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Griechische Landschildkröte lebt seit 50 Jahren bei Elke Röhre in Wolfhagen

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Von: Antje Thon

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Die Griechische Schildkröte Auguste lebt seit 50 Jahren bei Familie Elke Röhre in Wolfhagen.
Die Griechische Schildkröte Auguste lebt seit 50 Jahren bei Familie Elke Röhre in Wolfhagen. © Antje Thon

Auguste ist kein Haustier zum Kuscheln. Den Winter verschläft sie auf Stroh gebettet in ihrer Kiste im Keller, im Sommer zieht es sie in den Garten, wo sie sich gern in der Sonne aalt.

Wolfhagen - Dann schiebt sie Kopf und Gliedmaßen weit aus ihrem Panzer, gerade so, als wollte sie möglichst viel Wärme an den sonst so dick ummantelten, wechselwarmen Körper lassen. Aber auch für Spaziergänge im Regen ist sie zu haben. Auguste ist eine Griechische Landschildkröte und gehört seit fast 50 Jahren zum Leben von Elke Röhre und ihrer beider Töchter. Das tatsächliche Alter des Reptils schätzen sie auf 60 bis 70 Jahre, genau wissen sie es nicht.

Damit ist Auguste das Familienmitglied, das der 56-jährigen Wolfhagerin am längsten die Treue hält. Sie hat Röhres Mutter Lotti Waßmuth überlebt, die einstige Inhaberin der Gaststätte Zur Knackenburg, die im Alter von 92 Jahren starb und früher der Schildkröte ein Zuhause gab. Röhre, die die Kneipe von ihren Eltern übernommen hat, erinnert sich noch gut an ihre erste Begegnung mit dem Reptil, das den wissenschaftlichen Namen Testudo hermanni trägt.

Auguste kam im Paket. „Mein Patenonkel Peter hatte zu seiner Hochzeit die Schildkröte geschenkt bekommen.“ Auf dem Karton gab es einen Hinweis, dass dieser unbedingt vor dem Kaffeetrinken zu öffnen sei. Daran hielt sich das Paar und zog neben allerlei kleineren Haushaltsartikeln eine von Holzwolle umgebene Schildkröte aus dem Dunkel. Die damals siebenjährige Elke Röhre und ihr Bruder waren hellauf begeistert von dem gepanzerten Vierbeiner. Und da der Patenonkel aus Bad Berleburg und seine Angetraute keine Kinder hatten und nicht so recht wussten, was sie mit dem Tier anfangen sollten, wurde es in die Obhut der Wolfhager Verwandten gegeben.

Auguste erfreut sich seither allerbester Gesundheit. Sie war noch nie krank und legt jedes Jahr im Juni oder Juli zwischen sieben und zehn Eier. „Etwa drei Wochen zuvor frisst sie weniger“, sagt die Wolfhagerin. Für sie ist dies das Zeichen, dass die Eiablage bald ansteht. Da Auguste noch keinen männlichen Artgenossen kennenlernen durfte und ihr somit bislang das Geschenk der Liebe nicht zuteilwurde, schlüpfen aus den Eiern keine Jungen. Vor der Eiablage hebt die Reptiliendame mit ihren Hinterbeinen in der Wiese im Garten an der Burgstraße eine Grube aus. Sind alle Eier gelegt, buddelt sie das Loch wieder zu. Dabei ist Auguste so geschickt, dass Elke Röhre, sollte sie den Moment der Eiablage verpassen, dem Boden nicht ansieht, wo sich die Grube befindet.

Im Garten hat Auguste einen komfortablen Auslauf mit Hütte, Rindenabschnitten, Wasserstellen, einer Wiese mit Blumen und frisches Gemüse. Und seit Elke Röhre im Sommer vergangenen Jahres ihre Kneipengäste auch im Garten bewirtet, nehmen die ebenfalls Anteil am Leben des Panzertiers. „Nach so langer Zeit ist uns Auguste schon sehr ans Herz gewachsen“, sagt die 56-Jährige, die es nicht ausschließen will, dass die Schildkröte – es gibt Exemplare, die 100 Jahre alt geworden sind – auch sie überlebt. „Ich begrüße sie jeden Tag mit einem guten Morgen, und abends wünsche ich ihr eine gute Nacht.“ Auch für Tochter Marlene ist Auguste ein vollwertiges Familienmitglied. „Vor allem ist sie für mich eine Verbindung zu meiner Oma“, sagt die 19-Jährige. Immer wenn sie früher bei ihr übernachtet habe, sei da auch Auguste gewesen.

Elke Röhre ist davon überzeugt, dass das Reptilienweibchen, für deren Haltung sie sogar eine Genehmigung der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel hat, ein gutes Leben führt. Von Oktober bis etwa Mitte März hält Auguste im Keller Winterschlaf. Dass die Zeit der Starre bald kommt, deutet sich im Herbst mit einer reduzierten Aktivität und geringerem Appetit an. Die Schuppenträgerin wird dann handwarm gebadet, zudem achtet Röhre darauf, dass sich Augustes Darm vor dem langen Schlaf entleert hat. Und dann lässt sie das Tier, das im Sommer das Leben einer Veganerin führt, schlafen. Futter benötigt es während der Winterstarre keins, lediglich Wasser wird ihm angeboten.

Wenn im zeitigen Frühling das Heu in der Kiste anders liegt und Auguste langsam erwacht, steht die Freiluftsaison kurz bevor. Dann geht es wieder raus in die Natur. Eine Zeit lang habe sie ihren Garten am Haus nicht nutzen können, „da habe ich Auguste jeden Tag rüber zu einem Nachbarn getragen“. Für die betagte Reptiliendame könnte es demnächst noch eine Überraschung geben. Einer ihrer Kneipengäste besitzt ebenfalls zwei Griechische Landschildkröten und eine ist ein Männchen.

Von Antje Thon

Jedes Jahr im Sommer legt Auguste Eier.
Jedes Jahr im Sommer legt Auguste Eier. © Elke Röhre

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