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Krieg in der Ukraine – Geflüchtete kommen bei Familie in Wolfhagen unter

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Von: Eva Krämer

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Tina Wertz (mit Tochter Clara) und ihre Familie haben Marina Shykhalova mit Tochter Oleksandra und Kateryna Kozhevnikova mit (mit Wertzs Tochter Trude) aus der Ukraine bei sich aufgenommen.
Wohnen jetzt unter einem Dach: Tina Wertz (von links, mit Tochter Clara) und ihre Familie haben Marina Shykhalova mit Tochter Oleksandra und Kateryna Kozhevnikova mit (mit Wertzs Tochter Trude) aus der Ukraine bei sich aufgenommen. © Eva Krämer

Die ersten geflüchteten Ukrainer sind im Landkreis Kassel angekommen. Familie Wertz aus Wolfhagen hat drei Geflüchtete bei sich aufgenommen.

Wolfhagen – Marina Shykhalova kann kaum über all das sprechen, was geschehen ist. Immer wieder kommen ihr die Tränen. Tina Wertz reicht ihr ein Taschentuch und nimmt sie in den Arm. Marinas Schwiegermutter, Kateryna Kozhevnikova, beginnt zu erzählen. Von der Flucht aus Kiew, dem Weg an die ungarisch-ukrainische Grenze und ihrem Mann und dem Sohn, die noch in der Ukraine sind.

15 Stunden dauerte die Fahrt von ungarisch-ukrainische Grenze. Doch nun sind Kateryna Kozhevnikova, Marina Shykhalova und ihre vierjährige Tochter Oleksandra in Sicherheit – untergekommen bei Familie Wertz in Wolfhagen.

„Wir haben etwa sieben Kilometer von Kiew entfernt gewohnt. Ende Februar haben mein Mann und mein Sohn uns in den Westen der Ukraine, nahe der ungarischen Grenze, gebracht“, sagt Kateryna – eine App auf dem Smartphone übersetzt das Gespräch – damit sie das Land verlassen können. Knapp 800 Kilometer legten sie zurück.

Mit einem Hilfskonvoi aus dem Landkreis Kassel kamen zunächst Kateryna und ihre Enkelin Oleksandra, genannt Sascha, vergangene Woche nach Wolfhagen. Marina Shykhalova, Saschas Mutter, musste vorerst an der Grenze zurückbleiben. „Irgendwas mit ihrem Pass stimmte nicht“, erzählt Tina Wertz.

Von der der ungarisch-ukrainischen Grenze ging es in 15 Stunden nach Wolfhagen.
Von der der ungarisch-ukrainischen Grenze ging es in 15 Stunden nach Wolfhagen. © HNA

Für Marina war es bereits die zweite Flucht

„Sie wurde gemeinsam mit einigen anderen Geflüchteten an der Grenze festgehalten, konnte dann aber zum Glück doch ausreisen.“ Wenige Tage späte kam dann auch Marina in Wolfhagen an. „Es war eigentlich nur ein Zufall, dass wir Marina dabei hatten“, sagt Christina Dummer aus Wolfhagen.

Dummer war mit einem weiteren Hilfskonvoi des Landkreises (Bündnis Ukraine Hilfe) an die ungarisch-ukrainische Grenze gefahren, um Geflüchtete nach Nordhessen zu bringen. So waren die drei Ukrainerinnen wieder vereint.

Für Marina war das bereits die zweite Flucht. 2014 floh sie aus Donezk, im Osten des Landes – die Grenze zu Russland ist nur wenige Kilometer entfernt. Bei einem russischen Angriff verlor sie ihre Familie. „Sie hat nur noch uns“, sagt Kateryna. Ihre Männer mussten die beiden Frauen in der Ukraine zurücklassen.

„Wir hatten ein schönes Leben. Der Himmel war friedlich“

„Mein Mann wird in wenigen Wochen 60. Er ist nicht mehr wehrpflichtig“, sagt Kateryna. Auch Marinas Mann, Kateryna Sohn, muss nicht in die Armee. „Er ist sehr krank“ erklärt Kateryna. „In sechs Jahren musste er acht Mal operiert werden.“ Kurz vor der Flucht hatten sie noch versucht, einen Behindertenausweis für ihn zu beantragen, um ihn mit über die Grenze zu nehmen.

Doch das klappte nicht mehr rechtzeitig. Derzeit seien die beiden Männer nahe der ungarisch-ukrainischen Grenze. „Wir sind täglich mit ihnen in Kontakt. Erst heute Morgen haben wir mit ihnen telefoniert“, sagt Kateryna.

Die Ukrainerin erzählt auch von dem Leben, vor den Angriffen des russischen Militärs. „Wir hatten ein schönes Leben. Der Himmel war friedlich“, sagt Kateryna mit Tränen in den Augen. „Uns ging es gut. Ich führte ein kleines Geschäft. Jetzt ist nichts mehr übrig.“ Marina arbeitete in einem Parfümerie- und Hygieneunternehmen. „Bis in den Krieg hinein haben sie noch Pakete mit Hygieneartikeln verpackt“, sagt Kateryna.

Zwei Schwestern sind noch in Kiew

Auch Freunde und Nachbarn sind geflohen. Die zwei Schwestern von Kateryna sind noch in Kiew. Wann sie sie wieder sehen wird, weiß Kateryna noch nicht. Für die beiden Frauen ist es immer noch nicht zu begreifen, was in der Ukraine passiert. „Wir leben doch im 21. Jahrhundert. Wie kann es sein, dass jemand einen Krieg will?“, fragt Kateryna.

Um so dankbarer sind Marina und Kateryna zusammen mit Sascha bei Familie Wertz aufgenommen geworden zu sein, „Tina und Steffen sind ein Geschenk. Wir sind den beiden unendlich dankbar“, übersetzt das Smartphone die Worte von Kateryna.

Über eine WhatApp-Gruppe und von den Nachbarn erfuhr Tina Wertz, dass dringend Unterkünfte für ukrainische Geflüchtete gesucht werden. Sofort entschieden sich Tina Wertz und ihr Mann Steffen die Ukrainer aufzunehmen. „Zwei Räume im Erdgeschoss, die wir nicht nutzten, haben wir hergerichtet“, sagt Wertz.

„Die Kinder erleichtern einiges“

Auch ein kleines Bad und eine Kochgelegenheit gibt dort. Beim Landkreis und beim Einwohnermeldeamt sind die Ukrainer bereits gemeldet. Nun warten sie auf die Aufenthaltsgenehmigung.

„Es gibt ein paar Sprachbarrieren, aber mit der Übersetzungsapp geht das ganz gut“, sagt Wertz. „Die Kinder erleichtern einiges.“ Trotz der unterschiedlichen Sprachen spielen Wertzs Kinder Hannes (5) und Clara (2) zusammen mit Sascha. „Die drei brauchen zum Spielen keine Sprache“, sagt Wertz. „Wir sind so dankbar“, sagt Kateryna erneut.

„Tina und Steffen haben uns wie einen Teil ihrer eigenen Familie aufgenommen.“ Was sie sich für die Zukunft wünschen? „Wir können noch an nichts anderes als den Krieg denken“, sagt Kateryna. „Wir hoffen, dass unsere Männer bald nachkommen können. Dass es unseren Liebsten gut geht, ist am wichtigsten.“ (Eva Krämer)

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