Mieten im Altkreis steigen

Nähe zu Kassel macht Habichtswald zur teuersten Kommune im Wolfhager Land

Mieter im Wolfhager Land wohnen im kreisweiten Vergleich relativ günstig. Einzig in Habichtswald und Zierenberg liegen die Kaltmieten nahe am Mittelwert von 6,47 Euro pro Quadratmeter, der für alle 29 Kommunen im Landkreis Kassel errechnet wurde. Die Daten hat der Immobiliendienstleister empirica-systeme veröffentlicht.

Unter den Kommunen im Altkreis war Habichtswald im Jahr 2018 mit einer Kaltmiete von 6,49 Euro die teuerste, gefolgt von Zierenberg (5,74 Euro) und Wolfhagen (5,50 Euro). Wer bei der Miete sparen möchte, sollte sich nach Naumburg oder Breuna begeben. Dort ist man mit einem Quadratmeterpreis von 4,52 Euro (Naumburg) und 4,60 Euro (Breuna) dabei. 

Die Statistik liefert allerdings dahingehend ein Zerrbild, als dass in sie die Preise für günstige Bestandswohnungen ebenso einfließen, wie kostspielige Neubauten. Wer sich heute als Mieter für eine Wohnung in einem Neubau entscheidet, müsse mit einer Kaltmiete von über zehn Euro rechnen, sagt der Sprecher des Kreises Kassel, Harald Kühlborn. 

Bei der Staffelung der Mieten spielt die Nähe zu Kassel eine große Rolle. Je dichter dran, desto teurer wird’s. Und so verwundert es nicht, dass Menschen, die in Vellmar, Niestetal oder Kaufungen eine Wohnung angemietet haben, dafür im Mittel (Medianwert) deutlich über sieben Euro pro Quadratmeter zahlen müssen. Die Statistik des Immobiliendienstleisters weist zudem eine enorme Entwicklung innerhalb der vergangenen vier Jahre aus. 

So schnellten die Kaltmieten im Landkreis Kassel von 2014 bis 2018 im Mittel um 19,2 Prozent in die Höhe. Die größte Dynamik im Wolfhager Land hat Wolfhagen, wo die Kosten für Mieter um 20,48 Prozent stiegen. Für Thomas Raue, Bürgermeister der Gemeinde Habichtswald, ist die Preisentwicklung das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Solange Wohnen in Kassel – dort liegt die mittlere Kaltmiete bei 7,57 Euro – so teuer ist, weichen die Menschen aufs Land aus.

Anteil der Mietwohnungen am Markt auf dem Land ist sehr gering

Die Nähe zu Kassel und die Qualität der Infrastruktur sind die maßgeblichen Stellschrauben, über die die Höhe der Kaltmieten justiert wird. Folglich zahlen Menschen im zentral an Kassel gelegenen Habichtswald für die Nutzung einer Wohnung mehr als etwa Mieter in Breuna und Naumburg.

Für die Gemeinde Habichtswald hat noch ein weiteres Argument Gewicht: In Ehlen und Dörnberg wohnen die meisten Menschen im Eigentum. Die klassische Mietwohnung sei dort Mangelware, sagt Bürgermeister Thomas Raue. Die Nachfrage nach Immobilien – sowohl als Eigentum als auch als Mietobjekt – sei enorm. Raue ist kein Haus bekannt, das in Habichtswald ein Ladenhüter wäre. „Die Häuser werden warm verkauft“, sagt der Rathauschef.

Dass Habichtswald zu den attraktiven Wohnorten gehöre, das sei schon lange so. Dafür sorge auch die Infrastruktur, die sich mit mehreren Supermärkten, Ärzten, Kitas und Schulen, Schwimmbad und Vereinen sehen lassen könne, zumal für einen Ort mit kaum mehr als 5000 Einwohnern, schwärmt der Verwaltungschef.

Die direkten Einflussmöglichkeiten seiner Kommune auf die Entwicklung der Kaltmieten wertet Raue als gering. Dennoch wolle er dem Trend der steigenden Mieten etwas entgegensetzen. Beim nächsten Baugebiet, das in Dörnberg ausgewiesen wird, solle nicht das hochpreisige, exklusive Wohnen im Vordergrund stehen. Dort soll es auch Angebote für Menschen geben, die keine Immobilie erwerben und stattdessen lieber etwas mieten möchten.

Die Infrastruktur in Naumburg ist vergleichbar mit der in Habichtswald – auch in Naumburg gibt es Ärzte, Geschäfte, Apotheke, Freibäder und Vereine – dennoch liegt die mittlere Kaltmiete dort bei 4,52 Euro. Damit zahlen Mieter in der Kleinstadt für jeden Quadratmeter etwa zwei Euro weniger als in Ehlen oder Dörnberg. „Für uns ist das eine gute Nachricht“, sagt Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable, schließlich würden die Forderungen nach bezahlbarem Wohnraum immer lauter. Davon profitierten auch Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen.

Grundsätzlich allerdings sei der Anteil der vermieteten Wohnungen am Wohnungsmarkt, ähnlich wie in der Gemeinde Habichtswald, gering. Stefan Hable schätzt ihn vorsichtig auf zehn bis 15 Prozent. Unter anderem würde die Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft Hessen GmbH einige Objekte vermieten.

Eine interaktive Karte mit den mittleren Preisen für Wohnungsmieten in allen Gemeinden unseres Verbreitungsgebiets finden Sie in dieser Übersicht.

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