Nun wird mehr verbrannt

Kritik an Klärschlammverordnung – Ziele lassen sich nicht umsetzen

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Wohin mit den Abbauprodukten aus Klärwerken? Mit dieser Frage befassen sich zahlreiche Kommunen. Viele fahren die bodenbezogene Verwertung zurück und setzen verstärkt auf Verbrennung. Das Foto zeigt die Kläranlage in Ehlen.  

Mit der neuen Klärschlammverordnung wurde eine bis dahin gut funktionierende Kreislaufwirtschaft zerstört. Davon ist Olaf Geringswald von der Delta-Kompost Dünger GmbH in Hofgeismar überzeugt.

Der Betrieb ist Dienstleister zahlreicher Kommunen im Landkreis Kassel, er organisiert die Verwertung von Klärschlämmen. Vieles sei seit einem Jahr komplizierter geworden. Es gebe weniger Flächen, auf die die Schlämme ausgebracht werden dürfen. 

Wo nun Weizen und Roggen angebaut werden, dürfe nach der Ernte nicht mehr gedüngt werden. Landwirte könnten dort auch keine Gülle mehr ausfahren. Auch Flächen in der Wasserschutzzone III seien jetzt tabu, sagt Geringswald. Die Folgen, die sich aus der Klärschlammverordnung und aus der ebenfalls überarbeiteten Düngeverordnung ergeben, führten dazu, dass nun deutlich mehr verbrannt werde. „Fast die Hälfte der Klärschlämme geht in die Verbrennung“, sagt Geringswald, der bei Delta-Kompost für Kundenberatung und Planung zuständig ist. 

Klärschlamm-Verordnung bringt hohen bürokratischen Aufwand

Vor der neuen Verordnung sei Klärschlamm bevorzugt bodenbezogen verwertet worden. Zugenommen habe auch der bürokratische Aufwand. Habe eine Kommune zuvor ihren Klärschlamm zweimal im Jahr analysiert, seien nun vier bis fünf Proben erforderlich. „Das alles verursacht zusätzliche Kosten, ohne dass sich das System unbedingt verbessert.“ Geringswald nennt ein Beispiel: So zielt der Bund mit der seit Oktober 2017 geltenden Verordnung auf eine bessere Nutzung von Phosphor in der Aschen des verbrannten Klärschlamms ab. „Das funktioniert im Labor ganz gut“, sagt Geringswald, großtechnisch allerdings gebe es erhebliche Mängel.

Aus Sicht von Gabriela Walper vom Regierungspräsidium Kassel stellt sich für viele Kommunen künftig ein Kapazitätsproblem. Weil zum einen die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen zunehme und die Nachfrage für die thermische Verwertung steige, würden Lagerungsmöglichkeiten für die Klärschlämme benötigt. „Weil im Sommer Verbrennungsanlagen stilllagen, hatte es da bereits einen Engpass gegeben“, sagt Walper, die ganz Hessen im Blick hat.

Klärschlamm-Verwertung: "System ist ein labiles Konstrukt."

Die Kommunen im Landkreis Kassel, in denen vornehmlich kleine Kläranlagen betrieben werden, seien breit aufgestellt. Sie verfügten über Lagerkapazitäten, sie würden Schlämme verstärkt verbrennen, aber auch noch in der Landwirtschaft verwerten. „Aber das System ist ein labiles Konstrukt“, warnt Walper. Fielen Verbrennungsanlagen aus oder sei ein Frühjahr zu nass, habe das Einfluss auf die Verwertungswege. Auch ein zu trockenes Jahr mache eine bodenbezogene Verwertung problematisch.

Und bei alledem müssten Grenzwerte eingehalten werden, sagt Walper. So dürften auf einen Hektar Ackerland innerhalb von drei Jahren maximal fünf Tonnen Trockensubstrat ausgebracht werden. Geregelt ist das in der Düngeverordnung. Nur wenn die Pflanzen einen Bedarf an Stickstoff und Phosphor haben, darf gedüngt werden.

Dioxin im Klärschlamm - Probleme in Ottrau

Erhöhte Dioxin-Werte im Klärschlamm beschäftigt im August 2019 die Gemeinde Ottrau im Schwalm-Eder-Kreis. In der Kläranlage Görzhain/Weißenborn wurden laut Bürgermeister Norbert Miltz "erheblich erhöhte Grenzwerte" gemessen. Der Bürgermeister will deshalb die Staatsanwaltschaft einschalten, um das Umweltdelikt aufzuklären.

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