Tag des Handwerks

Lehm wird in Fachwerkhäusern und Neubauten eingesetzt – auch in Bühle

Experimentiert mit Lehm und lässt im Internet 60 000 Menschen Teil haben: Lothar Jansen-Greef in seinem Fachwerkhaus in Bühle.
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Experimentiert mit Lehm und lässt im Internet 60 000 Menschen Teil haben: Lothar Jansen-Greef in seinem Fachwerkhaus in Bühle.

Wenn Lothar Jansen-Greef in seinem Bühler Fachwerkhaus beginnt, über die Vorteile von Lehm zu sprechen, dann kann man förmlich sehen, wie ihm das Herz aufgeht.

Bühle/Wolfhagen – Der älteste Baustoff der Menschheit hat es ihm angetan, daraus macht er kein Geheimnis. „Lehm dürfte der nachhaltigste Baustoff sein, den es gibt“, schwärmt er und hat sich mit der Zeit ein beachtliches Wissen angeeignet, das er auf seinem Youtube-Kanal „Tischlerarbeiten, Handwerk, Restaurierungen, Antiquitäten“ mit mittlerweile nahezu 60 000 Abonnenten teilt.

In zehn Videos gibt er Einblicke in seine Experimente, mit denen er begonnen hat, nachdem in seinem Heimatort eine alte Lehmgrube wiederentdeckt worden war. Nach Erzählungen eines betagten Dorfbewohners hätten dort vor langer Zeit ein Mann und seine Tochter aus dem Nachbardorf Lehmsteine hergestellt, so, wie es Jansen-Greef heute selbst tut.

Lothar Jansen-Greef arbeitet mit selbst gebauten Lehmsteinformen.

Etwas Stroh zum Wackelpudding dazu

Dafür entnimmt er aus der alten Bühler Grube Lehm und gibt sich im dazugehörigen Internetclip überrascht von der „eher bröseligen und lockeren Konsistenz“. Er wässert das Material, rührt kräftig um und lässt alles eine Nacht lang stehen.

„Man spricht dabei vom Mauken, wenn sich alles schön durchfeuchtet“, erklärt er und füllt den frischen Lehm in eine Form, die er aus Siebdruckbrettern hergestellt hat, damit „sie innen drin schön glatt ist“.

Nach dem Glattstreichen dann der große Moment. Er lockert die Form und stellt fest: „Ein bisschen wie Wackelpudding, das muss noch fester werden.“ Also kurzerhand etwas Stroh dazu, schön durchmischen, erneut in die Form werfen und abermals glätten.

Die Konsistenz muss wie Knete sein

„Schon besser, aber immer noch nicht fest genug“, urteilt der Lehmtüftler, der eigentlich im Tischlerhandwerk zu Hause ist. Er gibt noch etwas trockenen Lehm bei, „bis alles eine Konsistenz wie Knete hat“, lässt die Mischung über Nacht mauken, um am nächsten Tag festzustellen: „Fertig, bereit zum Trocknen.“

Die Menschen, die seinem Youtube-Kanal folgen, mitzunehmen und sie für diesen alten Baustoff zu begeistern, darum geht es Lothar Jansen-Greef: „Es ist wichtig, dass alte Techniken, die umweltfreundlich, reversibel und der Gesundheit von Tier und Mensch dienen, wieder in Gebrauch kommen.“

Das findet auch Bauunternehmer Wolfgang Heinisch, der anders als Jansen-Greef Lehm aber nicht in einem alten Fachwerkhaus verarbeitet, sondern im wohl modernsten Wohnhaus, das derzeit in Wolfhagen entsteht.

Wolfgang Heinisch setzt voll auf Lehm als Baustoff.

Baumaterial in Abu Dhabi stammte aus Deutschland

„Ich habe meine Liebe für den Lehm in Abu Dhabi entdeckt“, sagt der Geschäftsmann und erzählt von diesem ganz besonderen Raumklima, das er dort zum ersten Mal wahrgenommen habe. „Mir wurde erklärt, es sei das Ergebnis des verarbeiteten Lehms, und für mich war sofort klar: Das will ich auch.“

Recherchen ergaben, das Baumaterial stammte nicht etwa aus Saudi-Arabien, sondern aus Deutschland, und die Verarbeitung sei spielend leicht. Experimente hin zur richtigen Konsistenz braucht es ebenso wenig wie Formen zur Herstellung von Steinen, Heinischs Lehm wird in fertigen Platten geliefert.

„Lehm macht Menschen glücklich“

„Das ist das Besondere, wir arbeiten mit Lehmtrockenbau, das heißt, an Stelle von Rigips- verwenden wir Lehmbauplatten.“ Er ist gespannt, wie seine Mieter darauf reagieren, glaubt aber, „Lehm macht Menschen glücklich“.

Auch in heutigen Zeiten sei der alte Baustoff ein Garant für bestes Wohnklima, er sei heilend, antiseptisch und habe die einzigartige Eigenschaft, keinen Schimmel zuzulassen. „Ich bin total geflasht von Lehm“, sagt er, und da geht es ihm in seinem topmodernen Wohnhaus genauso wie Lothar Jansen-Greef in seinem denkmalgeschützten Fachwerkhaus. (Sascha Hoffmann)

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