Musik mit Quietscheenten

Kulturladen: Nessi Tausendschön überzeugt mit gepfefferten Texten

Einfach schön: Nessi Tausendschön begeisterte im Kulturladen. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Sie ist so schrill wie ihre singende Säge klingt, mit der sie gemeinsam gegen die Antriebslosigkeit anträllert. Nessi Tausendschön war im Wolfhager Kulturladen zu Gast.

Antriebslos wirkt Nessi Tausendschön während ihres Auftritts am Sonntagabend im Wolfhager Kulturladen aber so gar nicht, dafür ein bisschen verrückt vielleicht, wenn sie mit Quietscheenten musiziert, dank ausgefeilter Technik zum Talkmaster mit tiefer Männerstimme wird und eine Nena interviewt, die alle lieb hat, eine Lena Meier-Landrut, die sich „ne Kackwurst in die Hose“ macht und eine Nina Hagen, die einfach ein rauchiges „Namaste“ in den Abend krächzt. Mit ihnen talked sie sich „over head and shoulder“, so ihre Übersetzung von „um Kopf und Kragen“, immer weiter hinein in die wunderbare Welt der Amnesie. Um die soll es nämlich gehen im heiteren Mix aus Kabarett, Comedy und Musik, mit dem die Trägerin des Deutschen Kleinkunstpreises ihr Publikum verzaubern will, wie sie gleich zu Beginn ankündigt.

Presse als Amnesiemaschine

Es soll ihr gelingen, wenn sie die Politik zur „riesigen Orgel mit den dazugehörigen Pfeifen“ und die Presse zur Amnesiemaschine erklärt, die immer neue Nachrichten produziert, damit andere unter den Tisch fallen können. „Wir müssen auswählen und wir müssen gut wählen, damit die Informationsflut uns nicht vollends erschlägt“, rät Frau Tausendschön. „Um das Wichtige geht es, das muss herausgefiltert werden und übrig bleibt die Suche nach dem Sinn.“

Eine Stimme, die provoziert und parodiert, spielt, spricht und singt, gepfefferte Texte und wunderbare Songs sowie mit William Mackenzie ein erstklassiger Musiker an Gitarre, Banjo, Slide und Drums: Madame Tausendschön schenkt ihren 80 Wolfhager Fans einen energiegeladenen, ekstatischen Abend, nicht ohne den ein oder anderen emotionalen Trauergesang anschwellen zu lassen, wie man es von ihr kennt. Einfach schön, die Frau Tausendschön.

Von Sascha Hoffmann

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