Ärztliche Versorgung

Mangel an Hausärzten in den kommenden Jahren im Wolfhager Land

Nachdem sich Vater Dr. Lutz Dralle in den Ruhestand verabschiedet hat, ist Tochter Sarah Sandrock in die Wolfhager Praxis eingestiegen.
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Nachdem sich Vater Dr. Lutz Dralle in den Ruhestand verabschiedet hat, ist Tochter Sarah Sandrock in die Wolfhager Praxis eingestiegen.

Innerhalb der kommenden zehn Jahre muss allein in Wolfhagen die Hälfte der bestehenden Hausarztstellen neu besetzt werden. Das geht aus Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen hervor.

Wolfhager Land – Die Nachfolger-Suche gestaltet sich aber vor allem im ländlichen Raum eher schwierig.

Dabei sei die Arbeit als Arzt auf dem Land viel schöner, sagt Sarah Sandrock, die erst im April in die frühere Praxis ihres Vaters Dr. Lutz Dralle in Wolfhagen eingestiegen ist. In ihrem Freundeskreis habe sie viele Arzt-Kollegen, von denen kaum jemand in ländlichen Strukturen arbeiten will. Je jünger, desto stadtnäher scheint der allgemeine Tenor zu sein.

In den kommenden Jahren müssen einige Hausarztstellen neu besetzt werden.

Der Trend geht zur Gemeinschaftspraxis

Darüber hinaus spiele auch die Art der Praxis eine Rolle: Vor allem junge Ärzte würden eine Stelle in einer Gemeinschaftspraxis bevorzugen, sagt Ralf Wittwer, Leiter der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land. Das liege zum einen daran, dass Aufgaben verteilt werden könnten und somit weniger Druck auf dem Einzelnen liege.

Zum anderen „scheuen junge Kollegen das Risiko der Selbstständigkeit“, sagt der Allgemeinmediziner. Heutzutage sei Arzt sein mit viel Bürokratie und vielen Anforderungen verbunden. „Junge Leute wollen einfach Arzt sein“, sagt er.

Momentan ist das Wolfhager Land gut ärztlich versorgt

Momentan sei das Wolfhager Land recht gut aufgestellt, was die ärztliche Versorgung betrifft, sagt Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake. Vor einigen Jahren hingegen, habe es nicht so gut ausgesehen.

Damals wurde sogar ein Förderprogramm ins Leben gerufen, um den Ärzten Anreize zu schaffen, wie Zuschüsse zu Praxissanierungen und -modernisierungen und für die Anschaffung neuer Geräten, um sich in Wolfhagen niederzulassen. Jetzt liegt das Programm auf Eis – ob es in einigen Jahren wieder aufgelegt werde, könne Schaake im Augenblick nicht sagen.

Auch Habichtswald und Naumburg seien laut der Bürgermeister Daniel Faßhauer und Stefan Hable bezüglich der Versorgung mit Hausärzten recht gut aufgestellt. Faßhauer wünsche sich jedoch eine gleichmäßigere Verteilung der Ärzte auf Dörnberg und Ehlen.

„Es ist ein schönerer Arzt-Patienten-Kontakt“

Dass Sarah Sandrock in die Praxis der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land eingetreten ist, habe sich schlichtweg so ergeben. Es handelt sich um die ehemalige Praxis ihres Vaters Dr. Lutz Dralle.

Vorher hat die 35-Jährige im Krankenhaus gearbeitet – die Arbeit in der Praxis gefalle ihr jedoch besser. „Es ist ein schönerer Arzt-Patienten-Kontakt“, sagt sie. Während man die Patienten im Krankenhaus meist nur für ein paar Tage sehe, betreue man sie in der Praxis eher langfristig und könne so die Krankheitsverläufe über einen längeren Zeitraum beobachten.

Work-Life-Balance spielt wichtige Rolle

Außerdem entwickle man eine persönliche Bindung zu den Patienten, nicht zuletzt durch regelmäßige Hausbesuche.

In der Praxis in der Wolfhager Mittelstraße arbeitet Sandrock zusammen mit Kollegen. Gerade Ärzte aus ihrer Generation würden lieber mit ein oder zwei Kollegen arbeiten, sagt sie. Die sogenannte Work-Life-Balance, also ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben, spiele heutzutage eine wichtige Rolle.

Das bestätigt auch Ralf Wittwer, Leiter der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land, der insgesamt 16 Kollegen angehören. Die Arbeit in einem solch großen Team sei deutlich entspannter, da Aufgaben besser verteilt werden könnten.

„Wenn man am Ball bleiben will, ist das eine echte Herausforderung“

Das mache sich vor allem bei den älteren Kollegen bemerkbar, die dank der Kooperation weniger arbeiten müssten. Wittwer selbst ist 61 Jahre alt. Er müsse eigentlich nicht mehr arbeiten, wie er sagt, aber die Arbeit mache ihm noch Spaß.

Neben der Möglichkeit zur gegenseitigen Entlastung, sei auch die Schnelllebigkeit der Medizin ein Grund, warum immer weniger junge Ärzte eine Einzelpraxis übernehmen wollten, so Wittwer. „Wenn man am Ball bleiben will, ist das eine echte Herausforderung“, sagt er.

Das Zusammenspiel mit der Kreisklinik

Um die medizinische Versorgung im Wolfhager Land auch zukünftig auf einem guten Niveau zu halten, betont Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake, wie wichtig das Zusammenspiel mit der Kreisklinik sei.

Diese spiele laut Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable auch für die Stadt Naumburg eine große Rolle, gibt es dort doch nur eine niedergelassene Ärztin neben dem Medizinischen Versorgungszentrum Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land. (Lea-Sophie Mollus)

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