Kreisjagdverein Wolfhagen zählt Feldhasen in der Region

Gesichtet: Die Mitglieder des Kreisjagdvereins Wolfhagen zählen mehrmals im Jahr die Feldhasen-Population. Symbolfoto: dpa

Wolfhager Land. Die wichtigste Zahl an diesem Abend ist die sechs. So viele Feldhasen haben Wolfgang Kommallein, Arnold Weiß und Werner Henkelmann beim Feldhasen-Monitoring gezählt - und damit etwas weniger als üblich.

Rückblick: Mittwochabend, kurz vor 21 Uhr. Auf einem Parkplatz zwischen Ehringen und Wolfhagen stehen sie nun; Jagdhelfer, Pächter und der Vorsitzende des Kreisjagdvereins Wolfhagen, Wolfgang Kommallein.

Wie immer im Frühjahr und Herbst sind sie zum Feldhasen-Monitoring verabredet. „Wir wollen feststellen, wie hoch die Hasenpopulation hier im Revier Ehringen ist“, erklärt Kommallein. Sie zählen jedoch nicht erst seit Einführung der neuen Jagdverordnung. Schon seit 1998 fahren Kommallein und seine Mitstreiter viermal jährlich zählend durch das Revier, immer auf der gleichen Strecke.

Damit werde gewährleistet, dass man Rückschlüsse auf die Entwicklung der Hasenpopulation über Jahre ziehen kann. „Etwa 20 bis 25 Reviere im Altkreis Wolfhagen zählen den Feldhasen-Bestand“, sagt er. Nicht überall gebe es Hasen, etwa in den großen Waldrevieren. Anders ist es im Revier Ehringen, wo die Zählung jetzt beginnt.

Mann für die Zahlen: Jagdhelfer Werner Henkelmann notiert, wie viele Hasen auf welchem Grund und unter welchen Witterungsbedingungen gezählt wurden.

In Schrittgeschwindigkeit fährt Kommallein auf dem Feldweg entlang, Pächter Arnold Weiß hält einen gewaltigen Scheinwerfer zur rechten Seite aus dem Fenster. Auf der Rückbank hat Jagdhelfer Werner Henkelmann Platz genommen. Er führt Protokoll und notiert genau, auf welchem Untergrund welches Tier gesichtet wurde. Auf dem ersten Streckenabschnitt parallel zur Landstraße in Richtung Wolfhagen haben die Jäger an diesem Abend kein Glück: Kein Hase ist zu sehen.

„Die Menschen gehen raus, wenn Vollmond ist. Beim Hasen scheint es genau umgekehrt zu sein“, sagt Kommallein und lacht. Dabei sind die Wetterverhältnisse an diesem Abend optimal für das Monitoring: gute Sicht, wenig Wind und weitgehend trocken. Dennoch: Dass sie an dieser Stelle keinen einzigen Hasen gesichtet haben, haben Kommallein und seine Mitstreiter noch nicht erlebt. „Sehr traurig“, sagt Arnold Weiß. Hier werde deshalb in diesem Jahr aber auch kein Hase geschossen. Denn: Das Ziel der Jäger ist eine geregelte Population. „Nur, wenn wir Zuwachs haben, schießen wir“, so Kommallein.

Dann, auf dem zweiten Streckenabschnitt in Richtung Naturschutzgebiet Scheid, ist es soweit: Um 21.16 Uhr kommt der Gruppe der erste Hase vor die Linse. „Hier gibt es mehr Lebensräume für den Hasen“, sagt der Vorsitzende. Auf den Kalkböden fühle der Hase sich wohler, und es gebe Flächen, die nicht landwirtschaftlich nutzbar seien. „Der Hase hat somit mehrere Säume, die er nutzen kann.“

Das Monitoring sei ein Anhalt, um Tendenzen festzustellen. „Wenn eine halbe Stunde vorher ein Jogger hierher gelaufen ist, ist auch kein Hase mehr da. Deswegen geht es nie um ganz genaue Zahlen“, so Kommallein. Als er seinen Pkw wieder in Richtung Ehringen steuert, ist die Bestandsaufnahme für diesen Abend beendet - kommenden Mittwoch machen Kommallein, Weiß und Henkelmann sich dann wieder auf den Weg. Dann wird noch einmal gezählt, zur Kontrolle. Aus beiden Werten ergibt sich dann ein Mittelwert, aus dem die Hasenpopulation im Revier Ehringen ausgerechnet wird.

Hintergrund

Vor etwa 30 Jahren seien im Altkreis Wolfhagen noch etwa 800 bis 1000 Hasen jährlich geschossen worden, sagt Wolfgang Kommallein. Heute seien es auf der gleichen Fläche nur noch 30 bis 40. Die Population hat in den vergangenen Jahren also deutlich abgenommen. Laut Kommallein ist dafür vor allem die intensive Landwirtschaft verantwortlich. Dazu komme die Witterung: Im Frühjahr möge der Hase es vor allem trocken und warm. Wenn diese Witterung nicht gegeben sei, wirke sich das negativ auf die Population aus.

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