Gabelstaplerfahrer ohne Zukunft? 

Logistik-Ausbilder diskutierten an Wolfhager Berufsschule über Industrie 4.0

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Lehrer und Unternehmen sprachen über künftige Anforderungen an Azubis: von links HEWI-Ausbilderin Fabienne Schrottenbaum, Berufsschullehrerin Thérèse Eisermann und Lothar Tepel, Leiter der Logistik bei HEWI.  

Was müssen Azubis der Logistik im digitalen Zeitalter können, und wie muss sich ihre Ausbildung verändern? Was wird aus älteren Arbeitern mit einfachen Schulabschlüssen?

Ganz unterschiedliche Ansichten dazu haben 28 Ausbilder der Logistik und 14 Berufsschullehrer bei einem Kooperationstreffen diskutiert. Die Herwig-Blankertz-Schule in Wolfhagen lud zum 15. Mal zu Gesprächen bei einem Markt der Möglichkeiten ein.

„Den einfachen Staplerfahrer wird es in Zukunft nicht mehr geben“, sagte Julia Vialon von der Herwig-Blankertz-Schule. Die Industrie 4.0 stelle ausbildende Betriebe und Berufsschulen vor Herausforderungen, erklärte Vialon. Denn Logistiker müssten künftig kaum noch selbst Waren bewegen – das erledigen Maschinen automatisiert. Die Mitarbeiter müssten aber Fehler erkennen und eingreifen können. Sie sollten IT-Kenntnisse haben und die Prozesse dahinter verstehen, um die Maschinen warten zu können.

Deshalb werde sich die Ausbildung zum Logistiker verändern. „Wir überlegen, was Azubis lernen müssen, um in 15 Jahren ihren Beruf noch ausüben zu können“, sagte Vialon. Dazu hat die Berufsschule Ausbilder zu einem Kooperationstreffen der Logistik geladen. Neu waren in diesem Jahr zwei Vorträge aus Sicht der Betriebe. Referenten von Volkswagen und von ALMO berichteten von ihren Erfahrungen mit der Industrie 4.0.

Bei einem Markt der Möglichkeiten gab es sieben Themen-Stationen. „Ausbildende Betriebe haben normalerweise keine Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen. Deshalb bieten wir das alle zwei Jahre an“, sagte Vialon. Dafür erhalte die Berufsschule positives Feedback.

So könnten sich Unternehmen und Lehrer Anregungen geben, wie sie die Ausbildung in Zukunft strukturieren. „Kleine Betriebe haben seltener Azubis. Sie können von den Erfahrungen großer Konzerne profitieren“, unterstrich Vialon.

Lothar Tepel ist bei dem Türgriff-Hersteller HEWI Leiter der Logistik.Er sagte kritisch: „Auch wenn wir die Augen nicht vor der Digitalisierung verschließen, werden wir weiterhin Menschen brauchen, die Waren bewegen.“ Denn Maschinen könnten die Aufgaben nur erledigen, wenn Abläufe gleichbleibend sind. Das seien sie bei kleineren Unternehmen seltener als bei großen. Maschinen seien teils riskant, weil sie Gefahren nicht einschätzen können.

Wichtig sei Tepel, Mitarbeiter frühzeitig einzubinden und zu schulen. „Wir müssen die Menschen dahin führen.“ Seiner Meinung nach wird die Industrie 4.0 überbewertet – gerade für den Mittelstand.

Das sah Rainer Mentel, Ausbilder bei Mercedes Benz, anders. Der Mittelstand werde erst nachgelagert mit der Industrie 4.0 konfrontiert: „Wenn Maschinen günstiger sind als Menschen, werden sie auch nachziehen.“

Anforderungen an Arbeitnehmer der Logistik würden sich schnell vergrößern. Da würden nicht alle mithalten können, so Mentel: „Einige werden in den Vorruhestand gehen und nicht mehr ersetzt werden.“ Und er ergänzte: „Es wird die Herausforderung an künftige Generationen, damit klar zu kommen.“

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