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Fans ins Metal-Universum gerockt

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Von: Sascha Hoffmann

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Lebende Legende mit ansteckender Energie: Doro Pesch
Lebende Legende mit ansteckender Energie: Doro Pesch © Sascha Hoffmann

Ohrenstöpsel sind am Freitagabend ein willkommener Begleiter zum Start ins finale Kulturzeltwochenende, vorsorglich zumindest. Doro Pesch und Mike Gerhold rocken das Zelt.

Wolfhagen - Die Lautsprecher dröhnen, der Boden vibriert – und das, obwohl der Hauptact noch nicht einmal in der Nähe der Bühne angekommen ist und das für ihn vorbereitete Drumkit noch mit schwarzem Stoff abgehangen ist. Davor, etwas verloren, Supportact Mike Gerhold, Vorzeigerocker aus Naumburg, der sich wie ein kleiner Junge freut, endlich wieder auf einer solch großen Bühne stehen zu dürfen.

Er hat ein paar Coversongs mit in die Teichwiesen gebracht, durch die er sich mit seiner markant-rauen Stimme sing: Von Queens „We Will Rock You“ über „Nothing Else Matters“ von Metallica bis hin zu Jethro Tulls „Locomotive Breath“ setzt er auf Klassiker des Rock, die immer funktionieren, überraschenderweise auch als Anheizer für eine Dame, deren Anhänger durchaus Härteres gewohnt sind.

Dass sie wegen weitaus krasserer Klänge in den Stadtpark gekommen sind, zeigt sich, als nach gut einer Stunde Sound und Licht deutlich nach oben geregelt werden und das Kulturzelt von Außen einem Ufo gleicht, das mit ordentlich Getöse einen polternden Start gen Metal-Universum hinlegt. An Bord: keine Geringere als Doro Pesch, ihres Zeichens „Queen of Metal“, die mit „I Rule the Ruins“ ohne Wenn und Aber klar macht, wer hier den Ton angibt.

Mit „Fight for Rock“ kämpft sie für die harten Klänge, für die sie seit vier Jahrzehnte steht, wie keine andere. Der nur 1,50 Meter kleine Wirbelwind singt sich vom Erdbeben („Earthshake“) zum „Soldier of Metal“, um gleich drauf lautstark auf den Punkt zu bringen, was echte Metaller zum Leben brauchen: „Blood, Sweat and Rock’n’Roll“.

Jetzt lassen Doros fantastischen Musiker headbangend die langen Mähnen um ihre Chefin kreisen, der sich aus dem Publikum hunderte zum Teufelsgruß geformte Fäuste entgegenrecken, ein in der Szene bekannter Gruß, der auch als „Pommesgabel“ bekannt ist.

Dass mit gerade einmal rund 600 Besuchern wesentlich weniger als bei Doros letztem Wolfhager Gastspiel vor fünf Jahren gekommen sind und das Zelt nur etwa zu einem Drittel gefüllt ist, stört hier niemanden.

Beim legendären „Für Immer“ aus dem Warlock-Album „Triumph and Agony“ von 1987, dem auch der hymnische Welthit „All We Are“ entstammt, hat der blonde Metalengel und einer der wenigen deutschen Weltstars auch den Letzten im Zelt geknackt, hunderte singen –oder sagen wir besser grölen – lauthals mit. Spätestens jetzt weiß man, warum die 58-Jährige auch nach fast vier Jahrzehnten noch ganz oben mitspielt: Doro Pesch ist eben eine lebende Legende, verdientermaßen, und für Legenden braucht man dann eben doch keine Stöpsel in den Ohren, auch wenn man sie vorsorglich mitgebracht hat.

Von Sascha Hoffmann

Heizte die Stimmung an: der Naumburger Vorzeigerocker Mike Gerhold
Heizte die Stimmung an: der Naumburger Vorzeigerocker Mike Gerhold. © Sascha Hoffmann

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