricht grundsätzlich erstmal nichts“, so Kühlborn.
  • Klinikkauf und Neubau: Dass in Hofgeismar ein neues Krankenhaus gebaut wird, steht fest. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn der Landkreis die beiden Kliniken betreibe, sagt Kühlborn. „Eine Sanierung macht dort keinen Sinn.“ In Wolfhagen müsse man schauen, wie hoch die Sanierungskosten seien – und dann entscheiden, ob man das jetzige Gebäude weiter nutze – oder neu baue. „In dem Fall würden wir den Standort auf dem Ofenberg favorisieren“, sagt Kühlborn. Der Grund: Dort sehe der Bebauungsplan bereits ein Krankenhaus vor, man könne einen Neubau also schnell realisieren. Auch für die Belegärzte sei dies die beste Lösung.

Der Neubau eines gemeinsamen Krankenhauses für Wolfhagen und Bad Arolsen zum Beispiel in der Pommernanlage dürfte vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich bleiben.

  • Rechtliche Schritte: Der Beschluss des Aufsichtsrats zur Aussetzung des stationären Angebots der Klinik Wolfhagen ist laut Landrat Schmidt nicht rechtmäßig zustande gekommen. Eine kurzfristige Einladung zur Aufsichtsratssitzung könne nur erfolgen, wenn alle Aufsichtsratsmitglieder zustimmen. Dies sei nicht geschehen. Der Landkreis wird daher rechtlich gegen die Beschlussfassung vorgehen. „Es wird vor Freitag keine Entscheidung geben, trotzdem wollen wir alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Kühlborn. Ziel sei es, dass die GNH den stationären Betrieb doch fortführen müsse.

Krankenhaus Wolfhagen: Investitionen in die Instandhaltung 

Das Brandschutzkonzept für die Klinik in Wolfhagen listet eine Reihe von Mängeln auf, die behoben werden müssen. Eine akute Gefährdung für Patienten und Beschäftigte gebe es allerdings nicht, so Landrat Uwe Schmidt.

In den vergangenen 2,5 Jahren haben GNH und Landkreis mehrere Maßnahmen zur Instandhaltung der Klinik in Wolfhagen umgesetzt, die beide Parteien jeweils zur Hälfte finanziert haben: Eine Brandmeldeanlage wurde eingebaut, die Heizungsanlage ausgetauscht und ein Notstromaggregat eingebaut.

Im Juni 2019 legte die GNH dann Unterlagen für weitere Brandschutzmaßnahmen vor und reichte im Dezember einen Bauantrag beim Landkreis für eine „Brandschutztechnische Ertüchtigung“ der Klinik ein. Zudem ließ die GNH ein Gutachten erstellen, dessen Einschätzung der rechtlichen Folgen eines Klinikbetriebes trotz Mängeln nun zur Aussetzung des stationären Betriebs geführt hat.

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