1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen
  4. Wolfhagen

Krieg in Ukraine: Adreno ist in Trauer um seine getöteten Freunde

Erstellt:

Von: Bea Ricken

Kommentare

Rauchschwaden über Kiew: Der Krieg hat längst auch die ukrainische Hauptstadt erreicht (hier der von den Russen beschossene Fernsehturm im Hintergrund). Dort hält sich Adreno, der zuletzt in Wenigenhasungen und Ahnatal gelebt hat, jetzt auf, um als Sanitäter seinen Dienst zu leisten. 
Rauchschwaden über Kiew: Der Krieg hat längst auch die ukrainische Hauptstadt erreicht (hier der von den Russen beschossene Fernsehturm im Hintergrund). Dort hält sich Adreno, der zuletzt in Wenigenhasungen und Ahnatal gelebt hat, jetzt auf, um als Sanitäter seinen Dienst zu leisten.  © Privat

Ein Deutscher, der zuletzt in Ahnatal und Wenigenhasungen gelebt hat, kündigt seinen Job und meldet sich freiwillig als Sanitäter im ukrainischen Kriegsgebiet. Er berichtet in mehreren Folgen über die aktuellen Geschehnisse.

Wenigenhasungen/Ahnatal/Kiew – Die Situation in der Ukraine wird für Adreno und seine Einheit immer bedrohlicher. Nur knapp hat er den Angriff russischer Truppen überlebt. „Die Basis, an der ich mich bis gestern befand, wurde in der Nacht von Russland angegriffen. Freunde von mir starben“, berichtet der 26-jährige Deutsche, der öffentlich nur mit seinem militärischen Rufnamen genannt werden darf.

„Meine Emotionen können nicht beschreiben, wie sich jetzt auch bei mir Hass und Abscheu entwickeln,“ sagt er.

„Ich weiß nicht, ob es Glück oder Bestimmung war, dass ich und mein Team die Basis nur eine Nacht zuvor verlassen haben. Ich bin froh, dass ich nicht da war, doch zugleich macht es mich wütend, dass ich nicht dort war, um zu helfen.“

Derzeit ist Adreno in Kiew

Als Adreno und seine Gruppe sich auf den Weg von Jaworiw bei Lwiw nach Kiew machte, mussten sie durch russisch kontrolliertes Gebiet und tarnten sich als Zivilisten. Das sei zum Glück gut gegangen.

Er befinde sich derzeit in Kiew und man sei angesichts der anrückenden russischen Truppen in hoher Alarmbereitschaft. Mit tiefer Trauer um die getöteten Freund ist er in die Nacht gegangen.

Putins Ziele ähneln denen eines sehr bekannten Mannes aus dem Zweiten Weltkrieg.

Adreno über Wladimir Putin

„Wir müssen jetzt einen klaren Kopf behalten und dürfen nichts Unüberlegtes tun“, spricht der junge Mann sich selbst Mut zu. „Viele von uns haben Angst. Unser Kommandant sagt, wer behauptet, keine Angst zu haben, sei eigentlich schwach.“

Attacken von Russland seien unmenschlich und ein Verstoß gegen das Völkerrecht

Wichtig sei es dennoch, den Feind das Fürchten zu lehren und ihn zu stoppen. „Und das werden wir tun“, sagt Adreno verbissen.

„Nach dem Angriff auf Jaworiw bei lwiw, wo unsere Basis war, ist uns noch mal mehr bewusst geworden, dass wir unbedingt Russland aufhalten müssen, um die Menschen hier in der Ukraine zu schützen.“ Die Attacken von Russland seien unmenschlich und ein Verstoß gegen das Völkerrecht.

Die Truppenverlegung nach Kiew
Die Truppenverlegung nach Kiew © HNA

Seine Arbeit werde in Kiew nun mehr gebraucht. Adreno rechnet in den folgenden Nächten mit massiven Angriffen. „Wir bereiten uns vor, arbeiten mit Zivilisten zusammen und versuchen, sie zu beruhigen.“

Diese Menschen hätten oft auch Angst, wenn sie die Ukrainer mit Waffen sehen würden. Manche würden immer noch nicht begreifen, was in der Ukraine derzeit passiere. „Wir tun alles, damit gerade die Menschen, die mit diesem Krieg nichts zu tun haben, sicher sind.“

Russische Truppen wüssten, wo sich seine Einheit befindet

Adreno sagt, er wünscht sich, dass dieser Wahnsinn bald ein Ende hat: „Ich glaube, an das was ich tue und die Werte von Demokratie, Völkerverständigung und Freiheit, die ich und all die anderen hier verteidigen. Wir werden diesen Krieg gewinnen und es nicht zulassen, dass Wladimir Putin, dessen Ziele einem sehr bekannten Mann aus dem Zweiten Weltkrieg ähneln, diese Werte vernichtet.“

Adreno geht davon aus, dass seine Gruppe in den kommenden Nächten bombardiert wird und dass die russischen Truppen wissen, wo sich seine Einheit befindet. „Russland hat angekündigt, alle Ausländer, die für die Ukraine kämpfen, zu töten und als Terroristen anzusehen. Mein Kopf brennt und meine Gedanken fahren Karussell“, so Adreno. (Bea Ricken)

Zur Person

Adreno (26) lebte bis zu seinem Eintritt in die ukrainische Armee in Ahnatal mit Zweitwohnsitz in Wenigenhasungen. Er arbeitete bis zu seiner Ausreise aus Deutschland als Alten- beziehungsweise Krankenpfleger und hat nach eigenem Bekunden Weiterbildungen für Taktische Einsätze Medizin und Taktische Kampfeinsätze absolviert. Die Ukraine kennt er durch seine Lebensgefährtin, die selbst aktuell im Kriegslazarett arbeitet.

Auch interessant

Kommentare