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Mit 50 Pfennig zum Wolfhager Rummel

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Von: Reinhard Michl

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Erinnerungen an den Viehmarkt der Kindheit: Beim Treffen der Senioren im Festzelt kamen nostalgische Erinnerungen hoch. Gudrun Dung (VdK) versorgt mit Kaffee und Kuchen.
Erinnerungen an den Viehmarkt der Kindheit: Beim Treffen der Senioren im Festzelt kamen nostalgische Erinnerungen hoch. Gudrun Dung (VdK) versorgt mit Kaffee und Kuchen. © Michl, Reinhard

Senioren erinnern sich an den Viehmarkt ihrer Kindheit.

Wolfhagen – Nostalgische Geschichten von Viehmärkten der Kindheit lebten beim Seniorentreff beim WolfhagerViehmarkt auf: Auf diesen Tag hatte sich die heute 85-jährige in Ippinghausen lebende Hedwig Heinemann schon das ganze Jahr gefreut. Denn da stand für die damals Zwölfjährige mit ihren Eltern der Besuch des Wolfhager Kram- und Viehmarktes an. Hedwig Heinemann im nostalgischen Rückblick: „Wir sind mit dem Bus nach Wolfhagen gefahren. Bevor es aber zum Festplatz ging, haben meine Eltern in der Stadt noch eine dicke Jagdwurst und Brötchen gekauft. Die haben wir uns dann im Festzelt an der Liemecke schmecken lassen“. Dazu habe es ein Glas Quatsch gegeben, wie der mit Wasser verdünnte Himbeersaft allgemein nur genannt wurde.

Für das Vergnügen auf dem Rummelplatz bekam Hedwig Heinemann von ihren Eltern 50 Pfennige. „Davon habe ich mir einen Schaumkuss für zehn Pfennig gekauft. Den Restbetrag habe ich für die Schiffschaukel ausgegeben, das war für mich das schönste Vergnügen. Eine Fahrt kostete Ende der 40er Jahre fünf Pfennig.“

Der 84-jährige Walter Pflüger aus Wenigenhasungen war zehn Jahre alt, als er mit seinem Opa zum ersten Mal den Marktrummel erlebte. „Wir sind zu Fuß nach Wolfhagen und natürlich auch wieder zurückgelaufen. Mein Großvater schenkte mir den damals für mich unglaublichen Betrag von 60 Pfennig. Davon leistete ich mir eine Bratwurst. Das noch verbliebene Geld blieb in meiner Hosentasche, ich wollte für etwas anderes sparen.“

Heinrich Faber (79) aus Wolfhagen war zehn Jahre alt, als er mit seiner 19 Jahre älteren Schwester zum ersten Mal den Marktrummel erlebte. „Natürlich haben mich die bunten Buden und Fahrgeschäfte fasziniert, doch mein Hauptinteresse galt der Landmaschinenausstellung.“ Drei oder vier Jahre später durfte er vom elterlichen Hof zur Liemecke eine der Kühe zum Viehauftrieb mit Prämiierung führen. Mit Erfolg. Denn für das Fabersche Rindvieh gab es ein Preisgeld, „Davon hat mir mein Vater fünf Mark geschenkt. Die habe ich während des Viehmarkttreibens vor allem für Karussellfahrten auf den Kopf gehauen.“

Davon konnte die heute gleichaltrige Erna Lehmann nur träumen. „Wir wohnten damals in Elmarshausen. Meine Eltern erlaubten mir zwar mit meinem älteren Bruder einen Viehmarktsbesuch, doch dafür gab es keinen Pfennig. Und eigenes Taschengeld gab es nicht. Erst im Alter von 16 Jahren, da hatte ich eine Anstellung in einem Wolfhager Haushalt, habe ich Geld verdient und konnte mir so Viehmarktswünsche.“

Solche und ähnliche Geschichten konnte man während des diesjährigen Viehmarkt-Seniorentreffs der Stadt Wolfhagen, der coronabedingt nach einer zweijährigen Zwangspause wieder im Festzelt über die Bühne ging, immer wieder hören. Wobei die aktuelle Situation der Pandemie Spuren hinterließ. Denn nur rund 100 Männer und Frauen, die das 75. Lebensjahr vollendet haben, beziehungsweise schon goldene Hochzeit feiern konnten, waren gekommen. Die örtlichen Alten- und Pflegeheime hatten kurzfristig die Teilnahme ihrer Bewohner abgesagt.

Auch die obligatorische Ehrung der ältesten Besucher fiel diesmal aus. Trotzdem war es wieder bei Kaffee und Kuchen oder einem Viehmarktsschoppen eine gelungene Veranstaltung.

Moderiert wurde der Seniorentreff, nach der Begrüßung des Ersten Stadtrats Karl-Heinz Löber, erstmals von Gerd Bandurski als Mitglied der Marktkommission.

Für die musikalischen Rhythmen sorgte die Stimmungsband „Die Spitzenbuben“ aus Oelshausen. (Reinhard Michl)

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