Absagen bei Friseuren und Fußpflege

Kunden springen wegen der Testpflicht ab

Sie sieht in der Kontrolle der Tests einen Vertrauensbruch zu ihren Kunden: Heidi Till vom Friseurladen Haar-Culture in Zierenberg.
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Sie sieht in der Kontrolle der Tests einen Vertrauensbruch zu ihren Kunden: Heidi Till vom Friseurladen Haar-Culture in Zierenberg.

Wegen der Testpflicht sagen einige Kunden bei Friseuren oder der Fußpflege ihre Termine ab.

Wolfhager Land – Wegen der bundesweiten Corona-Notbremse müssen Kunden einen negativen Test vorlegen, wenn sie zum Friseur oder zur Fußpflege gehen. Betriebe aus dem Wolfhager Land berichten deshalb vermehrt von Kunden, die wegen der Testpflicht abspringen.

Friseurin Heidi Till vom Friseurladen Haar-Culture in Zierenberg befürchtet, durch die neue Verordnung einige Kunden zu verlieren. „Es gibt Kunden, die wollen sich nicht testen lassen“, sagt sie. Die würden dann einfach nicht zum Friseur kommen. Till vermutet, dass dadurch indirekt Schwarzarbeit gefördert werde.

Sie könne vor allem nicht verstehen, warum sie nun die Tests kontrollieren muss. Till glaubt, dass das Vertrauensverhältnis zu ihren Kunden darunter leide. „Ich will meine Kunde nicht kontrollieren“, sagt sie.

Die Friseurin hat das Gefühl, dass die Regierung sie benutze. Schließlich bekomme sie für die zusätzliche Arbeit ja kein Geld. „Das ist nicht mein Job“, sagt Till. Für ihre Kunden mache sie das natürlich gerne, doch eigentlich sei das nicht ihre Aufgabe. Sie sei schließlich Friseurin und nicht fürs Testen ausgebildet, wie etwa Mitarbeiter des Gesundheitsamts.

Auch bei der Fußpflege berichtet Christiane Christoph, Geschäftsführerin der Helmut Bernhardt GmbH, von Absagen wegen der Testpflicht. Archiv

Ob sie überhaupt befugt sei, die Tests zu kontrollieren, wisse sie nicht genau. Wie Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreis Kassel, mitteilt, müssen die Friseure die Tests nur kontrollieren und nicht selbst durchführen. Außerdem haben die Friseure an sich auch keine Meldepflicht an das Gesundheitsamt, das habe die positiv getestete Person.

Problematisch sei laut Till auch, dass die Kunden nur mit einem negativen Test in den Laden dürfen, während es für die Friseure keine Pflicht zum Testen gibt. „Wenn, dann müssten sich alle testen lassen“, sagt sie.

Machen die Kunden einen Schnelltest vor der Tür, bedeute das eine zeitliche Verzögerung, wie Ellen Mellinghoff vom Haarstudio Filmschnitt in Wolfhagen berichtet. „Alles verschiebt sich nach hinten“, sagt Mellinghoff. Wenn ein Kunde den Test erst vor Ort macht, gehe dort schon etwa eine halbe Stunde drauf, bis das Ergebnis dann feststehe. Dabei bedeute Corona ohnehin schon viel mehr Arbeitsaufwand. Das Friseurstudio hat sechs Tage in der Woche auf, damit alle Kunden drankommen, da nur eine bestimmte Anzahl an Menschen in den Salon darf. Zudem müsste dann in einer Teilnehmerliste aufgeschrieben werden, wo und wann der Test stattfand.

Doch die Idee mit der Testpflicht für die Kunden findet Mellinghoff trotzdem gut. Denn so hätten sie und ihre Mitarbeiter ein besseres Gefühl, dass nun niemand mit Corona auf dem Stuhl sitzt. Denn sie ärgere sich, dass die Angestellten nicht ausreichend geschützt werden, denn die Friseure seien nicht in der Prioritätsgruppe drei und damit noch nicht geimpft. Die Salons zählten zu den ersten Betrieben, die wieder öffneten, doch ein Impf-Angebot gab es nicht, das könne sie nicht ganz nachvollziehen.

Auch Mellinghoff habe es schon erlebt, dass Kunden wieder gegangen sind, weil sie keinen Test beim Friseur machen wollten. Das seien aber nur wenige gewesen. Ein paar Leute hätten nicht gewusst, dass sie einen Test benötigen. „Jetzt läuft es“, sagt sie. Mellinghoff sei glücklich, dass sie geöffnet habe, aber sie habe sich geärgert, dass die Friseure beim Impfen vergessen wurden.

Ähnliche Probleme kennt auch Christiane Christoph, Geschäftsführerin der Helmut Bernhardt GmbH Orthopädie-Schuhtechnik in Balhorn. Wenn Kunden zur Fußpflege kommen, benötigen sie ebenfalls einen Test. „Viele sind auch abgesprungen“, sagt Christoph, weil sie keinen Test machen wollten. Denn manchmal sei das auch beschwerlich, da einige Kunden über 80 Jahre sind. Was sie nicht ganz verstehen könne, sei, dass man zum Beispiel beim Zahnarzt, bei dem man sich ebenfalls sehr nahekomme, keinen Test benötigt. Kurios sei zudem, dass Kunden in ihrem Schuhgeschäft keinen Test brauchen, gehen sie allerdings zur Fußpflege, ist ein Test nötig. (Samira Müller)

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