Krimi-Kost mit Rotwein und Pastete

Schottischer Autor Martin Walker begeisterte Wolfhager mit Roman-Lesung

Links im Foto sitzt ein etwas älterer Herr und blickt über ein Buch hinaus, weiter rechts sitzt eine Dame mittleren Alters.
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Autor Martin Walker aus Schottland und Claire Benard-Stiller aus Frankreich lesen aus Walkers Kriminalroman „Connaisseur“ im Kulturladen Wolfhagen.

Es war eine internationale und kulinarische Lesung, die Elke Müldner von der Buchhandlung Mander und das Team des Kulturladens am Freitagabend für etwa 60 Besucher vorbereitet hatten.

Wolfhagen – Für die Zuschauer war es trotz Hygienevorkehrungen wie Abstandhalten und Mund-Nasen-Bedeckungen ein Schmaus für Ohren, Augen und Gaumen. Der schottische Krimiautor Martin Walker, seit 1999 auch im Périgord in Frankreich beheimatet, las aus seinem Buch „Connaisseur“ in englischer Sprache vor. Und die Französin Claire Benard-Stiller, inzwischen in Ippinghausen wohnhaft, präsentierte die deutsche Übersetzung.

Um das Ganze noch authentischer zu machen, wurden den Zuschauern Häppchen, sogenannte „amuse gueule“ gereicht, da Martin Walker seine Romane mit Rezepten aus dem Périgord gespickt und mit seiner Frau Kochbücher verfasst hat. Die Köstlichkeiten bestanden aus einer Walnuss-Oliven-Paste auf geröstetem Weißbrot, Käsestangen und einem Glas Rotwein und wurden von einem lokalen Gastronom und Bäcker zubereitet.

Der Autor, der sich auf Lesereise durch Deutschland befindet, erzählte in recht guter deutscher Sprache und mit einem Augenzwinkern, dass sein Deutsch hauptsächlich auf James Last, den Toten Hosen und Bertolt Brecht beruhe. Dass er seinen Protagonisten, den Dorfpolizisten Bruno aus St. Denis im Périgord, aus seiner Krimireihe sehr menschlich darstellt, wird den Zuhörern schnell klar. Er ist zwar Polizist, lebt aber nach dem „savoir vivre“ der Franzosen: der Kunst, das Leben zu genießen. Entsprechend hat Walker seinem Helden viele Buchseiten mit Essen und Trinken gewidmet.

Romanhelden haben reale Vorbilder

Der recht makabre Mord wird am Anfang des Buches geschildert und der Zuhörer erfährt einiges über das Opfer, eine amerikanische Kunststudentin. Dann verliert sich das Buch oft in detaillierten Beschreibungen von politisch-historischen Ereignissen, zum Beispiel über die Falknerei und das Josephine-Baker-Museum.  Die Besucher merken bald, dass der 73-jährige Autor auch Historiker und Journalist war. Trotzdem ist das Buch flüssig und spannend geschrieben und bekommt durch den englisch/schottischen und französischen Akzent der Vorleser eine besondere Note.

Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum kam die Frage, woher der Autor seine Figuren für seinen inzwischen zwölften Bruno-Roman nehme. Martin Walker bekannte, dass seine Romanhelden, bis auf die Damen, reale Vorbilder hätten. So würde sein fiktiver Polizist auf einem Dorfpolizisten in seinem französischen Wohnort beruhen. „Wichtig war mir immer, Bruno in all seinen Facetten zu zeigen – als einen Dorfpolizisten, der Frauen, Wein und Essen liebt und für die Gerechtigkeit einsteht“, sagte Martin Walker. Das Publikum bedankte sich für die besondere Lesung mit lang anhaltendem Applaus.

Info: Martin Walker: „Connaisseur“, Diogenes Verlag 2020, 448 Seiten, 24 Euro, gebundenes Buch (Ursula Neubauer)

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