Lärm als Gefahr 

Straßen laut wie Rasenmäher: Im Kreis Kassel gefährdet Verkehrslärm die Gesundheit - Plan könnte Abhilfe schaffen 

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Tag und Nacht leiden Burghasunger, Ehlener, Oberelsunger und die Einwohner von Friedrichsaue unter dem Lärm auf der Autobahn 44. Im Landkreis Kassel wird das immer mehr zum Problem. 

Die Autobahnen 7 und 44 aber auch Land- und Bundesstraßen sorgen für ordentlich Lärm im Landkreis Kassel und gefährden die Gesundheit - Auch im Wolfhager Land. Ein Lärmaktionsplan sieht für manche Anwohner eine möglich Abhilfe.

  • Etwa 2000 Menschen im Landkreis Kassel leiden unter ständigem Lärm
  • Daran sind die A44 und die A7 mitschuld
  • Das RP Kassel hat nun einen Lärmaktionsplan vorgelegt 

Wolfhager Land – Lärm ohne Ende: Tag und Nacht leiden rund 2000 Menschen in 19 Kommunen im Landkreis Kassel unter Verkehrslärm, der ihre Gesundheit gefährdet. Die Belastung liegt ganztägig bei mindestens 65 Dezibel und damit punktuell sogar so laut wie ein Rasenmäher. Das ergibt sich aus dem aktuellen sogenannten Lärmaktionsplan, den das Regierungspräsidium Kassel (RP) jetzt veröffentlicht hat.

Die größte Lärmbelastung wurde für Lohfelden mit der A 7 berechnet. Allerdings sind dabei die Verbesserungen durch Lärmschutzwände noch nicht berücksichtigt, die nach der Erhebung installiert wurden. Es folgen Fuldabrück-Bergshausen mit der A 7 und der A 44 sowie Calden mit der B 7. 

Auch bei Calden zeichnet sich Entlastung ab, da dort eine Ortsumgehung gebaut wird. Es folgen im Lärm-Ranking Hofgeismar mit der L 3212, Niestetal-Heiligenrode mit der A 7 sowie Zierenberg-Burghasungen mit der A 44 und Habichtswald mit der B 251.

Kreis Kassel: Lärmaktionsplan formuliert Lösungsansätze

„Im Lärmaktionsplan sind nicht nur insgesamt 50 kreisweite Lärm-Hotspots aufgeführt, sondern es gibt auch Lösungsansätze, wie die Belastung reduziert werden kann“, erklärt Stefanie von Uckro vom Regierungspräsidium Kassel, die den Plan erstellt hat. 

Zum Beispiel durch Temporeduzierungen oder schalltechnische Verbesserungen an Gebäuden. Betroffene Bürger sowie Kommunen konnten sich im Vorfeld einbringen. Im Landkreis gab es 115 Eingaben teilweise mit einer Vielzahl von Vorschlägen. Bei dem dritten Lärmaktionsplan dieser Art war erstmals die Öffentlichkeit über eine Online-Plattform beteiligt und die Lärmbelastung wurde auch in kleineren Straßen untersucht. 

Ruhiger geht es offenbar in den Städten Bad Karlshafen, Immenhausen, Liebenau, Naumburg und Trendelburg sowie den Gemeinden Ahnatal, Bad Emstal, Breuna, Nieste, Söhrewald, Wahlsburg und (jetzt fusioniert mit Oberweser) im Gutsbezirk Reinhardswald zu. Laut von Uckro gebe es dort entweder keine Hauptverkehrsstraßen nach Definition der Umgebungslärmrichtlinie oder es wurden keine sogenannten Lärmkonfliktpunkte festgestellt. 

Burghasunger und Habichtswalder im Kreis Kassel müssen weiter mit Lärm leben

Den lärmgeplagten Burghasunger und Habichtswalder Bürgern bringt das neuste Lärmschutzgutachten des RP in Kassel nicht viel Neues: In einer Bestandsaufnahme beschreibt es Lärmschutzmaßnahmen, die bisher umgesetzt wurden und die die Anwohner der Autobahn 44 als nicht sehr effektiv empfinden. So sei auf einer Länge von 700 Metern Tempo 60 für Lkw in der Nacht angeordnet worden. 

Außerdem können die Bürger Zuschüsse für Schallschutzfenster beantragen. Hessen Mobil werde das Aufbringen von lärmarmen Asphalt bei der nächsten Deckenerneuerung prüfen. Im Gutachten des RP heißt es, mit aktivem Lärmschutz (Schallschutzwänden) sei erst mit dem geplanten sechsstreifigen Ausbau der Autobahn zu rechnen. 

Auch die Bürger des Zierenberger Stadtteils Friedrichsaue, bei denen Tag und Nacht erhöhte Lärmwerte gemessen wurden, erhalten wohl keine Schallschutzwände. Der Richtwert von 60 Dezibel werde nachts an drei Standorten überschritten, und zwar um ein bis vier Dezibel, heißt es im RP-Gutachten und weiter: „Hessen Mobil hat mitgeteilt, dass ein aktiver Schallschutz im Vergleich zu den Aufwendungen für passiven Schallschutz unverhältnismäßig ist.“ 

Bei Hessen Mobil können Anträge auf Zuschüsse für passiven Schallschutz gestellt werden. Außerdem ist im Bereich von Friedrichsaue die Aufbringung von Flüsterasphalt auf der Autobahn im Gespräch. Auch die Bundesstraße 251, die durch die Habichtswalder Ortsteile Dörnberg und Ehlen führt, belastet die Bürger. 

Lärm in Kreis Kassel: Flüsterasphalt und lärmmindernde Linienführung werden nicht kommen

Laut Lärmaktionsplan wurden in Dörnberg an 49 Gebäuden die Lärmsanierungswerte überschritten, im Ortsteil Ehlen an 23. Bei Hessen Mobil können daher Anträge auf passiven Schallschutz (in der Regel Schallschutzfenster) gestellt werden. Flüsterasphalt werde bei Tempo 50 in der Ortslage nicht in Erwägung gezogen. 

In Wolfhagen löst die Bundesstraße 450 einen sogenannten Lärmkonfliktpunkt aus. Wolfhager Bürger hatten eine Onlinepetition mit 63 Unterschriften gestartet. Darin wurden eine lärmmindernde Linienführung, lärmmindernde Straßendeckschichten, Lärmschutzwälle oder ein Tunnel vorgeschlagen. „Straßenbauliche Lärmminderungsvorschläge werden bei diesem Belastungsniveau von Hessen Mobil in der Regel als unverhältnismäßig abgelehnt“,heißt es im Gutachten des RP. 

Lärm im Kreis Kassel: Akustische Signale an Bahnübergang soll ersetzt werden

Aus Sicherheitsgründen geben Zugführer beim Ein- und Ausfahren aus dem Bahnhof in Richtung Kassel am ersten Bahnübergang (Wohngebiet „An der Ziegelei“) akustische Signale ab. Um diese Störungen für die Anwohner zu vermeiden, wird im Lärmaktionsplan angeregt, den Bahnübergang mit einer Halbschranke zu versehen oder alternativ mit einem Sperrgitter analog des Haltepunktes Zierenberg-Rosental. 

Der Vorschlag wurde an die zuständige Behörde weitergeleitet.

Von Bea Ricken 

Die Proteste einzelner Bürgerinitiativen gegen den Autobahnlärm werden zur Bewegung: Zum Aktivbündnis Lärmschutz haben sich jetzt Bürgerinitiativen aus Guxhagen und Heßlar (A7), Bad Hersfeld (A4), Edermünde (A49), Marburg (Stadtautobahn) sowie Schauenburg und Zierenberg mit Habichtswald (alle A44) zusammengeschlossen.

Beschallung ohne Ende: Durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen hat sich auch der Verkehrslärm im Landkreis Kassel verstärkt

Um die Probleme mit Verkehrslärm einzudämmen, stellt das Regierungspräsidium Kassel (RP) regelmäßig Lärmaktionspläne auf. Nun wurde dieser Plan um weitere Maßnahmen aktualisiert.

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