737 Stimmen aus Wolfhager Land

Studie zum Einsatz von Methadon bei Krebs rückt näher: Wolfhagerin sammelte Unterschriften 

+
Die Stimmung war positiv: Petent Alexander Schaible und Forscherin Dr. Claudia Friesen mit MdB Timon Gremmels im Bundestag in Berlin.

Im Sommer sammelte Melanie Döhne Unterschriften für eine Petition zur Studie zum Einsatz von Methadon bei Krebs. Dass am Ende insgesamt 53.000 Stimmen zusammenkommen würden, hätte sie damals vermutlich nicht gedacht.

Damit war das Quorum erreicht. Allein 737 Stimmen aus dem Wolfhager Land sind dabei. Jetzt war Petent Alexander Schaible gemeinsam mit der Ulmer Forscherin Dr. Claudia Friesen im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages in Berlin, um für den gezielten Einsatz von Forschungsgeld für klinische Studien zum Einsatz von Methadon in der Krebstherapie zu werben.

Schaible sagte vor dem Ausschuss, Methadon könne zu einem besseren Behandlungserfolg bei konventionellen Krebstherapien beitragen. Das hätten präklinische Daten gezeigt. Die Kosten für solch eine Ergänzungsbehandlung lägen bei lediglich 300 Euro pro Patient jährlich. 

Zudem sei die Wirkung von Methadon auf den Menschen durch den Einsatz in der Schmerztherapie und der Substitutionstherapie bekannt und müsse nicht neu erforscht werden. Für den Einsatz bei Tumorpatienten werde nur ein geringer Bruchteil der bei den anderen Therapien eingesetzten Mengen am Methadon benötigt, sagte Schaible.

Forschungsantrag wurde abgelehnt

Dem Petitionsausschuss gehört auch Bundestagabgeordneter Timon Gremmels, SPD, aus Niestetal an. Gremmels wollte von der Forscherin Claudia Friesen wissen, warum bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft noch kein Forschungsantrag vorliege. „Weil er niederschmetternd abgelehnt wurde“, erklärte Friesen, die für ihre Forschungsergebnisse auch kritisiert wird. 

Bei der Deutschen Krebshilfe sei ein Antrag zur Behandlung bei Hirntumoren gefördert worden. Die Weiterförderung der Versuche sei aber nicht mehr genehmigt worden. Andere Anträge, auch zur Grundlagenforschung, seien abgelehnt worden. Die Forschungsarbeit werde derzeit aus Spenden finanziert.

Diskussion nach dem Petitionsausschuss: Alexander Schaible im Gespräch. Mit im Bild sind seine Kinder Sabrina und Dennis sowie Martin Kiok vom Prostata-Selbsthilfe Landesverband Hessen. 

Die Mitglieder des Ausschusses waren grundsätzlich positiv zur Studie eingestellt. „Menschen mit Krebs greifen nach jedem Strohhalm“ war der einhellige Tenor. Die FDP dankte Claudia Friesen, dass sie trotz heftiger Rückschläge weitergemacht hätte. Die Fraktion wollte wissen, ob der Regierung Erkenntnisse vorliegen, dass es einen Anstieg des Einsatzes von Methadon gegeben habe. „Haben Krebspatienten versucht, an ein Rezept zu kommen“, war die Frage der FDP. Diese Frage soll mit weiteren, offengebliebenen, noch beantwortet werden.

Unterschriften-Aktion war ein wichtiger Schritt

Die Fraktion der Grünen bedankte sich beim Petenten Alexander Schaible. Die Unterschriften-Aktion sei ein wichtiger Schritt.

Extra nach Berlin angereist war Martin Kiok aus Kassel. Er ist der Stellvertretende Vorsitzende der Prostata-Selbsthilfe Landesverband Hessen. Er ist großer Befürworter für den Einsatz von Methadon bei der Krebsbehandlung. Das Thema interessierte ihn so sehr, dass er die weite Reise auf sich nahm.

Dr. Claudia Friesen ist die Leiterin des Molekularbiologischen Forschungslabors mit Schwerpunkt Onkologie im Institut für Rechtsmedizin in Ulm. Vor einigen Jahren hat sie ihre Forschungsergebnisse veröffentlicht, nach denen es Anzeichen dafür gibt, dass der als Heroin-Ersatzstoff bekannte Wirkstoff Methadon zur Unterstützung und Verstärkung in der konventionellen Chemotherapie eingesetzt werden kann, also eine bessere Bekämpfung von Krebserkrankungen ermöglichen könnte. 

Ihre Publikation hat hohe Wellen geschlagen und ist nicht unumstritten. Friesen forderte schon lange eine klinische Methadon-Studie. Nur kann sie nicht die Antragstellerin sein, weil sie Forscherin und keine Ärztin ist. Die Studie rückt vielleicht in greifbare Nähe, wenn der Petitionsausschuss eine entsprechende Empfehlung an den Bundestag gibt.

Bundestagsabgeorneter Timon Gremmels im Interview

In Berlin wurde im Petitionsausschuss gefordert, Geld für eine Studie zum Einsatz von Methadon bei Krebs zur Verfügung zu stellen. Die Ulmer Forscherin Dr. Claudia Friesen hat ihre Forschungsarbeit dort fachlich erklärt, Petent Alexander Schaible hat den Grund seiner Petition vorgestellt. Wir sprachen mit Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels über den Ausschuss, dem er angehört.

Herr Gremmels, wird der Petitionsausschuss über die Studie zum Einsatz von Methadon bei Krebs eine positive Empfehlung an den Bundestag geben?

Timon Gremmels: Die Anhörung war auf jeden Fall hilfreich. Sie hat zu einer neuen Dynamik in der Debatte geführt. Klinische Studien wären auf jeden Fall hilfreich. Entweder Sie zeigen, dass Methadon bei der Krebstherapie sinnvoll ist, oder nicht. Solange diese Studien nicht kommen, stehen wechselseitig die Vorwürfe im Raum, dass falsche Hoffnungen geweckt würden, oder die Pharmaindustrie preiswerte Alternativen verhindern wolle.

Wie schnell ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Gremmels: Die Anhörung muss jetzt erst einmal ausgewertet werden. Darüber hinaus haben die Abgeordneten der verschiedenen Fraktionen sowohl vom Bundesforschungsministerium, wie auch vom Bundesgesundheitsministerium weitere schriftliche Stellungnahmen eingefordert. Es hängt jetzt davon ab, wie schnell diese eingehen werden. Ich rechne mit einer Entscheidung im ersten Halbjahr 2019. Im nächsten Jahr beginnt die „Nationale Dekade gegen Krebs“ der Bundesregierung. Dann eine Lösung zu haben, wäre ein gutes Zeichen.

Sie sind während der Sitzung einmal etwas lauter geworden. Was war da los?

Gremmels: Als zuständiger Berichterstatter der SPD-Fraktion hatte ich vor der Anhörung des Petitionsausschusses darum gebeten, dass auch das Bundesgesundheitsministerium teilnimmt. Diese hatten mit Verweis auf die Federführung des Bundesforschungsministeriums abgesagt. 

In der Sitzung konnte der Staatssekretär des Bundesforschungsministeriums bei mehreren Fragen auf die Zuständigkeit des Gesundheitsministeriums verweisen. Die werden nun im Nachgang schriftlich befragt. Dabei geht wertvolle Zeit verloren. Das war vermeidbar, wenn meinem Vorschlag gefolgt worden wäre. Darüber habe ich mich geärgert. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.