Sie gilt als die Helene Fischer des Kabaretts

Kabarettistin Simone Solga zu Gast in Wolfhagen

Sie ist die Helene Fischer des Kabaretts, die Mata Hari des Kanzleramtes und die eiserne Lady Sachsens: Simone Solga.

Wolfhagen – Am Donnerstagabend endlich wieder im Wolfhager Kulturladen zu Gast, liefert die spitzzüngige Sachsenblondine mit ihrem neuen Programm „Ihr mich auch“ eine zweistündige Unabhängigkeitserklärung vom Land der Besserwisser, Untergangsprediger und Meisterheuchler.

Stürmisch startet sie in den langersehnten 4-G-Abend inmitten einer irren Zeit, in der „Deutschland endlich an seinem G-Punkt angekommen ist“ und die Wolfhager nicht nur geimpft, getestet oder genesen, sondern „hoffentlich auch geduscht“ sind. Solga verliert keine Zeit und zieht die Pandemie genüsslich durch die Mühlen des Kabaretts. Dass das Publikum derweil coronabedingt brav mit anderthalb Metern Abstand zueinander sitzt, sei dabei positiv zu sehen: „Sie haben heute mehr Platz als die Schweine bei Tönnies, und Sie kriegen auch keinen Bolzenschuss, es sei denn, Sie machen heute Abend nochmal den Fernseher an, sehen bei Lanz den Lauterbach sitzen und zappen nicht schnell genug weg, bevor der wieder seinen Mund aufmacht.“ Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist für Solga nämlich nicht nur der „Bolzenschuss der SPD“, sondern auch ein „ausgezehrter Untergangsprophet“.

Sie fühlt sich wohl in der Welt der Politik, die selbsternannte Kanzlersouffleuse, die nicht ohne Grund Trägerin des Deutschen Kabarettpreises (2014) und des Deutschen Kleinkunstpreises (2017) ist. Und auch wenn das Abwatschen des Coronakabinetts zum Genuss in Endlosschleife wird, kann sie den Pandemiewirren samt Zwangspause unterm Strich doch eigentlich dankbar sein.

Ganz offensichtlich hat sie diese genutzt, um ein feinsinniges Programm zu stricken, das problemlos an alte Erfolge anknüpfen dürfte, auch wenn Solga selbst sagt, während all der Monate nichts Vernünftiges auf die Reihe bekommen zu habe. „Jetzt weiß ich, wie sich Julia Glöckner den ganzen Tag fühlen muss.“ Persönlich wird’s, wenn es um die Rolle der Künstler in Zeiten wie diesen geht, denn eines habe sie inzwischen gelernt: „Wir Künstler sind nicht systemrelevant, wir sind Luxus, sozusagen die afghanischen Hilfskräfte der Kultur - nett, wenn man sie hat, aber wenn es drauf ankommt, kann man sie auch problemlos hängen lassen.“

Selten hat man so sehr über kritische Coronabetrachtungen - und auch einiges mehr – geschmunzelt und gelacht wie in Simone Solgas neuem Programm „Ihr mich auch“. Allein damit hat sie bewiesen, wie wichtig die Rückkehr der Kultur war, die zumindest in dieser Form mehr als Luxus und garantiert auch systemrelevant ist. (Sascha Hoffmann)

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