Bodo Wartke beeindruckte Publikum mit Klavierkabarett in Reimkultur

Bodo Wartke begeisterte Publikum im Wolfhager Kulturzelt

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Unerwartete Pointen: Das sind die Stärken Bodo Wartkes, der am Samstagabend im Wolfhager Kulturzelt gastierte. 

Wolfhagen. Bodo Wartke begann sein dreistündiges Programm „Klaviersdelikte“ im ausverkauften Wolfhager Kulturzelt mit einem Solo auf dem Klavier. 

Der Musikkabarettist ließ seine Finger über die Klaviertasten tanzen und spielte eine Melodie, ganz ohne Worte. Seinen ausgeprägten Sinn für Humor bewies er gleich im ersten Lied über die kleinen Probleme des Lebens, wie das Krawattenbinden, die richtige Kaffeeauswahl und in der Begegnung mit einem Fotografen vom Kulturzelt. 

Als dieser von ihm ein Foto schießen wollte, warf sich der Kabarettist sofort in Pose. Beim Small Talk mit dem Publikum erfuhr ein erstaunter Bodo Wartke, dass ein Ehepaar sein Konzert zum Hochzeitstag besuchte und ein Deutschlehrer seine Lieder und Theaterstücke im Unterricht einsetzte. Nach dem ersten heiteren Kontakt besann sich der Kabarettist, Liedermacher und Schauspieler auf seine eigentliche Aufgabe: dem Chanson. 

Er echauffierte sich in seinen Liedern unter anderem über die moderne Architektur und präsentierte ein gefühlvolles Liebeslied. Doch Bodo Wartke wäre kein Kabarettist, wenn die romantische Stimmung im Lied nicht irgendwann umschlagen würde. So will sie im Lied mit ihm alt werden und eine gemeinsame Gruft aussuchen, er will zur Apotheke wegen seiner Pollenallergie!

Charmante Beobachtungen des Alltags und des zwischenmenschlichen Miteinanders, in Reime gefasst, mit einer unerwarteten Pointe, das sind Wartkes Stärken. Er entlarvt banale Formulierungen und Worthülsen, setzt Begriffe in völlig überraschende Kontexte und seziert dabei die deutsche Sprache.

Thematisch verpackt er das in Songs über sein WG-Leben in Berlin („Die WG des Herrn ist unergründlich“) oder über den konstanten Lärmpegel im Leben. Erste Lachsalven rief der Kabarettist hervor, als er erzählte, dass er in Bad Schwartau aufgewachsen sei, eine Stadt, die in einer Marmeladenfabrik untergebracht sei.

Ein Lieblingsthema des Liedermachers ist die GEMA und die willkürliche Kategorisierung in E und U-Musik. („Laut GEMA sind wir das einzige EU-Land“). Wie wundervoll eine Liedfolge aus beiden Musikbereichen klingt, bewies er mit einer Mischung aus der Oper „Die Zauberflöte“ und Volksliedern. Dabei tanzte er geschmeidig auf der Bühne im Swing-Rhythmus. 

Ein Höhepunkt des Abends war zweifellos seine Parodie des Filmsongs „The eye of the tiger“ mit Boxhandschuhen und Mundschutz am Klavier. Das Publikum johlte vor Begeisterung. Aber auch ernste und leise Töne schlug der 42-Jährige in einem Protestsong über die Umweltverschmutzung im Hambacher Wald an und in einem Lied über seine verstorbene Schwester. Bodo Wartkes Texte waren nachdenklich, brüllend komisch oder tieftraurig und für das begeisterte Publikum immer mitreißend und unterhaltsam.

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