Für Mensch und Tier gefährlich

Giftiges Jakobskreuzkraut breitet sich im Landkreis Kassel aus

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Immer wieder da: Am Rande des Wolfhager Teichbergs kämpft die Stadt mit dem Jakobskreuzkraut.

Wolfhager Land. Sonnengelb strahlt es am Straßenrand und auf den Wiesen: Doch das harmlos wirkende Jakobskreuzkraut ist hochgiftig für Mensch und Tier.

Vor allem Pferdehalter und Landwirte sind in diesen Wochen in Alarmstimmung, weil sich die Pflanze im Landkreis Kassel immer weiter ausbreitet. Schon eine geringe Dosis führt zum Leberversagen.  „Das Jakobskreuzkraut ist im gesamten Landkreis zu finden und breitet sich an für die Pflanze geeigneten Orten aus“, heißt es vonseiten der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis. Als Grund für die Zunahme vermutet man bei der Behörde die fortschreitende Klimaerwärmung. Da es sich um eine einheimische und keine zugewanderte Art handele, sei aus naturschutzfachlichen oder rechtlichen Gründen eine groß angelegte Bekämpfung, wie die des Riesenbärenklaus, nicht möglich. 

Immer wieder da: Am Rande des Wolfhager Teichbergs kämpft die Stadt mit dem Jakobskreuzkraut. 

Für Tiere wie Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Geflügel ist das Kraut eine tödliche Gefahr, aber auch Menschen sind durch die Ausbreitung der Pflanze gefährdet, warnt das Gesundheitsamt der Region Kassel. Immer häufiger finden sich Spuren von Jakobskraut in Tees, Salatmischungen, Bienenhonig und Eiern. Wenn ein Mensch mehr als ein Mikrogramm des Giftes pro Tag zu sich nimmt, drohen gesundheitliche Schäden. „Das Kraut ähnelt Rucola und könnte von Kindern verwechselt werden“, so die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Karin Müller. Eltern sollten ihren Nachwuchs über die Gefährlichkeit der Pflanze aufklären und die Kinder nach einer Berührung zum Händewaschen anhalten.“ Wenn das Kraut gegessen werde, könne dies zu einem Leberschaden führen. Auch der Kreisbauernverband warnt vor der giftigen Pflanze. „Uns erreichen jedes Jahr Meldungen von Tierärzten, die Tiere behandeln mussten, die das Jakobskreuzkraut gefressen haben“, so Johannes Gerhold.

Tödliche Gefahr für Pferde

Anders als eingewanderte problematische Arten wie Ambrosia oder Bärenklau ist das Jakobskreuzkraut eine alte heimische Pflanze. Ihr Auftreten ist also nicht grundsätzlich neu, in alten Vegetationsaufnahmen sieht man sie hier und da.

Neu ist jedoch ihre zunehmende Ausbreitung. Landwirte wünschen sich, dass Straßenbauämter und Kommunen mehr zur Bekämpfung der giftigen Pflanze tun. „Jakobskreuzkraut ist eine heimische Pflanze, für die es, zumindest in Hessen, kein Bekämpfungsgebot gibt. Von daher ist es keine originäre Aufgabe von Hessen Mobil das Kraut zu bekämpfen“, erklärt Horst Sinemus, Pressesprecher von Hessen Mobil.

Allerdings sei das Jakobskreuzkraut durch seine leberschädigenden Alkaloide, die insbesondere für Pferde und im Heu zu tödlichen Vergiftungen führen könnten, problematisch. „Mit dem Landesbauernverband gibt es daher eine Vereinbarung, dass in den Fällen, in denen Landwirte oder Pferdezüchter auf ihren Flächen Kraut bekämpfen und Bestände auf angrenzenden Straßengrundstücken existieren, diese uns so frühzeitig melden, dass die Meistereien sie in ihren Mähplänen berücksichtigen und ein Aussäen verhindern können“, erklärt Sinemus.

Die Stadt Wolfhagen sei nur für die innerörtlichen Straßenränder zuständig, so Lars Eskuche, Leiter des technischen Außendienstes. Innerorts gebe es nur selten ein Vorkommen dieser Pflanze. Wo das Jakobskreuzkraut auftaucht, würde es bekämpft. „Leider ist es ein Kampf gegen Windmühlen“, so Eskuche. 

Gift sammelt sich in Leber an

Das Jakobskreuzkraut darf als Giftpflanze nicht verfüttert werden. Es enthält Bitterstoffe, Pyrrolizidin-Alkaloide, die im Körper von Mensch und Tier in ein Lebergift umgewandelt werden. Das Gift sammelt sich in der Leber an und führt ab einer gewissen Menge zu chronischen Lebervergiftungen bis hin zum Tode, informiert die Untere Naturschutzbehörde. Bei Pferden kann schon eine geringe Dosis reichen, Ziegen und Schafe vertragen wesentlich mehr. Die Giftstoffe werden auch bei Heu und bei Silagebereitung nicht abgebaut. Auch beim Menschen gilt das Gift als bedenklich. Fachleute führen einige Fälle von rätselhaftem Leberversagen möglicherweise auf dieses Gift zurück, das unter anderem auch in Kräutertees nachgewiesen wurde. Davor warnt seit 2013 das Bundesamt für Risikobewertung.

Bekämpfung des Jakobskreuzkrauts

Die weitere Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts sollte so weit wie möglich verhindert werden. Das gilt insbesondere für Weideflächen sowie extensiv bewirtschaftete Grünlandflächen, auf denen das Kraut wächst. Um die Umwelt zu schützen, sollte das Jakobskreuzkraut am besten mechanisch entfernt werden. Dabei wird die Pflanze mitsamt ihrer Wurzel mit einer Grabegabel oder einem Unkrautstecher ausgestochen und im gut verschlossenen Hausmüll entsorgt. Das Kraut kann auch verbrannt werden. Leichter ist die Entfernung nach einem ergiebigen Regen. Die Pflanze sollte noch vor der Blüte im Mai ausgestochen und der Standort später immer wieder auf neuen Bewuchs kontrolliert werden. Für diese Arbeit sollten Handschuhe verwendet werden. Beim Abtransport dürfen keine Pflanzenteile in die Landschaft gelangen.

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