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Mehr Besitzer geben ihre Haustiere im Tierheim ab

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Von: Maike Lorenz

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Antonia Freist hockt neben Bürohündin Anka.
Antonia Freist, Leiterin Tierhafen Bad Karlshafen gemeinsam mit Bürohündin Anka. Immer mehr Menschen möchten ihre Haustiere dem Tierheim übergeben. © Privat

Beim Tierheim in Bad Karlshafen melden sich offenbar ungewöhnlich viele Menschen, die ihr Haustier abgeben möchten.

Wolfhagen / Bad Karlshafen – „Seit Ende des Sommers nehmen wir merklich mehr Tiere auf“, sagt Antonia Freist, Leiterin des Tierheims Tierhafen in Bad Karlshafen. Mittlerweile erhalte das Heim fast täglich Anrufe von Besitzern, die ihre Tiere abgeben möchten. Antonia Freist sagt: „Vor dem Sommer hatten wir nur drei bis vier solcher Anrufe im Monat.“

Dass immer mehr Besitzer beispielsweise ihre Hunde abgeben möchten, sei ein überregionales Problem. Auf der Suche nach einem Heim, das noch Kapazitäten hat, hätten sogar schon Tierbesitzer aus Dortmund im Tierhafen Bad Karlshafen angerufen, erzählt die Heimleiterin.

Antonia Freist vermutet als Ursache für den Ansturm, dass sich in den ersten Phasen der Coronapandemie einige Menschen ein Haustier angeschafft hätten, das ihnen jetzt lästig werde. Ohne zum Beispiel die Möglichkeit, aus dem Homeoffice arbeiten zu können, hätten diese Besitzer nun zu wenig Zeit für ihre Vierbeiner. „Sobald die Tiere jetzt verhaltensauffällig werden, wollen manche Halter das Haustier nur noch loswerden.“

Das Geld für die Tiere fehlt

Hinzu kommt: „Die Menschen sind teils selbst in Not oder in Stress“, sagt Antonia Freist. Manche Besitzer könnten zum Beispiel durch die steigenden Lebenshaltungskosten aus finanziellen Gründen nicht mehr für ihre Tiere sorgen.

Mit gestiegenen Preisen hat allerdings auch das Tierheim selbst zu kämpfen. Die Ausgaben sind unter anderem durch den höheren Mindestlohn, höhere Energiekosten und höhere Futterkosten gestiegen. „Das sind erschreckende Preissteigerungen, und man weiß ja auch nicht, wo es hingeht“, sagt Antonia Freist. „Die Lage ist für alle Tierheime kritisch. So, wie es ist, kann es nicht weitergehen.“

Sorge bereitet der Heimleiterin zudem, dass im November mit Inkrafttreten einer neuen Gebührenordnung die Preise für den Tierarzt angestiegen sind. Antonia Freist sagt, bisher sei noch nicht absehbar, ob die gestiegenen Arztkosten auch dazu führen, dass noch mehr Besitzer ihre Tiere abgeben werden. Sicher sei allerdings, dass die Ausgaben des Tierheims durch die neue Gebührenordnung zukünftig deutlich höher sein werden. „Ich gehe davon aus, dass unsere Arztkosten im nächsten Jahr um etwa 30 Prozent steigen werden“, sagt Antonia Freist.

Die neuen Tierarztpreise machen den Beruf attraktiver

Der Wolfhager Tierarzt Stefan Augsburg hält es für ungünstig, dass die neue Gebührenordnung gerade jetzt, zu einer Zeit, da viele andere Preise steigen, in Kraft getreten ist. Aber er sagt auch: „Auf die neue Gebührenordnung haben wir schon seit ein paar Jahren gewartet. Das war lange überfällig.“ Wichtig sei der Schritt unter anderem gewesen, um den Beruf wieder attraktiver zu machen. Viele Kollegen, die in Rente gehen möchten, hätten Probleme, Nachfolger für ihre Praxen zu finden: „Tierärzte haben einen der am schlechtesten bezahlten Akademikerjobs.“

Tierarzthelferin Manuela Vogel, Hund Yuki und Tierarzt Stefan Augsburg im Wolfhager Tiergesundheitszentrum.
Tierarzthelferin Manuela Vogel, Hund Yuki und Tierarzt Stefan Augsburg im Wolfhager Tiergesundheitszentrum. © Maike Lorenz

Stefan Augsburg kann sich durchaus vorstellen, dass Tierbesitzer mit sehr starken finanziellen Problemen die Behandlung ihrer Tiere nun eher aufschieben als vor Inkrafttreten der neuen Gebührenordnung. Er rechnet allerdings nicht damit, dass das viele seiner Kunden betrifft. (Maike Lorenz)

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