Lebensfreude ist allgegenwärtig

Nach Freiwilligendienst setzt sich Mira Lingelbach für Menschen in Uganda ein

Lebte und arbeitete acht Monate in Mukono (Uganda): Mira Lingelbach aus Istha. Dort kümmerte sie sich um Senioren. Das Foto zeigt sie zusammen mit Maria Mankulata Nakafeero und Mariam Nabbuto.
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Lebte und arbeitete acht Monate in Mukono (Uganda): Mira Lingelbach aus Istha. Dort kümmerte sie sich um Senioren. Das Foto zeigt sie zusammen mit Maria Mankulata Nakafeero und Mariam Nabbuto.

Ihre Zeit in Uganda liegt bald anderthalb Jahre zurück. Doch noch heute steht das Leben der 20-jährigen Mira Lingelbach aus Istha unter den Eindrücken jener acht Monate, die mit der Corona-Pandemie im April 2020 ein abruptes Ende fanden.

Istha - Ihre Begeisterung für die Menschen im Umfeld Mukonos, einer größeren Stadt nahe der Hauptstadt Kampala, ist geblieben. In Vorträgen, wie kürzlich in der Leckringhäuser Kirche, berichtet sie von dem Hilfsprojekt, welches sie in einem Freiwilligen Sozialen Jahr unterstützte.

Nach ihrem Abitur im Sommer 2019, damals noch an der Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen, wollte Lingelbach nicht nahtlos für ein Studium an die Uni wechseln. Ursprünglich hatte sie in Frankreich oder Deutschland einen Freiwilligendienst absolvieren wollen. Doch ein Vortrag an ihrer Schule über Afrika, ähnlich wie sie sie nun selbst hält, führte sie nach Uganda. Die Diakonie Hessen entsandte sie ins ländliche Mukono und dort zur Hilfsorganisation Rotom (Reach One Touch One Ministries) Uganda.

Die Organisation, die von Spenden aus Uganda, Deutschland, England, Kanada und den USA lebt, kümmert sich in erster Linie um Senioren. Die Alten seien einem besonders hohen Armutsrisiko ausgesetzt, sagt die junge Frau, die sich in ihrer Freizeit für die Kirche engagiert und in Burghasungen und Ehlen die Orgel spielt. „64 Prozent der alten Menschen haben weniger als einen Dollar pro Tag an Geld zur Verfügung“, erklärt Mira Lingelbach, die beflügelt von den Erlebnissen in Uganda inzwischen Soziale Arbeit und Diakonik/Gemeindepädagogik in Treysa, einer Außenstelle der Evangelischen Hochschule Darmstadt, studiert.

Mit Besuchsdiensten, regionalen Begegnungen und medizinischen Projekten trägt Rotom zur Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung der alten Menschen bei. Viele der Senioren kümmerten sich um ihre Enkel, denn die Eltern der Kinder verdienten entweder in den Städten Geld oder aber seien verstorben. Ein Renten- oder Sozialsystem gebe es keins, genauso wenig eine Krankenversicherung. Die Arbeit der Hilfsorganisation zielt auf die Gestaltung des Familienlebens der Senioren ab. Rotom kümmert sich um die Bildung benachteiligter Kinder und Jugendlicher, die bei ihren Großeltern leben.

Während ihrer Arbeit rückte die 20-Jährige nah an die Menschen in Mukono heran, lernte deren Sorgen ebenso kennen wie ihre allgegenwärtige Lebensfreude. „In Deutschland sind die Menschen oft unzufrieden. In Uganda sind sie fröhlich, herzlich, und sie tanzen.“ Das habe sie sehr beeindruckt, selbst in den Slums hätten die Menschen Freude am Leben. Ihr Aufenthalt in Mukono habe sie darin bestärkt, sich auch später in ihrem Job für Menschen einzusetzen und Soziale Arbeit zu studieren.

Nur wenige Wochen, nachdem Mira Lingelbach ihren Freiwilligendienst wegen Corona verfrüht abbrechen musste, übernahm sie zusammen mit ihrer Familie eine Patenschaft für eine 70-jährige Seniorin, die seit acht Jahren Witwe ist und von deren sieben Kindern, drei bereits verstorben sind. Vier der sieben Enkelkinder, darunter drei Waisen, leben bei ihr. Lingelbach: „Wir unterstützen sie mit monatlich 30 Euro.“ Das Geld reiche für die medizinische Versorgung, Lebensmittel, Hausbesuche und Schulungen in Hygiene sowie gärtnerische Tätigkeiten. Bei ihrem nächsten Besuch in Mukono will Lingelbach die Seniorin treffen, die sie während ihrer Tätigkeit flüchtig kennengelernt hatte.

Mira Lingelbach möchte, dass weitere Menschen dem Beispiel ihrer Familie folgen und eine Patenschaft für einen alten Menschen übernehmen. Deshalb und auch, um über die Lebensverhältnisse in Uganda aufzuklären, hält sie in der Region in Schulen und Kirchengemeinden Vorträge.

Patenschaften

Wer sich für die Arbeit von Rotom Uganda interessiert, findet Informationen im Internet unter reachone-touchone.org/de. Zusätzliche Informationen über Projekte gibt es auf der Homepage des Missionswerkes Frohe Botschaft, einem christlich-sozialen Hilfswerk mit Sitz in Großalmerode, mfb-info.de. Dort gibt es auch Kontaktformulare für Patenschaften. Patenschaften können nicht nur für Senioren, sondern auch für Kinder und Jugendliche übernommen werden. 

(Von Antje Thon)

Die Hilfsorganisation Rotom betreibt in Mukono auch eine Schule: Fred (von links), Joseph, Dalia, Benita, Pheonah, Evans, Derrick lernen dort Lesen, Schreiben und Rechnen.

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