Erholung für Krebspatient

Wolfhager kämpft gegen Krebs: Verein ermöglicht Urlaub auf Insel 

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Die Terrasse bleibt erst mal ein angefangenes Projekt: Denis Ewe (hier mit Tochter Klara) hat aufgrund seiner Krebserkrankung körperlich stark abgebaut. Auch für Klara möchte er wieder fit werden.

Wolfhagen. Der Krebs hat das Leben von Denis Ewe aus Wolfhagen auf den Kopf gestellt. Der Verein „Auszeit für die Seele“ ermöglicht ihm und seiner Familie eine Auszeit auf Borkum.

Ein Tumor und mehr als zehn Metastasen haben das Leben von Denis Ewe aus Wolfhagen grundlegend verändert. Vor einem Jahr erhielt der 35-Jährige die Diagnose Krebs. „Der Tumor ist bösartig und wächst langsam“, sagt Ewe. Im Zeitraum zwischen drei und zehn Jahren breitete sich der Krebs unbemerkt in seinem Körper aus.

„Jetzt ist Stillstand“, sagt der Wolfhager. Sogenannte neuroendokrine Tumore sind laut deutscher Krebsgesellschaft mit zwei bis vier Erkrankungen pro 100 000 Einwohner selten.

Die gute Nachricht: Ewe hat Aussichten, zu überleben. Doch der Kampf gegen den Krebs wird lang und hart. „Die Zeit, die er gewachsen ist, mal zwei, dann hat man ihn besiegt“, sagt der 35-Jährige. In seinem Fall sind das sechs bis 20 Jahre.

Verein ermöglicht Urlaub auf Borkum

Ein Lichtblick ist da der anstehende Urlaub auf der Insel Borkum. Ermöglicht wird er vom Verein „Auszeit für die Seele“ mit Sitz in Bönen (Nordrhein-Westfalen). Dieser veranstaltet Benefiz-Biker-Touren, deren Erlös – etwa aus den Startgeldern – die Nebenkosten (Fahrtkosten, Kurtaxe usw.) der Urlaubsreise deckt. Die Unterkünfte, so auch die auf Borkum, werden dem Verein kostenlos zur Verfügung gestellt.

Zusammen mit Ewe auf die ostfriesische Insel reist seine Freundin Nicole Schmidt, die gemeinsame Tochter Klara (2) und Nicoles Tochter Samantha (13). Die Familie freut sich schon darauf, „rauszukommen und mal was anderes zu sehen“, sagt Schmidt. Das letzte Mal ist Ewe vor über zehn Jahren in Urlaub gewesen – „mit Freunden auf Ibiza“.

Entdeckt wurde der Krebs bei dem Wolfhager, der bis zu seiner Diagnose als Garten- und Landschaftsbauer arbeitete, weil er vom Rücken ausgehende Schmerzen hatte. Nachdem die Beschwerden nicht nachgelassen hatten, wurde er ins Wolfhager Krankenhaus überwiesen. Nach ersten Untersuchungen dort ging es weiter ins Klinikum Kassel, wo der 35-Jährige durchgecheckt wurde: Wirbelsäule, Kopf, Skelett.

Am Ende die Gewissheit: Krebs. „Der Auslöser ist nicht bekannt“, sagt er. Seiner Tätigkeit als Garten- und Landschaftsbauer kann Ewe aufgrund der Erkrankung nicht mehr nachgehen. Stattdessen hat er nun noch mindestens die nächsten fünf Jahre einen Schwerbehindertenausweis.

Nichts tun zu können, fällt ihm schwer. „Ich muss ihn immer wieder bremsen“, sagt Schmidt. Etwa wenn es um die Fertigstellung der bereits aufgeschütteten Terrasse auf dem Grundstück ihrer Eltern in Ippinghausen geht.

Nur Tabletten helfen den Krebs zu bekämpfen

Ausgebreitet hat sich der Krebs bei Ewe im Rumpfbereich. „Der Tumor ist viel am Schlafen“, sagt der Wolfhager. Das erschwere die Bekämpfung. Weder Chemotherapie noch Bestrahlung kämen bei ihm in Frage. Stattdessen nimmt Ewe täglich Tabletten. Diese umhüllen den Tumor mit einem Film. Sind die Krebszellen aktiv, dringt der angelagerte Wirkstoff in sie ein.

Sein vierter Lendenwirbel sei auf Röntgenaufnahmen nur noch ein „schwarzes Loch“ gewesen. Die dortige Metastase war laut Ewe vier Zentimeter groß. Sie wurde Ende März 2018 operativ entfernt. Denis Ewe musste danach sechs Monate lang eine Korsage tragen.

Da sich sein Krebs von Eiweißen und Hormonen ernähre, die eigentlich für die Muskeln bestimmt sind, hat er körperlich abgebaut. Um den Muskelaufbau zu fördern, geht der Wolfhager zweimal wöchentlich zur Krankengymnastik. „Ich will wieder fit werden“, sagt er. „Bald will Klara Fahrrad fahren und ich habe keine Kondition.“

Um bei Kräften zu bleiben, müsse er alle zwei Stunden eine kleine Mahlzeit essen. Etwa acht Zentimeter groß sei der inoperable Tumor, der ihm auf den Magen drückt. „Er beansprucht wichtige Blutgefäße für sich“, sagt Ewe. Einmal im Monat bekommt er deshalb Infusionen im Klinikum Kassel. Alle drei Monate muss er zur Kontrolle zur Computertomografie (CT).

Aber nicht nur seine Gesundheit bereitet ihm Sorgen. Noch ein halbes Jahr bekommt Ewe Krankengeld, wie es danach weitergeht, weiß er nicht. Dennoch geben er und seine Freundin nicht auf. Sie schmieden Zukunftspläne. „Wir wollen heiraten“, sagt Ewe.

Der Verein "Auszeit für die Seele"

Der Verein „Auszeit für die Seele“ vermittelt über das Projekt „Kostenlose Ferienwohnungen für Krebspatienten“ zur Verfügung gestellte Ferienunterkünfte an schwerkranke Patienten, die sich sonst keinen Urlaub leisten könnten. „Wir haben nicht nur Ferienwohnungen auf Langeoog und Borkum, sondern auch eine Finca auf Mallorca im Angebot oder einen Campingurlaub in den Niederlanden“, sagt Reinhard Hunecke vom Verein „Auszeit für die Seele“.

„Trotzdem sind wir weiterhin auf der Suche nach Unterkünften.“ Lasse es die Auslastung der Quartiere zu, dürften Patienten auch mehrmals im Jahr in Urlaub reisen. „Sie haben Erholung nötig“, sagt Hunecke. Der Verein erfahre viel Unterstützung für das Projekt. „Viele der Menschen, die uns eine Unterkunft zur Verfügung stellen, sind schon mit Krebs in Berührung gekommen“, sagt er.

Fünf Krebspatienten habe das Klinikum Kassel schon an den Verein übermittelt. Um die Nebenkosten der Reise übernehmen zu können – zum Beispiel Fahrtkosten, Kurtaxe und ein kleines Taschengeld – organisiert der Verein mit dem Projekt „Biker gegen Krebs“ Benefiztouren. „Auszeit für die Seele“, mit Sitz in Bönen (NRW), wurde im Dezember 2017 gegründet und zählt etwa 30 Mitglieder. Vorbild sei eine Initiative in Israel.

Infos bei: Biker gegen Krebs und "Auszeit für die Seele" oder bei Annemarie Hunecke unter Tel. 0 23 83/ 9 18 27 75.

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