Wegen Corona

Auch Auszubildende im Wolfhager Land können von Kurzarbeit betroffen sein

Vor einer Eingangstür eines Gebäudes stehen in Abstand zueinander ein junger Mann, eine junge Frau und ein jüngerer Mann.
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Verzichtet gezielt auf Kurzarbeit bei den Auszubildenden: Lukas Frankfurth (rechts), Geschäftsführer des Parkhotels Emstaler Höhe. Das Hotel zurzeit sechs Auszubildende. Zwei davon sind Marius Seeberger und Jana Schindler.

Auszubildende im Wolfhager Land können von Kurzarbeit betroffen sein. Vor allem im Zuge der Corona-Pandemie ist dieses Thema wichtiger geworden als je zuvor.

Wolfhager Land – Vor Corona haben Betriebe Kurzarbeit bei Auszubildenden nur in seltenen Fällen in Betracht gezogen, sagt Cornelia Harberg von der Agentur für Arbeit. In diesem Jahr hätten jedoch besonders vom Lockdown betroffene Branchen auch bei Auszubildenden von Kurzarbeit Gebrauch gemacht.

Genaue Zahlen dazu, bei wie vielen das der Fall ist, liegen Harberg jedoch nicht vor. Allgemein gelte allerdings: „Auch Auszubildende gehören grundsätzlich zum Personenkreis, der die persönlichen Voraussetzungen zum Kurzarbeitergeld-Bezug beschreibt“, erklärt Harberg.

Cornelia Harberg, Sprecherin Agentur für Arbeit.

Sind Auszubildende von Kurzarbeit betroffen, hätten sie zunächst noch einen sechswöchigen Anspruch auf Fortzahlung des Ausbildungsgehalts. Der Bezug von Kurzarbeitergeld kommt laut Berufsbildungsgesetz (Paragraf 19 Abs. 1 Nr. 2) erst danach in Frage.

Betriebe können Auszubildende auch online und telefonisch unterstützen

Problematisch kann die Kurzarbeit bei Auszubildenden während der Coronakrise werden, wenn sowohl Ausbildung als auch Berufsschule nicht stattfinden, sagt Jörg Reuscher von der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (IHK). Auch während der Corona-Pandemie seien Betriebe in der Pflicht, ihre Auszubildenden weiter zu betreuen.

Ein Vorteil für Auszubildende gegenüber den fest angestellten Mitarbeitern sei aber, dass die Betriebe Auszubildende auch über Distanz, zum Beispiel online oder telefonisch, beschäftigen und unterstützen können. „Die meisten Betriebe finden verschiedenste Wege, die Ausbildung fortzuführen, zum Beispiel online über Microsoft Teams.“

Die Ausbildung trotz Corona ohne Kurzarbeit weiterlaufen zu lassen, war auch Lukas Frankfurth aus Bad Emstal ein großes Anliegen. Als Geschäftsführer des Parkhotels Emstaler Höhe habe er zwar allen anderen Mitarbeitern zwischenzeitlich Kurzarbeit anordnen müssen.

„Gerade jetzt ist es wichtig, den Auszubildenden zur Seite zu stehen, sie zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen, einen guten Abschluss zu erreichen“, sagt Frankfurth.

Selbst ohne Gäste gibt es im Hotel viel zu tun

Er beschäftigt insgesamt sechs Auszubildende. Deren Berufsschule und die Arbeit im Hotel finde zurzeit wie gewohnt statt, unter Einhaltung aller Vorgaben. Das geschehe meist in Präsenz, teilweise gebe es aber auch Telefonschulungen.

„Es gibt ja schließlich auch ohne Gäste einiges zu tun“, sagt Jana Schindler. Die 21-Jährige befindet sich in ihrem dritten und damit letzten Lehrjahr zur Hotelkauffrau.

Dort sei sie hauptsächlich an der Rezeption tätig, wo sie aufgrund des „Lockdown light“ zurzeit zwar keine Gäste begrüßt, trotzdem aber wie gewohnt zahlreiche E-Mails und anstehende Buchungen bearbeite sowie Gutscheine ausstelle. „Der Hauptunterschied besteht eigentlich wirklich nur in dem fehlenden Gästekontakt“, sagt sie.

Weshalb der Lockdown auch als Chance gesehen werden kann

„Im Gegensatz zu sonst arbeiten wir aktuell vor allem mehr auf der Etage“, fügt Marius Seemann an, der seit dem vergangenen Jahr eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolviert. „Anstatt wie sonst im Service zu arbeiten, helfe ich zurzeit also auch viel bei der Kontrolle der Zimmer“, sagt er.

Man versuche, Zeiten wie den Lockdown so gut es geht auch als Chance zu sehen, ergänzt Geschäftsführer Frankfurth. Neben Funktionstests von Lampen und Duschen auf den Zimmern gehörten dazu auch Modernisierungen im Saal und Restaurant, die man während des ersten Lockdowns begonnen habe.

Die Gefahr für die Auszubildenden, wegen den Corona-Folgen weniger zu tun und damit auch weniger Kontakt zu den Ausbildern zu haben, gebe es daher nicht – im Gegenteil. Laut Jana Schindler nutzen sie diese Zeit auch, um mit den Auszubildenden zu lernen und ihnen bei Aufgaben der Berufsschule zu helfen. Dazu gebe es in gewöhnlichen Zeiten weniger Gelegenheit, berichtet die angehende Hotelkauffrau.

Wir sehen uns da ja auch in einer sozialen Verantwortung.

Lukas Franfurth, Geschäftsführer Parkhotel Emstaler Höhe

Die Auszubildenden in Kurzarbeit zu schicken, sei für Frankfurth keine Option gewesen. „Sie haben ja auch ihre Ausgaben. Jana, zum Beispiel, hat sich in Bad Emstal eine Wohnung gemietet.“

Jeder sonstige Mitarbeiter im Parkhotel musste in Kurzarbeit

Trotzdem hält er fest: „Die drei Monate März, April und jetzt November, die wegen des Lockdowns vom normalen Berufsleben abweichen, fehlen ihnen.“ Umso zufriedener sei er daher, diese Zeit trotzdem so intensiv wie möglich nutzen zu können. „Wir sehen uns da ja auch in einer sozialen Verantwortung.“

Neben Jana Schindler und Marius Seemann beschäftigt das Parkhotel vier weitere Auszubildende – zwei davon als Köche, ein Hotelkaufmann und ein Hotelfachmann. Einer von ihnen sei sogar von einem anderen Betrieb übernommen worden, nachdem dieser laut Frankfurth noch vor Corona schließen musste und der Auszubildende während Corona keine andere Stelle gefunden hatte.

Insgesamt hat das Parkhotel Emstaler Höhe laut Frankfurth ungefähr 50 Mitarbeiter, Zimmer habe das Hotel 52. Bis auf die Auszubildenden hatte der Geschäftsführer bis einschließlich Juli allerdings allen Kurzarbeit anordnen und bis jetzt noch Urlaub abbauen müssen.

Funktion und Höhe von Kurzarbeiter-Geld

Reduzieren Betriebe die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter, dient Kurzarbeitergeld dazu, die Arbeitsplätze zu erhalten und Gehaltsausfälle zumindest teilweise auszugleichen.

Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben die Beschäftigten laut Arbeitsagentur, wenn ihre regelmäßige Arbeitszeit gekürzt wird und der Arbeitgeber die Kurzarbeit bei der Agentur anmeldet.

Die Höhe des Kurzarbeitergeldes beträgt in der Regel 60 Prozent des ausgefallenen Nettogehalts. (Jan Trieselmann)

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