Von Einsatz zu Einsatz 

Kreisfeuerwehren probten am Gasterfelder Holz den Ernstfall

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Sekunden sind gefragt: Die Feuerwehrmänner Jonas Müller und Johannes Berndt verhindern, dass auslaufender Gefahrstoff in die Kanalisation gelangt.

Gasterfeld. Die Premiere ist gelungen. Erstmals haben neun Feuerwehren aus dem Wolfhager Land und angrenzenden Kommunen an verschiedenen Stationen ein Zirkeltraining veranstaltet.

Niemand weiß, was geschehen ist, als sich am Samstagvormittag auf dem Gelände der ehemaligen Pommernkaserne in Gasterfeld eine junge Frau vor Schmerzen krümmt. Sie wirkt desorientiert, steht inmitten einer Rauchwolke und reibt sich immer wieder die Augen. Der weiße Tank, an den sie sich anlehnt, hat ein Leck, aus dem deutlich sichtbar eine wässrige Flüssigkeit austritt. Auch deshalb sind die gerade eingetroffenen Feuerwehrleute extrem vorsichtig, wissen sie schließlich nicht, was für Gefahren hier lauern.

Nach kurzer Einsatzbesprechung ist klar: Als Erstes muss die Frau aus dem Gefahrenbereich geholt werden. „Mindestens 50 Meter Abstand sollten es sein“, sagt Christian Fischer, stellvertretender Kreisbrandinspektor, und erklärt, warum die Mitglieder der Oberelsunger Feuerwehr sich mehr Zeit lassen, als man es sich für einen Notfall vorstellt. „Der Einsatz ist Teil eines Zirkeltrainings, im Ernstfall würde es alles natürlich etwas schneller gehen.“

90 Feuerwehrfrauen und -männer aus Wolfhagen, Zierenberg, Naumburg, Baunatal, Breuna, Habichtswald, Ahnatal, Schauenburg und Bad Emstal üben erstmals gemeinsam auf dem Gelände rund um die Herwig-Blankertz-Schule neun verschiedene Szenarien, um ihren Ausbildungs- und Leistungsstand zu überprüfen, unterschiedliche Arbeitsweisen kennenzulernen und die kreisweite Zusammenarbeit zu fördern. 

Nach einem Unfall bei Baumfällarbeiten: Die Einheit der Feuerwehr aus Baunatal rettet eine verletzte Person über eine rund zwei Meter hohe Stützmauer.  

„Die Vorbereitungen haben schon im vergangenen Jahr begonnen“, sagt Fischer, der die Übung gemeinsam mit Kreisbrandmeister Uwe Kreisel initiiert und mit den Kameraden Pascal Kumpies, Frank Brunst, Karsten Pfeffermann und Oliver Lenz ausgearbeitet hat. „Unterstützt wurden wir vom Landkreis Kassel und einigen Gewerbetreibenden, die am Gasterfelder Holz ansässig sind.“

Das ehemalige Bundeswehrgelände eignet sich laut Fischer hervorragend, da hier mehrere Stationen ohne lange Anfahrtswege möglich sind. Und doch kommen im Laufe des Tages einige Kilometer Wegstrecke zusammen zwischen Gefahrgutunfall, verunglückten Autos, einer brennenden Lagerhalle und einer verunglückten Person in einem Schacht. 

Im Ernstfall muss es schnell gehen: Die Einsatzkräfte löschen das Feuer in einem brennenden Auto. 

Die wird von Robin Mathusek gespielt, einem von 15 Unfallmimen des DLRG, die dafür sorgen, dass die Einsätze für die Teilnehmer so realistisch wie möglich wirken. „Ich muss verschiedene Schmerzsymptome simulieren, täusche beispielsweise ein Kribbeln im Hüftbereich vor“, sagt der 16-Jährige, während er für den nächsten Durchlauf in die Gasterfelder Tiefen hinabklettert.

„Wenn es an die Bergung geht, arbeiten wir mit einer Puppe, da wir alle Gefahren für die Mimen ausschließen wollen“, erklärt Fischer. Wichtig sei, den Verletzten möglichst schnell und dennoch schonend einer professionellen Erstversorgung zuführen zu können.

Das gelingt im Rahmen des Zirkeltrainings durchweg, und auch an den anderen Stationen läuft die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte, zu denen neben den Feuerwehrleuten außerdem über 20 Rettungssanitäter und zwei Notärzte zählen, reibungslos. Am Ende des Tages sind alle zufrieden mit der Premiere ihres Zirkeltrainings, und Christian Fischer ist sich sicher: „Es wird eine Fortsetzung geben.“

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