Kurze Wege für umworbene Azubis

Überbetriebliche Ausbildung der Kfz-Innung ist zurück in Wolfhagen

Bestens ausgestattet: (Von links) Ramazan Sapuk, Bernd Pieper, Marcel Marschall, Alexander Thomas, Abdo Hannan, Harms Böttger, Taher Hassan, Daniel Viereck, Nico Dolinski (am Motor) und Rikan Hamadamin in der Kfz-Werkstatt der Wolfhager Herwig-Blankertz-Schule.
+
Bestens ausgestattet: (Von links) Ramazan Sapuk, Bernd Pieper, Marcel Marschall, Alexander Thomas, Abdo Hannan, Harms Böttger, Taher Hassan, Daniel Viereck, Nico Dolinski (am Motor) und Rikan Hamadamin in der Kfz-Werkstatt der Wolfhager Herwig-Blankertz-Schule.

Die überbetriebliche Ausbildung im Kraftfahrzeugbereich ist zurück in Wolfhagen. Darüber freuen sich nicht nur der Vorstand der Wolfhager Innung, sondern auch die Auszubildenden.

Wolfhagen - In den vergangenen Jahren wurden die Kurse im Berufsbildungszentrum (BBZ) in Kassel absolviert. Hauptgrund dafür, dass man aus Wolfhagen seinerzeit wegging, sagt Alexander Thomas, Lehrlingswart der Wolfhager Kfz-Innung, sei der Mangel an Dozenten in Wolfhagen gewesen.

Wolfhagen - Mit Bernd Pieper von der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg habe man nun aber einen erstklassigen Fachmann für diese Aufgabe gefunden, sagt der Wolfhager Obermeister Harms Böttger.

Seit August ist die überbetriebliche Ausbildung nun unter dem Dach der Berufsschule in der Wolfhager Pommernanlage angesiedelt. In dieser Woche leitete Kfz-Technikermeister Pieper an der Herwig-Blankertz-Schule bereits den zweiten Kurs.

„Die überbetriebliche Ausbildung wird von den Innungen für die Betriebe gemacht“, erklärt Obermeister Böttger. „Da werden außerhalb der Betriebe Fachkenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, weil in den Betrieben nicht immer alles so in die Tiefe gehend möglich ist.“ In den Berufsschulen stehe die Theorie im Mittelpunkt. Die überbetriebliche Ausbildung sei gewissermaßen der ergänzende Praxisteil.

Insgesamt kommen die Azubis während ihrer Ausbildung in den Genuss von zehn solcher einwöchigen Einheiten. Zunächst wird im Klassenraum das jeweilige Schwerpunktthema von Dozent Pieper vorgestellt und erläutert, dann geht es direkt in die angrenzende Werkstatt, um die Theorie in der Praxis an verschiedenen Fahrzeugen anzuwenden. Und da haben die Auszubildenden zum Mechatroniker alle Möglichkeiten. „Hier am Standort ist ja alles auf den modernsten Stand gebracht“, lobt Harms Böttger die Ausstattung der Lehrwerkstatt in der früheren Pommernkaserne. Anspruch sei es, weiterhin optimale Voraussetzungen für künftige Fachkräfte anzubieten, die in den 30 Betrieben der Wolfhager Innung genauso dringend wie andernorts auch gebraucht und gesucht werden. „Wir versuchen, über die Innung den Kfz-Bereich attraktiver zu machen“, bringt es der Obermeister auf den Punkt. Wie nötig das ist, belegt Lehrlingswart Alexander Thomas, der Werkstattleiter im Wolfhager Autohaus Ostmann ist, mit etwas Statistik: „Vor 15 Jahren hatte ich noch gut 50 Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz auf dem Tisch. Jetzt sind es maximal zehn im Jahr. Das ist ein massiver Einbruch, und da wollen wir gegensteuern.“

Die wieder in Wolfhagen stattfindende überbetriebliche Ausbildung sei ein wesentlicher Faktor beim Werben um geeigneten Nachwuchs für die Betriebe. „Hier wird eine professionelle Ausbildung geboten, die technische Ausstattung hier oben ist überragend, und die weiten Wege fallen weg“, fasst Harms Böttger die Vorteile zusammen. Und die zählen auch bei den Azubis. Die kürzere Anfahrt zur Pommernanlage im Vergleich zur Tour bis ins Kasseler Berufsbildungszentrum lobt Marcel Marschall aus Burghasungen. Und Ramazan Sapuk, der im Autohaus Ostmann lernt, sagt: „Obwohl ich aus Kassel bin, finde ich es hier besser.“ Dass Berufsschule und die überbetriebliche Ausbildung an einem Standort sind, sei ein großer Vorteil. Und: „Hier sind die Abläufe so, dass viel mehr hängen bleibt“, da man nach einer Theorie-Einheit immer gleich in die Praxis wechsele. Das sei im BBZ anders. Dort, ergänzt Abdo Hannan vom Balhorner Autohaus H. K. Möller, seien auch die Gruppen viel größer.

Für Obermeister Böttger und seine Mitstreiter ist all das Ansporn, weiter mit Nachdruck an der Attraktivität des Wolfhager Landes für den Handwerksnachwuchs zu arbeiten und auch den Ausbildungsstandort in der Pommernanlage zu stärken. (Norbert Müller)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.