15 Millionen für Brandschutz

Landkreis Kassel investiert in die Kreisklinik Wolfhagen

Die Hauswirtschafterinnen Erika Steinacker (links) und Larissa Vogelmann bereiten die Patientenzimmer vor.
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In einer guten Woche öffnet die Kreisklinik Wolfhagen wieder: Die ersten Operation sind für den 4. August geplant. Die Hauswirtschafterinnen Erika Steinacker (links) und Larissa Vogelmann bereiten die Patientenzimmer vor.

Mit dem unzureichenden Brandschutz der Kreisklinik Wolfhagen hatte die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) am 21. Februar dieses Jahres die sofortige Schließung des Krankenhauses begründet. Inzwischen ist viel passiert.

Der Landkreis Kassel wird die Trägerschaft für die Klinik übernehmen und sie am 1. August wieder eröffnen. Die Qualität des Brandschutzes wird dann noch derselbe sein wie vor einem halben Jahr.

Und doch gibt es einen gewaltigen Unterschied: Der Landkreis Kassel will bis zum Jahr 2025 knapp 15 Millionen Euro in das Haus auf dem Kleinen Ofenberg investieren und so die Defizite beim Brandschutz endgültig aus dem Weg räumen.

Wie Kreissprecher Harald Kühlborn sagte, würden die Arbeiten in drei Stufen vorgenommen und orientierten sich an dem Brandschutzgutachten, das von einem unabhängigen Büro im Auftrag der GNH erstellt worden war.

Aus Sicht des Kreises hatte die GNH mit der Schließung der Klinik überzogen auf die im Gutachten aufgezeigten Mängel reagiert. Das Unternehmen habe für sich entschieden, kein Geld mehr in den Brandschutz in Wolfhagen stecken und damit das Haftungsrisiko nicht übernehmen zu wollen.

„Die Schließung basierte darauf, dass die GNH nichts tut“

„Die Schließung basierte darauf, dass die GNH nichts tut“, sagt Kühlborn. Auch habe die GNH bei ihrer Einschätzung völlig außer Acht gelassen, dass Anfang Januar eine Brandmeldeanlage aufgeschaltet worden war, die im Ernstfall für die Feuerwehr einen zeitlichen Vorsprung von bis zu 30 Minuten bringe.

Der Landkreis akzeptiert das Gutachten, zieht aus ihm aber andere Schlüsse, indem er in den Brandschutz investiert. Im Laufe des kommenden Jahres sollen etwa 3,4 Millionen Euro verbaut werden. Zentraler Punkt dabei sind die Geschossdecken und tragenden Teile. Der Fokus der Arbeiten liegt zunächst auf dem Bettentrakt. Kostentreiber ist vor allem die Sicherung der Elektroräume.

Bei allen Arbeiten, die in den kommenden Jahren vorgenommen werden, sei es das Ziel, dass die Gebäudeabschnitte einem Feuer mindestens 90 Minuten standhalten können, sagt Kühlborn. Aktuell liege dieser Wert bei 30 Minuten, wobei die schnellere Einsatzbereitschaft der Feuerwehr einen zusätzlichen Zeitgewinn bringe.

Die größte Summe – vorgesehen sind sieben Millionen Euro – soll ab Mitte kommenden Jahres bis Ende 2023 in die Kreisklinik fließen. Dann wird der OP-Trakt ertüchtigt.

Kreis Kassel übernimmt zum 1. August

Der Landkreis Kassel übernimmt die Kreiskliniken Kassel mit Standorten in Hofgeismar und Wolfhagen von der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) zum 1. August. Beim Eigenbetrieb Kliniken Landkreis Kassel laufen die Fäden für beide Krankenhäuser zusammen. Als Partner wird der Eigenbetrieb mit dem Krankenhausbetreiber Agaplesion und der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen mit Sitz in Hofgeismar zusammenarbeiten. 

OP-Säle sind am teuersten

Mit dem Ausstieg der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) aus den Kreiskliniken Wolfhagen und Hofgeismar kann der Landkreis Kassel, bei dem nun die Verantwortung für beide Häuser liegt, schalten und walten. Neben der Organisation, die mit dem Trägerwechsel verbunden ist, der aufwendigen Umstellung des Betriebssystems für die PCs und der Einstellung von Mitarbeitern genießt die Überarbeitung des Brandschutzes am Standort Wolfhagen höchste Priorität.

Knapp 15 Millionen Euro wird der Landkreis Kassel, verteilt auf fünf Jahre, investieren und sich dabei auf die Vorgaben des Gutachtens stützen, das die GNH hatte erstellen lassen. Eine Baugenehmigung für die Arbeiten liege bereits vor, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Noch in diesem Jahr sollen für 345 000 Euro kleinere Veränderungen im Bereich der Cafeteria vorgenommen werden. Zentraler Punkt der Arbeiten sind die abgehangenen Geschossdecken, hinter denen die Versorgungsleitungen verlaufen. Diese Decken sollen so ausgestattet werden, dass sie einem möglichen Feuer mindestens 90 Minuten standhalten.

Versorgungsleitungen hinter der Verkleidung: Diese und weitere Mängel beim Brandschutz an der Kreisklinik Wolfhagen sollen in den nächsten Jahren beseitigt werden, sagt der Sprecher des Landkreises Kassel, Harald Kühlborn.

Ähnliche Verbesserungen sollen im gesamten Bettentrakt erfolgen. Zudem werden die Brandschutztüren erneuert. Etwa die Hälfte des ersten Investitionspakets in Höhe von etwa 3,4 Millionen Euro geht in die Sicherung der Technik- und Elektroräume.

Schwerpunkt der zweiten Stufe, die Mitte kommenden Jahres beginnt, ist der OP-Trakt. Zunächst seien hierfür sieben Millionen Euro vorgesehen, sagt Kühlborn. Da aber parallel an einem medizinischen Konzept für die Kreiskliniken in Wolfhagen und Hofgeismar gearbeitet werde und dies auch Auswirkungen auf die Operationskapazitäten haben könnte, seien weitere Anpassungen recht wahrscheinlich.

Aktuell gibt es am Wolfhager Krankenhaus zwei OP-Säle, ein dritter ist ungenutzt

So sei es Ziel, die Belegärzte noch stärker in das Klinikgeschehen einzubinden. „Denn die Belegärzte tragen gut zur betriebswirtschaftlichen Absicherung des Krankenhauses bei“, sagt Kühlborn.

Vielleicht stelle sich heraus, dass sich das medizinische Konzept in den vorhandenen Sälen nicht abbilden lasse und der OP-Bereich in Wolfhagen neugebaut werden müsse. Dann wäre es nicht sehr wirtschaftlich, in den alten Sälen für viel Geld den Brandschutz zu verbessern. Aktuell gibt es am Wolfhager Krankenhaus zwei OP-Säle, ein dritter ist ungenutzt.

In einem dritten Schritt – in der Zeit von 2023 bis 2025 – sollen noch einmal knapp vier Millionen Euro in den Brandschutz investiert werden. Falls die OP-Säle nicht neugebaut werden, sollen dann in diesem Bereich die Geschossdecken ertüchtigt werden. In den Fluren sollen die elektrischen Leitungen abgesichert werden. Zudem sei eine energetische Sanierung im Bereich des Daches geplant.

In der Wolfhager Klinik wird es auch einen getrennten Bereich geben, der für Patienten freigehalten wird, die sich mit dem Covid-19-Virus infiziert haben. Da diese Patienten das Gebäude über einen separaten Eingang betreten müssen, wird der Landkreis im rückwärtigen Bereich eine Rampe bauen.

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