Leerstand in Wolfhagen: Weitere Geschäfte schließen

Leere Straßen in der Kernstadt: Viele Geschäfte im Zentrum von Wolfhagen stehen leer, Bauamt und Gewerbevertreter sehen eine Veränderung der Bedeutung der Innenstadt. Seniorengerechter Wohnraum könnte die Attraktivität wieder steigern. Foto: Lawatzki

Wolfhagen. Die Wolfhager Innenstadt ist von Leerständen geprägt. Mit dem Elektrogeschäft Gante, dem Schuhhaus Biermann und dem Raumausstatter Abel verlassen nun drei weitere Geschäfte die Kernstadt.

Seinen Laden in der Wolfhager Kernstadt gibt das Elektrogeschäft Gante zum 14. Dezember auf. „Wir konzentrieren uns auf unseren Stammsitz in Niederelsungen“, sagt Christel Schmidt, Geschäftsführende Gesellschafterin. 15 Jahre lang betrieben sie und ihr Ehemann Werner eine Filiale an der Mittelstraße. Die Ausstellungsfläche auf drei Etagen lohne sich nicht mehr.

In den Räumen an der Volkmarser Straße in Niederelsungen entsteht nun ein neuer Schauraum. „Für unsere Kunden ändert sich eigentlich kaum etwas“, sagt Schmidt. Eine Personalstelle würde nun wegfallen. Ob es einen Nachmieter für die Räume an der Mittelstraße geben wird, weiß Schmidt nicht. Sie würde bedauern, wenn das Ladenlokal leer bliebe. „Für Wolfhagen wäre das sehr schade.“

Zum Jahresende wird auch das Schuhgeschäft Biermann an der Schützeberger Straße schließen. „Ich gehe in Rente“, sagt Inhaberin Lydia Biermann. Eine Nachfolge gebe es nicht. Am 31. Dezember sei der letzte Tag, an dem der Laden geöffnet ist. Das Schuhhaus ist seit 272 Jahren an selber Stelle in Wolfhagen.

Eine weitere Immobilie wird ab Ende dieses Jahres leer stehen: Raumausstatter Rainer Abel schließt seine Verkaufsflächen an der Schützeberger Straße. Er will sich nach eigenen Angaben stärker auf seine Dienstleistungen beim Kunden konzentrieren. Entgegen der Geschäftsaufgaben in der Innenstadt wird eine Immobilie wieder mit Leben gefüllt: Am Kornmarkt eröffnet Beatrice Leise am 15. November das Café Keks.

Nach Ansicht der Vertreter von Gewerbe und Bauamt wird sich das Stadtbild weiter wandeln. Sie sehen Chancen zu neuer Nutzung und Sanierung.

Dass ihm der Blick in die Zukunft der Wolfhager Innenstadt ein wenig Sorgen bereitet, streitet Egbert Bachmann nicht ab. Vor allem den Bestand der Fachhändler sieht der Vorsitzende der Service-Gemeinschaft gefährdet. „Die Akteure in der Stadt müssen alles dafür tun, dass Wolfhagen auch in Zukunft noch attraktiv bleibt.“

Für die leerstehenden Geschäftsräume sieht er andere Nutzungsmöglichkeiten. Einziehen könnten seiner Ansicht nach Büros oder Dienstleister. „Es wird wohl eher nicht möglich sein, leerstehende Läden mit neuen Geschäften zu füllen.“ Der Einzelhandel habe es durch die Online-Konkurrenz immer schwerer. „Probleme haben vor allem Händler, die Produkte verkaufen, bei denen man die Preise vergleichen kann.“ Die Entwicklung habe sich über mehrere Jahre ergeben und sei kein spezifisches Wolfhager Problem.

Attraktive Fachwerkhäuser 

Michael Joost, Abteilungsleiter des Bauamts der Stadt Wolfhagen, wirbt um eine positive Sicht in die Zukunft: „Wir befinden uns in einem städtebaulichen Veränderungsprozess. Die Kernstadt stirbt nicht, sie verändert sich.“ Man müsse aktiv werden und den Altstädten eine neue Aufgabe geben.

Die Fachwerkhäuser sieht Joost als attraktiven Wohnraum: „Sinnvoll ist eine Sanierung für senioren- oder familiengerechtes Wohnen.“ Oft würden die oberen Etagen genutzt, während unten Leerstand herrscht. „Man muss nicht an einer Nutzung als Ladenfläche festhalten. Auch das Erdgeschoss kann als Wohnraum umfunktioniert werden.“ Wenn erste Hausbesitzer als gutes Beispiel voran gehen, könnte das andere motivieren, mit der Sanierung zu beginnen. Die Stadt stehe hierbei als Berater zur Seite.

Mehr Außengastronomie 

Eine wichtige Aufgabe sieht Joost darin, die Kernstadt für junge Familien attraktiv zu machen. „Viele wünschen sich das ruhige Leben auf dem Land. Gerade Fachwerkhäuser sind gefragt.“ In unmittelbarer Nähe würden dann auch wieder mehr Grundversorger gebraucht werden.

Damit die Innenstadt ein Anziehungspunkt wird, wünscht sich Egbert Bachmann von der Service-Gemeinschaft mehr Außengastronomie. Dafür müssten Freiflächen geschaffen werden. „Dann gehen wieder mehr Menschen durch die Straßen, es wird lebendiger und so kann auch der Handel gestärkt werden.“

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