Miese Preise zwingen Milchbauern in die Knie

Wolfhager Land. Die Zahl der Milchviehbetriebe in der Region ist in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent gesunken und wird es weiter tun. Davon geht der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Reinhard-Schulte Ebbert, aus.

Vor dem Hintergrund unrentabler Milchpreise werden sich nach seiner Einschätzung nur noch die Milchbauern halten können, die mehr als 50 Tiere halten. Für die meisten, die darunter liegen, gibt es zwei Möglichkeiten: aufgeben oder aufstocken.

In den vergangenen Monaten sei der Milchpreis wieder deutlich gesunken. Von seinerzeit über 40 Cent pro Liter, bekommen die Landwirte inzwischen nur noch 35 Cent ausgezahlt. Dies ist zwar noch deutlich von dem Einbruch des Milchpreises im Jahr 2009 entfernt - damals lag der Preis bei unter 25 Cent - reicht aber dennoch nicht aus, um wirtschaftlich zu arbeiten. Bei einer unabhängigen Studie wurde ermittelt, dass die Bauern mindestens 50 Cent benötigen, um kostendeckend produzieren zu können.

Der aktuelle Preis wäre künstlich nach unten geschraubt worden, sagt Schulte-Ebbert. Die offizielle Version sei, dass dies eine Folge des russischen Importstopps für Milch- und Fleischprodukte sei. Diese Argumentation lässt der Geschäftsführer jedoch nicht gelten. Der russische Markt habe nie viel Milch abgenommen. Die reale Nachfrage sei unverändert. Hier machten die Discounter die Preise kaputt.

Strafabgabe an die EU

Doch es droht noch weiteres Ungemach: Die neueste Auswertung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn über die Milcherzeugung in Deutschland bestätigt, dass das letzte Milchquotenjahr mit einer hohen Superabgabe für einige Milchbauern ausfallen wird. „Einige unserer Landwirte haben zuviel Milch produziert und müssen deshalb Strafe an die EU zahlen“, erklärt Schulte-Ebbert.

Von Bea Ricken

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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