Exponat des Monats

Mit der Steinzange mit Lastenrolle wurden schwere Steine für die Burgen bewegt

Exponat des Monats: Hermann Neumeyer präsentiert die Steinzange mit Lastenrolle.
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Exponat des Monats: Hermann Neumeyer präsentiert die Steinzange mit Lastenrolle.

Im Regionalmuseums Wolfhager Land ist bei den Werkzeugen und Arbeitsgeräten eine mit einer Lastenrolle verbundene Steinzange aus dem ehemaligen Wolfhager Baugeschäft Hartmann ausgestellt.

Wolfhagen – Als dessen Inhaber sich anlässlich einer Führung im Museum aufhielt und ihm in der Burgenabteilung ein abgebildetes mittelalterliches Modell solch einer beim Burgenbau eingesetzten Lastenzange präsentiert wurde, verwies er auf seine eigene, im Betrieb nicht mehr gebrauchte Lastenzange, die er anschließend spontan dem Museum übereignete.

Die Steinzange mit Lastenrolle benötigte man zum Hochziehen von schweren Steinen, was im Mittelalter vor allem beim Burgenbau notwendig war. Über ein Rollensystem eines Lastarmes zogen Pferdegespanne oder menschliche Kräfte die von der Steinzange aufgegriffene Steinlast nach oben.

Die Steinzange verbreitete sich um 1200 als Hebewerkzeug

Die hier gezeigte Steinzange stammt zwar aus dem 20. Jahrhundert, doch lässt der Vergleich mit Stichen aus dem Mittelalter den Schluss zu, dass sich die Form der Steinzange schon sehr früh herausgebildet und nicht mehr verändert hat.

Bis zum späten 12. Jahrhundert zog man beim Bau von Burgen Steinquader auf hölzernen Gestellen oder mit einem sogenannten „Wolf“ nach oben. Dieser Wolf ist ein mehrteiliges Eisen, das von oben in ein zuvor eingehauenes trapezförmiges Loch im Steinquader eingeführt und durch Keile auseinandergespreizt wird, sodass man den Steinquader gefahrlos nach oben ziehen kann.

Um 1200 verbreitete sich dann, ausgehend vom Elsass, als neues Hebewerkzeug die Steinzange. Bei ihr benötigte man zwei kleine Löcher im Quader, in die die Zange eingreifen kann. Durch das Gewicht des Quaders schließt sich beim Heben die Zange. Dass die Zangenlöcher nach dem Verbauen sichtbar blieben, störte damals nicht.

Zangenlöcher kennzeichnen noch heute mittelalterliches Mauerwerk

Für uns sind sie heute eine wichtige Datierungshilfe, um nachzuweisen, wann die Zange in einer bestimmten Region eingeführt wurde. Diese Zangenlöcher kennzeichnen noch heute mittelalterliches Mauerwerk.

Für die Steinbearbeitung wurde am Rande des Bauplatzes ein überdeckter Arbeitsplatz, die sogenannte Bauhütte, geschaffen. Dorthin wurden die Steine geschafft, damit die Steinmetze daraus regelmäßige Quader schlagen konnten. Bevor diese aufgesetzt werden konnten, musste der Untergrund vorbereitet werden.

Der Kern wurde mit unbehauenem Steinmaterial und viel Mörtel gefüllt

Hierfür wurden in den anstehenden Fels Bänke oder Abtreppungen geschlagen, so dass das Mauerwerk überall ein sicheres Fundament hatte, wie es etwa stellenweise der Basalt für die Weidelsburg ist. Solche Felsbearbeitungen zeigen heute oft noch den Verlauf der Mauer und deren Stärke an, auch wenn diese bereits verschwunden ist.

Die Mauern von Burgtürmen und Ringmauern konnten mehrere Meter stark sein und wurden fast immer in Zweischalentechnik errichtet. Die Arbeiter zogen die innere und äußere Front der Mauer entweder aus Quadern mit einer sorgfältig geschlagenen Oberfläche oder aus sorgfältig gesetzten Bruchsteinen hoch.

Anschließend verfüllten sie den Kern mit unbehauenem Steinmaterial und viel Mörtel. Es war aus Gründen der Stabilität immer wieder notwendig, auf diese Weise die beiden Mauerschalen untereinander und mit dem Mauerkern zu verbinden. Mit besonderer Sorgfalt wurden die Kanten der Mauern hochgezogen.

Der Bau von Burgen dauerte meist drei bis fünf Jahre

Ihr exakter Verlauf prägte das Aussehen wesentlich, und ihre genaue Konstruktion trug zur Stabilität bei. Deshalb wurden häufig auch bei Bruchsteinmauern die Kanten aus sorgfältig geschichteten Quadern errichtet und die Eckquader durch besondere Oberflächen, zum Beispiel mit Buckeln oder Bossen, ausgezeichnet.

Bei normalen Bedingungen wurde eine Burg in drei bis fünf Jahren fertiggestellt, denn der Adlige, der die Burg errichtete, wollte diesen Bau selbst und möglichst schnell nutzen. Deshalb waren an Burgenbaustellen mehr Arbeitskräfte konzentriert als an Kirchenbaustellen.

Service: Regionalmuseum Wolfhager Land - Museum, Ritterstraße 1, Wolfhagen, 05692 / 99 24 31, Fax: 05692 / 99 24 34, E-Mail: info@regionalmuseum-wolfhager-land.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Führungen, Schulführungen und Kinder-Geburtstage nach Vereinbarung. (Hermann Neumeyer)

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