Tiefgründiger und sinnlicher Stefan Jürgens im Kulturladen in Wolfhagen

Mit einem Sprung in die Herzen

Zwischen Comedy und gesungenen Geschichten mitten aus dem Leben: Stefan Jürgens begeisterte am Samstagabend im ausverkauften Wolfhager Kulturladen.
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Zwischen Comedy und gesungenen Geschichten mitten aus dem Leben: Stefan Jürgens begeisterte am Samstagabend im ausverkauften Wolfhager Kulturladen.

Gerade mal bis zum ersten Chorus dauert es, da schaffen sie auch den letzten Sprung tief hinein in die Herzen, um die es schließlich geht in „Unsre Zeit“, dem Song, den Stefan Jürgens einst als positiven Ausblick auf eine Liebesbeziehung geschrieben hat.

Wolfhagen - Heute, viele Jahre und eine unerwartete Pandemie später, klingt er im Wolfhager Kulturladen wie eine Liebeserklärung an seine Fans. Es sind Zeilen wie „Wenn du endlich vor mir stehst, und deine Hand in meine legst, haben Angstprofeten ihre Macht verlor’n“, die heute ganz anders klingen mögen als zum ursprünglich geplanten, pandemiebedingt ausgefallenen Auftrittstermin vor anderthalb Jahren.

Nun ist er endlich da, der musizierende Fernsehkommissar (Soko Wien, Tatort) und Comedystar (Sieben Tage, Sieben Köpfe), der Worte zu Geschichten und Töne zu Melodien verbindet und damit die Herzen seiner Zuhörer vor Freude hüpfen lässt. Aus selbigen spricht er ihnen, wenn er die gefühlte Ewigkeit seiner Zwangspause anprangert, 18 Monate, in etwa so lang wie eine Verliebtheitsphase. „Für diejenige, die sich gar nicht mehr erinnern können, das ist die Zeit vor den Bausparverträgen und den Unterhaltszahlungen“, flachst er und zeigt, was den perfekten Mix aus Liedermacher und Comedian so besonders macht. Jürgens wandelt mit Leichtigkeit zwischen Ernstem und Heiteren, plaudert in und zwischen seinen Songs ungeniert aus dem eigenen Leben, als hätte er es sich mit den besten Kumpels daheim an seinem alten Tisch gemütlich gemacht.

Auch ihm hat er einen eigenen Song gewidmet, der – wie viele andere auch – am Ende keine Zweifel offenlässt, dass eben auch Fernsehstars ganz normale Menschen sind. In „Mein alter Tisch“ erfährt man, was dem sympathischen Künstler Herkunft und Erinnerungen bedeuten und ist nicht nur ganz bei ihm, wenn er mit 170 durch die Nacht zu seinem kranken „Vater“ fährt, sondern auch, wenn er im Titelsong zum aktuellen Album „Was zählt“ versucht, das Zeitgeistige vom Beständigen zu trennen und seinen inneren Kompass danach auszurichten.

Während hymnische, eher laute Nummern wie „Irgendwo, nicht hier“ etwa wachrütteln, nicht allen Verlockungen unserer vernetzten Welt nachzugeben, sind es am Ende doch die vielen leisen Momente, die diesen Abend zu etwas Besonderem machen - und nach 18 Monaten Wartezeit dürfen dann ruhig auch ein paar Seufzer dabei sein.

Information Kulturladen:

Nächster Termin im Wolfhager Kulturladen: Kabarettistin Simone Solga am Donnerstag, 21. Oktober, um 20 Uhr. Karten unter anderem unter kulturladen-wolfhagen.de

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