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Gehölzpflege für die Sicherheit: Mit der Bühne bis zur Krone

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Von: Norbert Müller

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Präzises Ansteuern: Sven Reuter von der Straßenmeisterei Wolfhagen manövriert sich an der Straße zwischen Altendorf und Züschen mit dem Hubsteiger zur Baumkrone eines Straßenbaums, der zur Sicherheit der Verkehrsteilnehmer von Totholz befreit werden soll. Unten beobachten seine Kollegen Sven Reuter, Dennis Angstmann und Hessen Mobil-Sprecher Marco Lingemann (mit schwarzer Mütze) die Fahrt.
Präzises Ansteuern: Sven Reuter von der Straßenmeisterei Wolfhagen manövriert sich an der Straße zwischen Altendorf und Züschen mit dem Hubsteiger zur Baumkrone eines Straßenbaums, der zur Sicherheit der Verkehrsteilnehmer von Totholz befreit werden soll. © Norbert Müller

Ab Oktober gehen die Kolonnen der Straßenmeisterei in teils luftiger Höhe an den Gehölzschnitt.

Altendorf – Die alte Esche an der Straße zwischen Altendorf und Züschen im südlichen Zipfel des Wolfhager Landes wird sich am bevorstehenden bunten Herbsttreiben der Laubträger nicht mehr beteiligen. Trockenstress im Sommer und das durch einen Pilz verursachte Eschentriebsterben haben ihr in kurzer Zeit den Garaus gemacht. Kahl ragen die Äste in den Himmel. Unter anderem wegen dieses Baums sind Sven Reuter und zwei Kollegen von der Straßenmeisterei Wolfhagen heute hier.

Energie aus dem Akku: Sven Reuter bereitet mit seiner Elektrosäge das Freischneiden einer Telefonleitung vor.
Energie aus dem Akku: Sven Reuter bereitet mit seiner Elektrosäge das Freischneiden einer Telefonleitung vor. © Norbert Müller

Mit dabei haben sie einen Hubsteiger, einen gemieteten Lastwagen mit langem Arm und kleiner Arbeitsbühne, auf der sie bis auf Kronenhöhe fahren können. Auf diesem Abschnitt der Landesstraße ist heute Gehölzpflege angesagt, und dabei wird auch die Esche so beschnitten, dass sie keine Gefahr mehr für die Verkehrsteilnehmer auf der Straße ist. Reuter steuert den Korb routiniert bis ans Geäst. Gemeinsam mit seinem Kollegen Karsten Kessler lässt er dann die Späne fliegen. Ast um Ast wird am Stamm gekappt. Während die beiden oben arbeiten, sichert der Jüngste des Straßenmeisterei-Trios, der 30-jährige Dennis Angstmann, die Einsatzstelle und leitet den Verkehr.

Entfernen von Totholz

Ab Oktober ist bei den Straßenmeistereien das Arbeiten mit Holz angesagt, der Schnitt für mehr Sicherheit an den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen: Entfernen von Totholz, gegebenenfalls das Fällen ganzer Bäume sowie das Stutzen von Büschen. Die Gehölzpflege werde nur unterbrochen, wenn die Kolonnen der Meistereien für den Winterdienst benötigt werden, sagt Marco Lingemann, Sprecher von Hessen Mobil. Bis Ende Februar sei der Schnitt an Bäumen, Büschen und Hecken entsprechend dem Naturschutzgesetz erlaubt, es sei denn, es ist Gefahr im Verzug, etwa durch Äste, die auf die Fahrbahn zu brechen drohen, dann kann die Säge auch in der Schonzeit angesetzt werden.

Alle Hände voll zu tun: Sven Reuter (links) und Karsten Kessler schneiden eine tote Esche radikal zurück.
Alle Hände voll zu tun: Sven Reuter (links) und Karsten Kessler schneiden eine tote Esche radikal zurück. © Norbert Müller

Zwischen Oktober und Februar arbeiten die Kolonnen das ab, was die Streckenwarte während ihrer regelmäßigen Fahrten auf den fast 280 Straßenkilometern, für die die Wolfhager Meisterei zuständig ist, an Mängeln am Holz aufgelistet haben. Ergänzt werden die Listen von speziell geschultem Personal der Meistereien, die laut Lingemann alle Bäume auf Straßengrundstücken mindestens einmal pro Jahr fachlich beurteilen. „Wenn die Baumbeobachter durch sind und klar ist, was alles zu tun ist, werden Pläne erstellt, wie die Bäume und Büsche behandelt werden sollen.“ Und die bekommen dann auch Fachbehörden wie die Untere Naturschutzbehörde zur Beurteilung.

Eigene Baumkontrolleure

Wenn man seitens der Straßenmeisterei Zweifel habe bei der Behandlung eines Baums oder dieser einen hohen Naturschutzwert besitze, „dann fordern wir unsere Baumkontrolleure aus Gelnhausen an“, sagt Lingemann. Die Einheit sei bei Hessen Mobil einmalig und bestehe aus speziell ausgebildeten Mitarbeitern. Für die Esche bei Altendorf brauchten sie jedoch nicht kommen, deren Ableben war offensichtlich. „Bäume habe es an Straßen nicht leicht“, sagt Lingemann. Der Wurzelstock befinde sich zur Hälfte unter dem Straßenbelag, im Winter gebe es die Belastung durch Streusalz, und nun setze ihnen auch noch der Wassermangel in den heißen Sommern zu. Und die Esche, eine der häufigsten Straßenbäume, leide zusätzlich durch das Welken ihrer Triebe.

Routinearbeit: Dennis Angstmann setzt mit der Kettensäge am Rand der Straße bei Altendorf Gebüsch auf den Stock.
Routinearbeit: Dennis Angstmann setzt mit der Kettensäge am Rand der Straße bei Altendorf Gebüsch auf den Stock. © Norbert Müller

Hier bei Altendorf, in der Elbaue, sehe es bei den Bäumen aber noch vergleichsweise gut aus. Und so müssen Sven Reuter und seine beiden Kollegen nach dem radikalen Runterschneiden der Esche auch nur eine überschaubare Menge an Totholz aus anderen Bäumen entfernen. Auf dem Programm steht zudem das Freischneiden einer Telefonleitung . Und auch um das Gebüsch kümmern sich die Mitarbeiter der Straßenmeisterei. Damit sich die Sträucher gesund entwickeln können, setzte man sie abschnittsweise alle 20 Jahre auf den Stock: Das Geäst wird bodennah gekappt. Das führe dann zu einem kräftigen Zuwuchs. „Wenn wir diese Form der Gehölzpflege nicht machen würden“, sagt Marco Lingemann, „wäre die Folge, dass sich die Sträucher durch den engen Stand gegenseitig in die Höhe treiben und dadurch instabil werden“. Das werde wiederum zusammen mit abgestorbenen Ästen zu einer Gefahr für den Verkehr, weil schon ein Windstoß ausreiche, um den Busch auf die Fahrbahn zu kippen.

Holz wird gehäckselt

Das Holz, das aus Kronen und Büschen geschnitten wird, werde abtransportiert und auf speziellen Plätzen im Wolfhager Land zwischengelagert. Das Schnittgut gehe an Firmen, die es häckseln und als Brennstoff für Holzhackschnitzelanlagen verwenden. Auch die Äste der Altendorfer Esche werden dort landen. (Norbert Müller)

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