Veterinäramt erteilt keine Genehmigungen mehr

Kreis Kassel stoppt Tiertransporte in Drittländer

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Immer wieder kam es zu Verstößen: Tiertransporte in Länder außerhalb der EU werden von den Amtsveterinären nicht mehr genehmigt.

Der Kreis Kassel hat den Transport von lebenden Nutztieren in Drittländer  gestoppt. Die Amtsveterinäre erteilen dafür keine Genehmigungen mehr.

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Landkreises war laut Vizelandrat Andreas Siebert ein juristischer Fachartikel, der die Frage aufwarf, ob sich Amtstierärzte nicht der Beihilfe oder Mittäterschaft in Sachen Tierquälerei schuldig machen. Bescheinigungen für Tiertransporte in Drittländer werden vom zuständigen Veterinäramt in Wolfhagen deshalb seit Wochen nicht mehr erteilt.

Bei Tiertransporten in Drittländer komme es immer wieder zu Verstößen gegen tierschutzrechtliche Mindeststandards. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft tierquälerische Praktiken bei der Schlachtung in diesen Ländern.

„Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, wissentlich das Leid von Tieren durch eine Verwaltungshandlung zu fördern und deshalb haben wir im Sinne des Tierschutzes reagiert“, erklärte Andreas Siebert.

Bundesweit einheitliche Regelung gefordert

Inzwischen hat auch das Land Hessen einen vorläufigen Transportstopp bis Mitte April beschlossen und den Veterinärbehörden landeseinheitliche Handlungsweisen vorgelegt.

Die Regelung betrifft Tiertransporte nach Aserbaidschan, Ägypten, Algerien, Jordanien, Kasachstan, Kirgistan, Marokko, Syrien, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, in die Türkei, den Jemen und den Libanon. Hessen fordert darüber hinaus eine bundesweit einheitliche Regelung für Tiertransporte.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Transporte aus dem Landkreis Kassel in Drittländer seien bisher eher selten vorgekommen, so Landkreis-Pressesprecher Harald Kühlborn. Wesentlich öfter würden Tiere innerhalb der EU transportiert. Hier gebe es regelmäßige Kontrollen der Verterinärämter, durch deren Bezirk der Transport rollt, sagte Kühlborn.

Vier Millionen Tiere gehen in Drittländer

Vier Millionen Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen werden nach Angaben von Tierschutzverbänden jedes Jahr von der EU in Drittländer transportiert. Sechs Bundesländer forderten jetzt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf, in der Frage der Tiertransporte gemeinsam mit ihnen aktiv zu werden.

Die Ministerin will aber erst rechtliche Fragen klären und kündigte ein Treffen an, auf dem über das Transportrecht gesprochen werden soll.

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