Märkte in Wolfhagen rationieren Abgabe von Milchpulver: Keine Engpässe

Noch ist genügend Milchpulver da: Rossmann-Mitarbeiterin Daniela Dillmann aus Wolfhagen vor dem Regal mit der Babynahrung. Engpässe gebe es bisher keine. Kunden halten sich an die begrenzte Abgabe. Fotos:  Wüllner

Wolfhagen. Das Trockenmilchpulver für Babys in Wolfhagen wird rationiert. Händler berichten von einer großen Nachfrage speziell von asiatischer Kundschaft.

Seit einem Lebensmittelskandal in China ist die Nachfrage nach deutscher Trockenmilch immer mal wieder groß. Deshalb wird die Abgabe dann auf drei Packungen pro Person begrenzt. So auch bei der Drogerie-Kette Rossmann und beim Herkules-Center in Wolfhagen. „Wir achten darauf, dass die Kunden sich an die Abgabevorgaben halten“, sagte Daniela Dillmann, Mitarbeiterin bei Rossmann. An den Regalen wird auf die Abgabebegrenzung hingewiesen. Vor Jahren habe es regelrechte Hamsterkäufe gegeben. Aktuell sei das aber nicht so. „Hier im ländlichen Raum ist das eher nicht das Problem“, sagte Dillmann. Problematisch sei lediglich die Nachlieferung eines Herstellers, weil der gerade auf eine neue Verpackung umstelle. Aber Engpässe gebe es ansonsten bei Rossmann keine.

Hans-Richard Schneeweiß

Im Herkules-Center in Wolfhagen sind keine Hinweisschilder an den Regalen. Dort wissen aber die Kassiererinnen Bescheid, dass die Ware nur in handelsüblichen Mengen, also drei Packungen pro Person, abgegeben werden dürfen. „Das ist keine Zufallserscheinung, das ist organisiert“, sagte der Geschäftsführer der Edeka Handelsgesellschaft Hessenring, Hans-Richard Schneeweiß. Die „Massenkäufer“ setzen unterschiedliche Schwerpunkte in unterschiedlichen Regionen. „Wir sind aber im Moment nicht betroffen“, sagte Schneeweiß.

Auslöser für die hohe Nachfrage nach deutschem Trockenmilchpulver für Babys ist eine ganze Reihe von Lebensmittelskandalen in China in den vergangenen Jahren. Im Jahr 2008 starben sechs Säuglinge, ungefähr 30 000 erkrankten, weil das chinesische Trockenmilchpulver mit der Chemikalie Melamin gestreckt worden war und so bei den Säuglingen zu massivem Nierenversagen oder Nierensteinen führte.

Melamin ist ein stickstoffhaltiger Kunstharzgrundstoff. Per se ist es nicht besonders giftig. Erst bei der Kombination mit Cyanursäure, einem Abbauprodukt von Melamin, werden die Nieren erheblich belastet. Der chinesische Marktführer des Trockenmilchpulvers ging in der Folge des Skandals in Insolvenz. Etliche Verantwortliche wurden verurteilt, auch zum Tode. Der Skandal sorgte für weltweites Aufsehen und erschütterte das Vertrauen in Lebensmittel aus China nachhaltig.

Die World Health Organization (WHO) bezeichnete den Vorfall als einen der größten Lebensmittelskandale der jüngsten Vergangenheit weltweit. Im Jahr 2010 wurden erneut melaminhaltige Milchprodukte im Südwesten Chinas entdeckt. Immer wieder fanden Lebensmittelkontrolleure verbotene Zusätze und Verunreinigungen in chinesischer Ware. Zuletzt Quecksilberspuren. Chinesen vertrauen deshalb wohl lieber auf ausländisches Milchpulver - und offensichtlich auch auf Produkte „Made in Germany“.

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